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Vorteile und Tücken der Telearbeit

Flexibel arbeiten [© olly - Fotolia.com]

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Die Niederlande führen ein Recht auf Heimarbeit ein. Auch hier soll Telearbeit die Vereinbarkeit von Familie und Job verbessern. Doch rechtlich ist einiges zu beachten.

Kürzlich wurde in den Niederlanden ein Recht auf Arbeit im Homeoffice beschlossen: Ab Juli können Niederländer etwa bei Krankheit der Kinder oder Pflege von Angehörigen einen Anspruch auf Heimarbeit durchsetzen, sofern sie in einem Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten arbeiten, sich ihre Arbeit von zu Hause aus erledigen lässt und keine zwingenden betrieblichen Gründe dagegensprechen. Lehnt der Arbeitgeber Heimarbeit ab, muss er dies begründen – das kehrt die Beweispflicht um.

Besonders angesichts der Diskussion über die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf blicken jetzt viele Deutsche neidisch ins Nachbarland. Auch dort soll die Regelung vor allem die Vereinbarkeit erleichtern. Der Gesetzesvorschlag war auch eingebracht worden, weil immer mehr Beschäftigte in den Niederlanden Angehörige pflegen.

Hierzulande nutzt gut jeder vierte Arbeitnehmer hin und wieder die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, wie eine repräsentative Befragung des Branchenverband Bitkom ergab. Jeder Achte – also gut zwölf Prozent der Beschäftigten – arbeitet regelmäßig von zu Hause, also an festen Tagen in der Woche oder im Monat. 

Ein Recht auf Telearbeit gibt es nicht. Der Arbeitgeber hat ein Weisungsrecht und bestimmt auch den Ort der Arbeitsleistung. Allerdings existieren in vielen Unternehmen Betriebsvereinbarungen zu dieser flexibleren Form des Arbeitens. In den USA bei Yahoo wurde zwar das Arbeiten aus dem Homeoffice zuletzt wieder abgeschafft, aber in Europa wird Telearbeit ausgebaut. Schließlich ist für viele Tätigkeiten im Büro nicht zwingend die physische Anwesenheit der Mitarbeiter im Unternehmen erforderlich.

Insbesondere in der IT-Branche ist flexibles Arbeiten verbreitet: Bei Google und Microsoft haben die Mitarbeiter selbstverständlich die Möglichkeit, auch von zu Hause aus zu arbeiten. Vielfach gibt es das auch im Mittelstand. Denn das Angebot, tageweise Telearbeit verrichten zu können, bietet beiden Seiten Vorteile: Eltern können etwa Kinderkrankheitstage oder Kitaschließungszeiten abdecken. Für die Arbeitgeber sind Mitarbeiter, die von zu Hause arbeiten, allemal besser als Mitarbeiter, die ganz fehlen. Und mehr noch: Studien zeigen, dass Beschäftigte das flexible Arbeiten wertschätzen und ihre Loyalität steigt, wenn der Arbeitgeber ihnen die Möglichkeit gibt, Familie und Beruf besser zu vereinbaren.

Nichtsdestotrotz tun sich noch viele Firmen schwer damit, Telearbeit fest zu etablieren. Selbst Unternehmen, die ihren Mitarbeitern an einzelnen Tagen die Arbeit aus dem Homeoffice ermöglichen, befürchten eine schlechtere Arbeitsleistung, wenn sie das Angebot ausweiten. Wer Kinder zu versorgen hat, würde stärker abgelenkt. Und ob die Arbeitszeit wirklich eingehalten wird oder der Mitarbeiter stattdessen in der Sonne im Garten liegt, ist auch nicht zu kontrollieren. Allerdings sind diese Befürchtungen häufig unnötig. Studien zufolge sind Arbeitnehmer zu Hause oft produktiver und arbeiten länger als bei physischer Anwesenheit in der Firma – vor allem, wenn Vertrauensarbeitszeit gilt, wie die WirtschaftsWoche berichtet.

Zweifel am Karriere-Interesse

Problematisch ist allerdings, dass Mitarbeiter, die regelmäßig zu Hause arbeiten, vom Karriereradar der Vorgesetzten verschwinden. Die erfüllen zwar den Wunsch nach Telearbeit, nehmen ihn aber als Absage an Karriere wahr – besonders, wenn der Wunsch mit einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf begründet wird. Der Effekt zeigt sich bereits, wenn Mitarbeiter nur einen Tag in der Woche von zu Hause aus arbeiten. Noch immer werden vor allem jene mit attraktiven Projekten, Weiterbildungen und Karrierechancen bedacht, deren Leistung sichtbar ist und die selbst sichtbar sind. Außerdem fehlt es Heimarbeitern, die einen großen Teil der Arbeit aus dem Homeoffice verrichten, an Feedback, Anbindung und oft auch verbindlichen Absprachen mit dem Vorgesetzten sowie dem Rest des Teams.

Arbeitsrechtlich ist zu beachten, dass klare Regeln vereinbart werden: Erwartungen, Tätigkeiten und der Arbeitsumfang müssen eindeutig definiert sein. Gut ist auch, messbare und realistische Ziele zu vereinbaren, die im Homeoffice erreicht werden sollen. Außerdem sollte festgehalten, wann und in welchem Turnus Feedbackgespräche stattfinden oder der Mitarbeiter an Meetings und Teamtreffen teilnimmt.

Arbeitszimmer nur bedingt steuerlich absetzbar

Außerdem sollte geklärt sein, wie sich der Arbeitgeber an den Kosten beteiligt, die im Homeoffice anfallen. Manche Unternehmen übernehmen etwa die Miete für das Arbeitszimmer oder zahlen Zuschüsse zum Telefon- und Internetanschluss. Wird die Miete nicht übernommen, kann der Heimarbeiter diese steuerlich geltend machen, wenn das heimische Arbeitszimmer den Mittelpunkt seiner Arbeit darstellt – häufig sind die Kosten aber nur bedingt absetzbar. Überlässt die Firma dem Angestellten eine komplette Büroeinrichtung, muss dies als geldwerter Vorteil versteuert werden. Werden hingegen nur einzelne Geräte und Möbel wie Computer und Schreibtisch zur Nutzung überlassen, braucht der Telearbeiter dies nicht zu versteuern. Grundsätzlich sind sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer gut beraten, die steuerlichen Fragen vorher zu klären.

Ist die Arbeit von zu Hause einmalig gewährt, darf der Arbeitgeber die Zusage nicht einfach einseitig aufheben, wie ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf zeigt (Aktenzeichen 12 Sa 505/14). Er muss die Interessen des Mitarbeiters berücksichtigen. Das ist insbesondere der Fall, wenn sich ein entsprechender Passus zur Regelung der Telearbeit standardmäßig in den Arbeitsverträgen mehrerer Kollegen befindet.

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