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Wendigkeit ist nicht alles

Während sich bei den Großbanken das Personalkarussell dreht, versuchen die kleinen, spezialisierten Investmentbanken, mit guten persönlichen Kontakten zum Management der Firmen aufzutrumpfen. Ihr Problem: die Finanzierung. [Bildquelle: sxc.hu, Autor: RAWKU5]

Während sich bei den Großbanken das Personalkarussell dreht, versuchen die kleinen, spezialisierten Investmentbanken, mit guten persönlichen Kontakten zum Management der Firmen aufzutrumpfen. Ihr Problem: die Finanzierung. [Bildquelle: sxc.hu, Autor: RAWKU5]

Die kleinen, aber feinen Investmentbanken haben es schwer in Zeiten der Krise.

 

ROBERT LANDGRAF | FRANKFURT Spezialisierte Investmentbanken und Boutiquen gehen auf Personalfang. In den großen Banken wurden in den letzten Monaten nach Beobachtung von Top-Managern oftmals 20 bis 30 Prozent der Mitarbeiter abgebaut. Zudem lassen sich mit der Bezahlung und dem Arbeitsklima unzufriedene Banker leichter abwerben. Während sich bei den Großbanken das Personalkarussell dreht, versuchen die kleinen, spezialisierten Investmentbanken, mit guten persönlichen Kontakten zum Management der Firmen aufzutrumpfen. Ihr Problem: die Finanzierung.

An bekannten Namen, die gewechselt sind, fehlt es nicht. Das gilt sowohl für Deutschland als auch weltweit. Für Aufsehen sorgte etwa der Einstieg von Stefan Jentzsch als Partner bei der Investmentbank Perella Weinberg. Jentzsch hatte zuletzt Dresdner Kleinwort geleitet, die Investmentbank der Dresdner Bank. Viele Banker haben aber auch die Citigroup und UBS verlassen. So wechselt Martin Reitz als ehemaliger Co-Chef im deutschen Investment-Banking der UBS als neuer Top-Mann an die Spitze des Bankhauses Rothschild in Frankfurt. Und Konkurrent Lazard schnappte sich mit Alexander Doll einen weiteren Hochkaräter. Aber auch die Deutsche Bank musste bluten: Heike Munro, eine Netzwerkerin für schwierige Verhandlungen, ging von der Deutschen Bank als Ko-Leiter Restrukturierung zu Rothschild in Deutschland.

In Deutschland wirkte sich die neue Situation zum Teil schon aus. Bei drei der zehn größten Deals waren Spezialhäuser mit von der Partie: Lazard mischte beim bislang größten Deal 2009 mit deutscher Beteiligung als Berater mit - dem geplanten Kauf des niederländischen Versorger Essent durch die heimische RWE mit einem Volumen von 12,4 Mrd. Dollar. Das Bankhaus Metzler beriet beim Kauf von Lease Plan durch Fleet Investments. Und Greenhill sowie Close Brothers waren neben Goldman Sachs auf der Seite der Investoren unter Führung des Autozulieferers Magna, die auf den Kauf von Adam Opel hoffen.

Ähnlich sieht es im Weltmaßstab aus. Hier waren Evercore Partners, Grasham Partners und Lazard bei den zwei größten Deals weltweit mit dabei: der Übernahme von Wyeth durch Pfizer im Pharmabereich und dem Versuch des Rohstoffkonzerns BHP Billiton, den Eisenerzbereich von Rio Tinto zu schlucken.

Doch das kann nicht über die aktuelle Zwickmühle der Konzerne hinwegtäuschen: Derzeit kommen "große integrierte Investmentbanken leichter zum Zug, wenn Finanzierungsbedarf besteht", sagt Siegfried Drueker, Deutschland-Chef von Banca Leonardo. Dann spielten breite Bilanzen eine wichtige Rolle. Allerdings sei die Zahl der Institute, die dies böten, übersichtlich geworden. In Deutschland zählt Drueker vor allem die Deutsche Bank und Commerzbank dazu. Auch Wilhelm Schulz, Europa-Chef für Fusionen und Übernahmen (M&A) bei der Citi, spürt die Investmentbanken-Boutiquen nicht als große Konkurrenten in einem Umfeld, das nach wie vor durch einen "restriktiven Kapitalmarktzugang gekennzeichnet ist". Für Johannes Gröller, Co-Chef Investment-Banking bei Morgan Stanley, zählt neben der Finanzierungskraft die Expertise etwa für Kapitalerhöhungen in Verbindung mit einer Fusion.

Gröller räumt aber ein, dass Boutiquen in der Krise den Vorteil kleiner Organisationen haben und sich nur auf das M&A-Geschäft konzentrieren. Für Michael Drill, Chef von Lincoln International, ist die Kontinuität beim Personal ohne das laufende Auf und Ab bei den Managern ein großes Plus für die Spezialbanken, die er weiter moderat wachsen sieht, allerdings mit Schwerpunkt im Mittelstand. Nach der Analyse von Drueker sind in den ersten Monaten europaweit mehr als die Hälfte des Geschäftes der Investmentbanken in den Bereichen Schuldenberatung (debt advisory) und Restrukturierung gelaufen. "Darauf können sich Boutiquen mit ihrer Wendigkeit schneller einstellen", steht für ihn fest. Angesichts der aktuellen Lage erwartet Richard Markus, Deutschland-Chef von Jefferies, dass die Anzahl der Boutiquen in den nächsten ein bis zwei Jahren deutlich ansteigen wird. Etliche gut vernetzte Investmentbanker würden sich selbstständig machen wie das Fall der Spezialbank Greenhill im letzten Abschwung gezeigt habe.

 

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