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Promotion aus reinem Karrierekalkül?

Aus reinem Karrierekalkül lohnt sich die Promotion ganz allgemein gesprochen nicht mehr so wie früher, sagen viele Personalberater, wobei sich das von Fach zu Fach unterscheidet: "Das Anfertigen einer Dissertation ist harte Arbeit, aber kaum mehr berufsrelevant", sagt etwa der Headhunter Jürgen van Zwoll. Um Karriere zu machen, brauche es heute keinen Doktortitel mehr. Es gebe nur noch wenige Ausnahmen: Ärzte, Naturwissenschaftler und Menschen, die in den Forschungsabteilungen großer Unternehmen Karriere machen wollen. Dort sei der Titel auch künftig noch gefragt. Auch in einigen konservativen deutschen Anwaltskanzleien sei der Doktortitel noch gerne gesehen, in ausländischen Großkanzleien dagegen lege man kaum mehr Wert darauf. Für allgemeine Managerkarrieren sei der Titel – anders als früher – nicht mehr entscheidend. Viel wichtiger sei eine internationale Ausbildung und Projekterfahrung im Ausland, schließlich seien deutsche Unternehmen sehr exportorientiert.

Ein Blick auf die Karrieren der deutschen Spitzenmanager zeigt allerdings, dass in den Vorständen deutscher Großunternehmen Promovierte noch immer deutlich überrepräsentiert sind, jedoch nicht mehr so stark wie früher: Von den rund 190 Vorständen der 30 Dax-Unternehmen tragen derzeit 33 Prozent einen Doktortitel, ergab eine Auszählung der Personalberatung Odgers Berndtson. Im Jahr 2005 waren es noch 52 Prozent. Der Anteil ging also zurück, obwohl in der Gesamtbevölkerung gleichzeitig die Zahl der Promovierten gestiegen ist. Auch hier zeigt sich schlaglichtartig, wo die Promotion für die Karriereverläufe noch wichtig ist und wo weniger: Im Chemiekonzern Covestro haben noch alle Mitglieder des Vorstandes promoviert, auch in den kleinen Vorstandsgremien der beiden Energiekonzerne Eon und RWE sitzen nur Promovierte, dagegen findet sich im neunköpfigen Vorstand von Deutschlands wertvollstem Unternehmen SAP kein einziger Promovierter mehr. Auch die Deutsche Bank kommt ohne Doktoren im Vorstand aus. Gerade in betriebswirtschaftlichen Fächern hat der Doktorhut Konkurrenz durch den angelsächsischen MBA bekommen – den "Master of Business Administration". Hatten diesen Zusatzabschluss im Jahr 2005 erst 7 Prozent der Dax-Vorstände, hat sich ihr Anteil inzwischen auf 15 Prozent mehr als verdoppelt. An den MBA-Absolventen wird vor allem geschätzt, dass sie als besser vernetzt gelten. Während das Anfertigen einer Dissertation meist ein einsamer Kampf im stillen Kämmerlein ist, arbeiten Studenten in MBA-Programmen an den einschlägigen Management-Kaderschmieden oft intensiv mit anderen talentierten Nachwuchskräften gemeinsam an Projekten – es entstehen Netzwerke, von denen später viele im Berufsleben profitieren.

Ob sich der Doktorhut finanziell lohnt, lässt sich nicht eindeutig sagen. Klar ist, dass Promovierte im Schnitt höhere Einstiegsgehälter bekommen als Master-Absolventen. Der Aufschlag unterscheidet sich freilich stark in verschiedenen Berufen. Laut einer Analyse des Internet-Vergleichsportals "Gehalt.de" bekommen Naturwissenschaftler in der Pharmaindustrie besonders hohe Aufschläge. Pharmareferenten verdienen mit Doktortitel zum Berufseinstieg demnach rund 57.900 Euro brutto im Jahr, das sind 12 000 Euro mehr als ihre Kollegen, die lediglich einen Master vorweisen können. Der Gehaltsanstieg beträgt 26 Prozent. Ähnlich hohe Aufschläge fand die Studie bei Controllern (23 Prozent), IT-Consultants (23), Produktionsingenieuren (23) und Beschäftigten in der technischen Forschung und Entwicklung (22). Deutlich geringer waren die Aufschläge für Marketing-Manager (7), Versicherungsmathematiker (7) und Risikomanager (4). Doch auch wenn Promovierte im Schnitt höhere Einstiegsgehälter bekommen als Nichtpromovierte, heißt das noch nicht zwingend, dass sich eine Promotion finanziell auszahlt. Die meisten Promovierten haben für das Anfertigen der Arbeit einige Jahre auf Gehalt verzichten müssen. Und wenn sie in den Beruf einsteigen, haben ihre nichtpromovierten Kommilitonen von früher schon einige Jahre Berufserfahrung gesammelt und verdienen daher zu diesem Zeitpunkt ebenfalls schon mehr. Für den späteren Karriereweg ist die Promotion wenig entscheidend. "Für eine Karrierelaufbahn im Unternehmen kann der Doktorhut auch hinderlich sein", sagt Philip Bierbach, Geschäftsführer des Vergleichsportals. "Arbeitgeber fürchten häufig, dass promovierte Arbeitnehmer dazu neigen, theoretisch anstatt praxisorientiert zu arbeiten - es kommt dabei stark auf die Forschungsarbeit und das Studienfach an."

Dass Studenten nicht allein aus Karrieregründen promovieren, zeigt das Promoviertenpanel des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW): Befragt nach ihrer Motivation, gaben zwar 71 Prozent der Doktoren ein Jahr nach ihrer Promotion an, dass sie ihre Berufschancen verbessern wollten. Intrinsische Motivation dominiert aber: 85 Prozent sagten, sie wollten sich persönlich weiterbilden und an einem interessanten Thema forschen. Das ist auch notwendig, Durststrecken sind fast unvermeidbar, viele geben unterwegs auf. Selbst von denen, die ihre Promotion abgeschlossen haben, gibt fast jeder Dritte an, dass er oder sie während der Anfertigung der Arbeit ernsthaft über einen Abbruch nachgedacht hat.

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