Partner von:

Turbo statt Karrierekiller

Laptop, Software, Kaffee [Quelle: unsplash.com, Autor: Lauren Mancke]

Quelle: unsplash.com, Lauren Mancke

Gutes Englisch ist heute Voraussetzung für beruflichen Aufstieg – auch in deutschen Firmen. Doch welcher Sprachkurs ist der richtige?

Witze über Deutsche und ihre Aussprache im Englischen gibt es vermutlich so viele wie Pubs in England. Und tatsächlich kann schlechtes Englisch ein echter Karrierekiller sein – selbst in deutschen Unternehmen, in denen Englisch immer öfter Konzernsprache ist.

Zwar schneiden die Deutschen mit ihren Sprachkenntnissen in internationalen Vergleichsstudien wie EF English Proficiency Index durchaus passabel ab, allerdings längst nicht so gut wie die Skandinavier. Und auch in der Selbstwahrnehmung ist noch viel Luft nach oben: Gut 37 Prozent schätzen ihre Englischkenntnisse als gering ein, nur rund neun Prozent halten sie für gut.

Umso wichtiger ist es gerade für Mitarbeiter in international orientierten Unternehmen, das eigene Englisch aufzupolieren. Auch wer ein Managementstudium mit Abschluss Master of Business Administration (MBA) anstrebt, kommt darum kaum herum: Viele Programme setzen sehr gute Kenntnisse voraus.

Schritt für Schritt

Das Problem beginnt oft schon damit, die eigenen Kenntnisse richtig einzuschätzen. Die letzte Englischstunde liegt meist schon Jahre zurück, und die Komplimente der Einheimischen beim letzten London-Besuch könnten eher der britischen Höflichkeit als dem Sprachniveau geschuldet sein. "Viele Studierende haben eine zu hohe beziehungsweise nicht ausreichend detaillierte Einschätzung ihrer Sprachkenntnisse", sagt Henriette Javorek Runte, Leiterin des Sprachenzentrums der Universität Hamburg.

Eine objektive Einschätzung der sprachlichen Fertigkeiten ist daher wichtig. Eine Sprachschule mit ihren Einstufungstests ist eine Möglichkeit, daneben gibt es Selbsttests, zum Beispiel von der Association of Language Testers in Europe. Das Verfahren unterscheidet sechs Stufen des Sprachniveaus, von A1 für Anfänger bis C2 für nahezu muttersprachliche Kompetenzen. Im Internet gibt es eine Reihe weiterer Hilfestellungen für eine erste Einschätzung, unter anderem von der Europäischen Kommission.

Der Klassiker unter den Englischtests heißt "Test of English as a Foreign Language", besser bekannt unter dem Kürzel Toefl. Die standardisierten Aufgaben werden von vielen Universitäten weltweit als Qualifikationsnachweis anerkannt. Der Test lässt sich auf Papier absolvieren, aber auch online. Wegen seines Anspruchs ist er allerdings eher etwas für diejenigen, die nicht allzu sehr an ihren Fähigkeiten zweifeln. Für alle anderen sind einfachere Tests ratsam.

Wer mit dem Testergebnis in der Hand Verbesserungsbedarf sieht und gern professionelle Hilfe in Anspruch nehmen möchte, steht schon vor dem nächsten Problem: Das Angebot ist gewaltig.

Wer im Netz mit den Suchbegriffen "MBA" und "Englischkurs" nach Anbietern sucht, erhält Tausende Treffer. Sprachreisen, Sprachschulen, Institute, Lernen vom Muttersprachler: Die Angebote sind ebenso vielfältig wie unübersichtlich und auf den ersten Blick schwer zu unterscheiden. Um den passenden Anbieter zu finden, lohnt es sich daher, in mehreren Schritten vorzugehen.

Zunächst ist es wichtig, "dass ein Anbieter nicht nur einseitig auf eine bestimmte Fähigkeit abzielt, sondern eine große Bandbreite an Fähigkeiten trainiert, wie etwa Grammatik, Lese- und Hörverständnis, Vokabular sowie schriftlichen und mündlichen Ausdruck", sagt Fremdsprachenexpertin Runte. "Ein guter Sprachanbieter ist auch transparent darin, welche Unterrichtsmethoden angewendet werden. Diese sollten unter anderem auch Gruppenarbeit, Rollenspielübungen, Diskussionen, Hausarbeiten, Präsentationen, Projektarbeit, den Einsatz verschiedenster Arten von Medien umfassen." Reiner Frontalunterricht ist nicht effektiv genug. Gelernt werden die Feinheiten der Sprache erst in der Wiederholung, im Gespräch, in der Diskussion, beim Hören und Sprechen, Lesen und Schreiben.

Wer speziell für den beruflichen Alltag oder ein MBA-Programm lernt, sollte zusätzlich darauf achten, dass gezielt Vokabeln und Redewendungen aus dem Bereich vermittelt werden und der Kurs die Teilnehmer befähigt, fachliche Texte zu verstehen und selbst zu verfassen. Das Gleiche gilt für Kurse, die das Wirtschaftsenglisch im Allgemeinen aufpolieren sollen.

Die Hochglanzbroschüren der Kursanbieter geben hierzu nicht unbedingt genug Auskunft, erst Nachfragen schaffen Planungssicherheit.

Im nächsten Schritt ist die Entscheidung über die Unterrichtsform zu treffen. Wen der Gedanke, wieder im Seminar zu sitzen, nicht begeistert, der kann sich auch für ein Onlineangebot entscheiden. Unter den Sprachschulen 4.0 gibt es vom Crashkurs bis zum Qualitätsanbieter zahlreiche Möglichkeiten.

Der größte Vorteil der Internetkurse ist das selbstbestimmte Lernen, das vor allem für diejenigen attraktiv ist, die regelmäßigen Präsenzunterricht mit ihrem Beruf und ihren Arbeitszeiten nicht vereinbaren können – und sich den ohnehin prall gefüllten Kalender nicht noch mit weiteren Abendterminen füllen wollen. Die Kehrseite der zeitlichen Flexibilität: E-Learning erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Abends oder am Wochenende Vokabeln und Grammatik zu lernen ist nicht jedermanns Sache.

Persönliches Feedback

Zudem eignen sich Onlineangebote eher für den Erwerb von Grundlagenwissen und weniger für das Aneignen von verhandlungssicherem Wirtschaftsenglisch. "Es fehlt in der Regel am Diskurs", sagt Britta Hufeisen, Professorin und Leiterin des Sprachenzentrums an der Technischen Universität Darmstadt. "Doch gerade auf den Diskurs kommt es ja an, wenn man sich auf einen MBA-Kurs vorbereitet." Ein Roboter als Konversationspartner reiche nicht aus.

Ähnlich argumentiert auch ihre Hamburger Kollegin Runte: "Ein guter Sprachanbieter prüft die Teilnehmer auf viele verschiedene Arten und gibt ausführliche Rückmeldung zu ihrem Fortschritt. Das kann nicht nur durch die Vergabe von Noten erfolgen." Nur ein gutes, persönliches Feedback ermögliche es den Teilnehmern, den eigenen Lernfortschritt realistisch einzuschätzen.

Das entscheidende Kriterium bei der Wahl des Kurses ist laut Hufeisen die bevorzugte Lernweise. "Beim einen läuft das eher über das Ohr, beim anderen über das geschriebene Wort. Erst wenn man weiß, wie man am besten lernt, kann man eine passende Schule finden."

Das Argument, dass manchen schlicht die Begabung für die englische Sprache fehlt, lässt die Professorin nicht gelten. "Talent für Sprachen gibt es nicht, wohl aber eine unterschiedlich hohe Motivation", sagt Hufeisen. "Und je besser das Schulsystem damit zusammenpasst, umso besser für das Ergebnis." Denn eine dauerhaft hohe Motivation sei die beste Basis für den Lernerfolg.

Mit dieser Vorbereitung steht dem Erfolg in der Wirtschaftswelt oder beim MBA-Studium nichts mehr im Wege. Und den Witzen über das ungelenke und akzent behaftete Englisch der Deutschen ist zumindest für die Zukunft ein Stück weit der Boden entzogen.

© Handelsblatt GmbH. Alle Rechte vorbehalten. Zum Erwerb weitergehender Rechte wenden Sie sich bitte an nutzungsrechte@vhb.de.

nach oben

e-fellows.net schenkt Stipendiaten einen dreimonatigen Sprachkurs im Wert von 19,99 Euro. Egal, ob Englisch, Russisch oder Schwedisch – hier findet jeder was.

Verwandte Artikel
Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren