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Von der Angst, nicht dazuzugehören

Alleinsein, Diskriminierung, Angst [Quelle: pexels.com]

Quelle: pexels.com

Unzählige Unternehmen setzen auf Diversity-Management, um Offenheit und Toleranz voranzubringen. Doch trotz Quoten kommt es oft zu Diskriminierung. Das hat Gründe.

Stellen Sie sich bitte Folgendes vor: Sie sind nach einem Umzug in eine neue Stadt auf einer Party eingeladen. Voller Vorfreude machen Sie sich schick, steigen in die U-Bahn und fahren zum Ort des Geschehens. Auf dem Weg von der Haltestelle zum Haus der Gastgeberin verlaufen Sie sich und kommen etwas zu spät, die Party ist bereits im Gange. Sie betreten ein weiträumiges Zimmer mit Stehtischen und schauen sich um. Da geht Ihnen auf, dass sie in der Einladung etwas übersehen haben: Alle Menschen sind komplett weiß angezogen, nur Sie tragen farbige Kleidung. Davon lassen Sie sich jedoch nicht entmutigen.

Die anderen Gäste scheinen sich größtenteils zu kennen, sie stehen in Gruppen zusammen, unterhalten sich angeregt, scherzen und lachen. Sie halten Ausschau nach der Gastgeberin, der einzigen Person, die Sie persönlich kennen, aber sie scheint wie vom Erdboden verschluckt. Also entschließen Sie sich, das Beste aus der Lage zu machen, schnappen sich ein Getränk und gesellen sich zu einer Kleingruppe, die ihnen sympathisch erscheint. Sie hören aufmerksam zu und versuchen Blickkontakt aufzunehmen, aber irgendwie funkt es nicht. Die Themen, über die man sich austauscht, sind Ihnen unbekannt, auch der ganze Habitus der Unterhaltung erscheint Ihnen fremd. Einige zaghafte Versuche, sich ihrerseits einzubringen, werden weitgehend ignoriert. Also gehen sie zum nächsten Tisch, doch auch da läuft es nicht besser, beim darauffolgenden Tisch bleiben Sie ebenfalls außen vor. 

Ihnen geht auf: Sie sind da und doch nicht dabei, Sie gehören nicht dazu. Ihre Laune sinkt zusehends, aber niemand nimmt davon Notiz. Als Sie die Gastgeberin endlich erblicken, sind Sie bereits derart genervt, dass Sie Unwohlsein vortäuschen, sich verabschieden und betrübt den Heimweg antreten.

Wenn man der Neue ist

Wir alle kennen solche Situationen. Man ist der oder die Neue, gehört noch nicht zum Club. Als Kind kam man vielleicht in eine neue Klasse, oder als Ersti an die Uni – auch jeder Arbeitsplatzwechsel hält eine solche Herausforderung bereit. Man hat den Wunsch sich zu integrieren, will dazugehören, kennt aber die lokalen Gepflogenheiten noch nicht, zumindest nicht jene ungeschriebenen Regeln, die eigentlich bestimmen, wie der Hase läuft. Nun mag man sagen: Wo ist das Problem? Ich lerne die Regeln kennen, dann gehöre ich dazu.

Grundsätzlich ist das der richtige Ansatz. Allerdings zeigt sich, dass es ein diffiziles Unterfangen sein kann, insbesondere, wenn man anders ist, beispielsweise einer ethnischen Minderheit angehört, die möglicherweise auch noch mit negativen Stereotypen belegt ist. Leider hat jener Mechanismus, der in der eingangs geschilderten Geschichte lediglich in einen betrüblichen Abend mündet, für Menschen in jenem Fall weitreichende Konsequenzen, zum Beispiel wenn um die Chancen eines guten Studienabschlusses oder einer beruflichen Karriere geht.

Bin ich richtig hier?

Die Rede ist von einem Mechanismus, den Sozialpsychologen Belonging Uncertainty nennen, zu Deutsch sinngemäß Zugehörigkeitsunsicherheit. Gemeint ist ein unspezifischer Zweifel, eine bisweilen nagende Stimme im Hinterkopf, die immer wieder leise fragt: "Bin ich richtig hier? Gehöre ich wirklich dazu?" Bis zu einem gewissen Grad kennen wir alle dieses Phänomen, doch besonders betroffen sind laut Forschungsergebnissen leider Mitglieder ethnischer Minderheiten. Wie trägt Belonging Uncertainty zu Misserfolg bei?

Insbesondere in Situationen, in denen wir uns nicht auskennen und demzufolge Unsicherheit erleben, sind soziale Kontakte unerlässlich. Teil einer Gruppe zu sein, bietet Schutz, Orientierung und die Möglichkeit, von der Erfahrung anderer zu profitieren. Beispielsweise gibt es in vielen Studiengängen in den ersten Semestern einige besonders harte Prüfungen, mit denen unmotivierte oder wenig leistungsstarke Studierende ausgesiebt werden sollen. Folglich stehen eine Unmenge erfolgskritischer Fragen im Raum: Wann und wo kann ich mich überhaupt zur Prüfung anmelden? Wo bekomme ich die besten Skripte her? Welchem Professor sollte ich nach Möglichkeit aus dem Weg gehen, wenn ich eine halbwegs anständige Note haben möchte? Vielleicht aber auch nur: Wo kriege ich günstig etwas Essbares her, wenn der Mensakoch wieder einen miesen Tag hatte?

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