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Von zu Hause aus

Home-Office, Bett, Arbeit, Laptop [Quelle: Unsplash.com, Jiří Wagner]

Quelle: Unsplash.com, Jiří Wagner

Mit Laptop im Bett oder mit Kollegen im Büro? Was Räume für den Spaß bei der Arbeit bedeuten.

Herr Rambow, lange hieß es: In Zukunft werden immer mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten. Jetzt hat die Technikfirma IBM das Homeoffice abgeschafft, genauso wie Yahoo. Warum?

Riklef Rambow: Die Begründung der Unternehmen lautet, dass die physische Nähe der Mitarbeiter erforderlich sei, um Kreativität und Innovation zu steigern. Tatsächlich gibt es Studien, die das belegen.

Ist das Homeoffice also tot?

Nein. Viele arbeiten mit mobilen Geräten wie Tablets auch im Zug, auf Messen, im Hotel. Für Unternehmen hat es natürlich Vorteile, wenn Mitarbeiter ständig einsatzbereit sind und von überall aus arbeiten können. Man nennt das Mobile Office. Anders als das Homeoffice ersetzt es in der Regel nicht das klassische Büro, sondern ergänzt es. Und: Unternehmen wie Google und Apple investieren gewaltige Summen in Arbeitsplätze, die so attraktiv sind, dass die Mitarbeiter womöglich gar nicht mehr nach Hause gehen wollen.

Sollte man sich also im Büro genauso wohlfühlen wie zu Hause, mit Hausschuhen und Hund unterm Schreibtisch?

Auf keinen Fall. Natürlich sollte niemand in einem Büro arbeiten müssen, in dem er sich unwohl fühlt. Psychologisch gesehen ist es aber wichtig, sich im Büro anders zu verhalten und zu fühlen als daheim. Das fördert die Konzentration, ein professionelles Miteinander und mindert die Gefahr, dass sich Mitarbeiter für ihre Arbeit zu stark aufopfern.

Hier in Deutschland sind viele Büros ziemlich hässlich: mit grauem Teppich, dörren Gummibäumen und Raufasertapeten. Woran liegt das?

Viele Firmen wissen nicht, in welchem Maße es sich lohnt, in einen gut gestalteten Arbeitsplatz zu investieren. Das liegt daran, dass der Nutzen nicht offensichtlich ist: Wenn ich eine neue Maschine mit mehr Leistung kaufe, kann ich mir das Ergebnis ausrechnen. Bei einem neuen Büro nicht.

Sie meinen, das Umdekorieren lohnt sich für die Unternehmen?

Ja, insbesondere im Bereich IT, wo Fachkräfte knapp werden, muss man etwas ändern, um gute Mitarbeiter zu finden und zu halten. Da reicht es nicht, ein ordentliches Gehalt zu bieten. Also versuchen sich die Firmen anders von der Konkurrenz abzusetzen – etwa mit der Gestaltung der Büros.

Im Silicon Valley gibt es Büros mit Swimmingpools oder Kletterwänden, an denen sich die Mitarbeiter austoben können. Werden wir künftig alle so arbeiten?

Das glaube ich nicht. Im Gegenteil. Kaum ein Unternehmen kann sich einen Luxus wie zum Beispiel bei Apple leisten. Aber die Chefs müssen auch nicht gleich Millionen von Euro für einen Neubau ausgeben. Oft reichen schon gezielte kleinere Maßnahmen, um die Arbeitsatmosphäre zu verbessern.

Ein Kickertisch?

Ein Kickertisch wird in der Regel nur von einem Teil der Mitarbeiter in einer Firma genutzt. Die anderen sind genervt von dem Lärm. Man braucht Verbesserungen, die alle betreffen: bequeme Sitzgruppen in der Kantine oder eine andere Anordnung der Arbeitsplätze. Oft hilft es, eine Wand zu öffnen und so eine Sichtbeziehung zwischen zwei Kollegen zu schaffen. Viele ältere Bürogebäude sind unvorteilhaft gebaut, die Menschen sitzen dort voneinander abgeschottet.

Was verändert Sichtkontakt?

Der informelle Austausch zwischen Mitarbeitern wird häufig unterschätzt. Menschen, die sich immer wieder beiläufig begegnen, tauschen sich früher oder später auch über Projekte aus und entwickeln dabei neue Ideen. Gerade bei kleineren Unternehmen werden Mitarbeiter aber oft einfach dort untergebracht, wo gerade ein Büro frei ist, und nicht da, wo es inhaltlich Sinn macht. Das sollte man besser ändern.

Was halten Sie dann von Großraumbüros?

Eigentlich eine gute Sache, man kommt leicht ins Gespräch. Allerdings muss es für Mitarbeiter Rückzugsorte geben. Zudem hängt der Nutzen stark von der jeweiligen Aufgabe ab: Wenn sich ein Team viel austauschen muss, ist ein Großraumbüro sinnvoll. Für Mitarbeiter, die größtenteils konzentrierte Stillarbeit verrichten, ist es eine Katastrophe.

Der ADAC und die Bank UBS setzen auf das sogenannte Desk-Sharing, bei dem es keine fest vergebenen Arbeitsplätze gibt, sondern jeder Mitarbeiter morgens nach Bedarf seinen Schreibtisch wählt. Halten Sie das für eine gute Idee?

Auch bei Beratern oder in der Finanzbranche ist das mittlerweile üblich. Da sind ohnehin nie alle Kollegen gleichzeitig im Büro, und die Firmen können so viel Platz und Kosten sparen. Aber nicht jeder kann mit so viel Flexibilität umgehen. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich viele Mitarbeiter ohne festen Arbeitsplatz von ihrer Firma entfremden. Sie fühlen sich weniger als fester Bestandteil ihres Teams. Darunter leidet ihre Motivation, was wiederum der Firma schadet.

Für die Motivation stellen Arbeitgeber Sitzsäcke auf und kleben bunte Post-its an die Wand. Kann das funktionieren?

Eine spielerische Umgebung schafft eine gelassenere Atmosphäre als ein Konferenzraum mit Mahagonitisch. Die Einrichtung signalisiert: Hier muss nicht alles ernst und perfekt sein. Das ist kein Selbstzweck, sondern soll die Mitarbeiter ermutigen, auch verrückte Ideen zu äußern. Das gelingt allerdings nur, wenn die bunten Möbel mehr sind als Fassade und eine offene, fehlertolerante Kultur im Unternehmen tatsächlich gelebt wird. Wenn die Hierarchien nicht zu starr sind und auch die Praktikanten mitreden dürfen. Sonst bringt die modernste Einrichtung nichts. Grundsätzlich gilt: Es gibt keine Standardlösungen. Jedes Unternehmen muss seinen eigenen Weg finden.

Wie gelingt das?

Indem die Führungskräfte ihre Mitarbeiter fragen, wie sie eigentlich arbeiten wollen. Und wo sie arbeiten wollen.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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