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Die Arbeit als Detektiv

Thomas Brocke als Prozess- und Anlageningenieur bei Bosch, Teil 3

Seit September 2006 arbeite ich als Prozess- und Anlageningenieur bei der Robert Bosch GmbH in Reutlingen. In einem Team von zwei Ingenieuren und drei Technikern betreuen wir zurzeit neun Ionen-Implantationsanlagen und die dazugehörigen Prozesse. Zusätzlich ist dauerhaft ein Service-Techniker der Anlagenfirma hier vor Ort. Viele verbinden mit dem Namen Bosch Kühlschränke und Bohrmaschinen, wir aber stellen Automobilelektronik her. Die Ionenimplantation ist dabei einer der vielen komplexen Prozesse, die zu diesem Zweck in unserem staubfreien Reinraum stattfinden. Die Werkstatt, die hier unsere Anlagen bedient, besteht aus etwa 50 Mitarbeitern in sechs Schichtgruppen.
 

Montag, 19. Februar 2007
 Gleich am Morgen bekomme ich einen Anruf von unseren Defekt-Ingenieuren, eine unserer Anlagen mache Probleme. Das lasse ich gleich von der Werkstatt überprüfen, aber leider stimmt es, also kümmern sich die Werkstatt und der Service-Techniker um die Anlage. Ich beschäftige mich in der Zwischenzeit mit ein paar Problemen, die die Werkstatt mir vom Wochenende stehen gelassen hat. Für den Nachmittag stehen bei mir ein paar Messungen im Reinraum auf dem Programm. Außerdem ist meine Helferin von letzter Woche jetzt in der Spätschicht, so dass ich mit ihr das weitere Vorgehen besprechen kann. Leider müssen wir aber noch auf Testmaterial warten, bevor es weitergeht. Kurz bevor ich nach Hause will, bekomme ich doch noch einen Anruf aus dem Reinraum. Bei einer Implantation gibt es ein Problem, das sich aber glücklicherweise innerhalb einer halben Stunde klären lässt, so dass sich mein Feierabend nicht allzu weit nach hinten verschiebt.
 

Dienstag, 20. Februar 2007
 Unsere Problemanlage von gestern läuft immer noch nicht normal und ich bekomme deshalb morgens gleich einen Anruf von der Werkstatt, die wissen will, wie es weitergeht. Ich überlasse das Feld weiterhin unserem Service-Techniker, der dem Problem mit systematischen Tests auf den Grund geht. Ich arbeite heute hauptsächlich an der Grundlagen-Schulung für Werkstattmitarbeiter. Dabei lerne ich wahrscheinlich mehr als ich letztlich meinen Zuhörern übermitteln kann, aber das ist ja durchaus ein erwünschter Nebeneffekt. Heute ist auch neues Spielmaterial für meinen Test gekommen, so dass ich bis morgen mit neuen Ergebnissen meiner Helferin rechnen kann.
 

Mittwoch, 21. Februar 2007
 Im Reinraum wird die Lage langsam angespannt, da seit gestern zwei weitere Anlagen stehen. Wir können nur hoffen, dass wenigstens eine von beiden bald wieder läuft, sonst kommen die übrigen Anlagen irgendwann mit der Produktion nicht mehr hinterher. Ich selber kann da leider nur moralische Unterstützung liefern und kümmere mich deshalb hauptsächlich um die Test-Entwicklung. Mittlerweile habe ich an Vorversuchen alles, was ich brauche und kann deshalb zu den Büroaufgaben übergehen: Dokumentation, Software-Einbindung und Wafer-Logistik. Unterbrochen wird das von ein paar Recherchen wegen auffälliger Chargen und der Untersuchung kleinerer Software- und Prozess-Probleme.
 

Donnerstag, 22. Februar 2007
 Die Lage im Reinraum beruhigt sich heute allmählich wieder, nur eine Anlage macht hartnäckig weiter Probleme. Heute Vormittag vertrete ich meinen Fachgruppenleiter in einer Sitzung, in der es unter anderem um die Koordination und Organisation unserer Fachgruppen geht. Wie gestern schon steht auch heute wieder Detektivarbeit auf dem Plan, denn es sprechen alle Indizien dafür, dass an einer unserer Anlagen eine Implantation fehlerhaft war. Leider kann ich in diesem Fall weder unsere Unschuld beweisen, noch den Grund für den Fehler lokalisieren. Den Nachmittag verbringe ich weiterhin mit meinen drei Hauptbaustellen: einer neuen Arbeitsplatzvorschrift, dem neuen Anlagen-Test und der Grundlagen-Schulung.
 

Freitag, 23. Februar 2007
 Die Implantationsanlagen laufen erfreulicherweise alle wieder, dafür ist jetzt ein kleineres Gerät ausgefallen, das wir aber nicht direkt für die Produktion brauchen. Mit etwas Glück läuft das heute auch wieder, so dass Hoffnung besteht, dass wir die Anlagen in funktionierendem Zustand ins Wochenende übergeben. Auf mich wartet heute voraussichtlich im Reinraum keine Arbeit mehr. Daher werde ich mich aufs Neue mit meinen drei Baustellen beschäftigen, wenn nicht wieder irgendetwas dazwischen kommt.
 
 Insgesamt war die Woche weitaus weniger ruhig als die letzte, auch wenn die Anlagenausfälle unseren Technikern mehr Arbeit gemacht haben als mir. Mal sehen, was die nächste Woche bringen wird.

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