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Werden die Verfolger aus Europa nun zu Gejagten?

Löwe, Augen, Nase, [Quelle: sxc.hu, Autor: memoossa]

Löwe, Augen, Nase, [Quelle: sxc.hu, Autor: memoossa]

Die europäischen Wirtschaftshochschulen haben in den vergangenen zehn Jahren zur Weltspitze aufgeschlossen. Doch vielen fehlt noch immer der starke Markenname. Die wachsende Konkurrenz aus Asien ist für sie daher bedrohlicher als für US-Hochschulen.

Als die London Business School (LBS) 2010 zum ersten Mal alleine an der Spitze des in Europa einflussreichsten Rankings von MBA-Programmen stand, war das eine Sensation. Zum ersten Mal führte eine europäische Wirtschaftshochschule die Rangliste der britischen "Financial Times" (FT) an, die Dominanz der Amerikaner war endgültig gebrochen. Seit mehr als zehn Jahren hatte sie sich kontinuierlich nach oben gearbeitet - und steht damit exemplarisch für den Aufstieg der europäischen Business Schools.

In den vergangenen zehn Jahren sind die Europäer gleichgezogen mit den Traditions-Universitäten der USA, dem Heimatland des MBA. Waren 2001 drei Europäer unter den Top 20 im FT-Ranking, kam 2011 ein Drittel der Hochschulen aus Europa. Sie haben es nicht nur geschafft, Absolventen hervorzubringen, die heute an den Schaltstellen der europäischen Wirtschaft sitzen. Sie haben ein eigenes Profil entwickelt, einen Typus des praxisnahen Managementprogramms, der exemplarisch für den Kontinent steht.
 
"Während sie vor einigen Jahren noch als US-Importe angesehen wurden, sind die MBA-Programme nun Teil der europäischen Bildungslandschaft", sagt Eric Cornuel, Generaldirektor des Management-Netzwerks EFMD, das mit dem Equis-Siegel auch eine der drei international wichtigen Akkreditierungen für Business Schools vergibt. Das einjährige Studium, die Vielfalt der Nationen und Kulturen in den Klassen sind ihr Markenzeichen geworden.
 
Gespannt schauen die einstigen Aufsteiger nun auf die neuen Emporkömmlinge in Asien, denen eine ähnliche Entwicklung prophezeit wird. Doch im Vergleich zur amerikanischen Konkurrenz haben die Europäer dort einen Nachteil. "Europäische Business Schools haben nicht das Prestige und den Markennamen, den die US-Schulen haben", sagt Jim Pulcrano, der das International Institute for Management Development (IMD) im schweizerischen Lausanne leitet. "Um für Asiaten attraktiv zu sein, müssen wir uns stärker anstrengen und Innovationen schneller vorantreiben."
 
Daher versuchen die europäischen Schulen sich abzusetzen. Was machen sie anders? Sie kürzen ab. Bis auf wenige Ausnahmen wie an der London Business School dauert das MBA-Studium in Europa nur neun bis zwölf Monate. Das ist ein straffes Programm - und verlangt von Bewerbern eine Grundsatzentscheidung. Denn die US-Hochschulen setzen fast ausschließlich auf das zweijährige Studium. Mit Gebühren zwischen 40.000 und 60.000 Euro für die Top-Programme sind sie nur halb so teuer wie die Amerikaner, bieten dafür aber die gleichen Karriereaussichten - vor allem in Europa. Denn das Netzwerk der Hochschulen ist vor allem auf dem Kontinent und in Großbritannien stark.
 
Zumal: Die europäischen Hochschulen sind weitaus internationaler als die amerikanischen. 70 bis 80 Prozent der Studenten in den MBA-Klassen kommen meist nicht aus dem Land, in dem die Hochschule beheimatet ist; in den USA ist das Verhältnis genau umgekehrt. "Unser Ansatz der kulturellen Vielfalt ist heute relevanter und notwendiger als vor zehn Jahren", sagt IMD-Chef Pulcrano. Denn die Business Schools sollen ihre Absolventen auf die globalisierte Wirtschaftswelt vorbereiten. Und die hat vor allem mit interkultureller Kompetenz zu tun. "Europäische Business Schools unterscheiden sich auch darin, dass sie größeres Gewicht auf Soft Skills legen", sagt EFMD-Direktor Cornuel. Sie setzen auf Teamfähigkeit oder Verständnis für andere Kulturen.
 
Doch der Aufstieg der asiatischen Wirtschaft und der Wirtschaftshochschulen wird die MBA-Landkarte aber noch einmal gründlich durcheinanderbringen. "Die asiatischen Schulen werden uns einholen", sagt IMD-Chef Pulcrano. Vor allem für die Europäer hat das Konsequenzen. Erfolgreiche Business Schools brauchen wissenschaftlich erfolgreiche Professoren. Doch dafür fehlt den Europäern der starke Markenname; in Europa zu lehren und zu forschen sei nicht so prestigeträchtig wie in den USA. "Um sich als Professor heute einen Namen zu machen, ist eine Station an einer US-Business-School ein Muss", sagt Pulcrano.
 
Nun kommt Asien dazu; für die Professoren wird auch eine Station dort quasi Pflicht. "Man muss zeigen, dass man diese Region verstanden hat", sagt Pulcrano. Immer mehr Professoren verlassen daher Europa gen Osten. Das Problem haben die amerikanischen Schulen zwar auch, für die Europäer aber ist es von noch größerer Bedeutung.
 
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