Partner von:

Frankfurter auf der Victoria Street

Wirtschaftszentrum London

Wirtschaftszentrum London

Die Deutsch-Britische Industrie und Handelskammer London (AHK London) ist eine der vielen Außenstellen der Industrie und Handelskammer Deutschland. Durch die AHK London sollen die deutsch-britischen Beziehungen speziell in der freien Wirtschaft gestärkt werden. Deutsche Unternehmen mit Sitz in Großbritannien gehören dem so genannten "Board" an. Der gibt die Richtung der Zusammenarbeit vor. Die Kammer selbst besteht aus einer Steuer-, Event- und Membership, Marketing- und einer Rechtsabteilung.
In jedem dieser "Departments" arbeiten Festangestellte und Trainees. Die Trainees sind zumeist Fachhochschüler in Praxissemestern. Das Verhältnis von Festangestellten zu Trainees macht etwa 50 Prozent aus und ist meiner Meinung nach nicht nur positiv zu sehen. Die geforderte Verantwortung kann aber für die Praxiserfahrung der Studenten sehr vorteilhaft sein.

Alle rechtlichen Fragen

Eine der wichtigsten Aufgaben der Rechtsabteilung ist die Betreuung deutscher und englischer Firmen, die in England und Deutschland tätig sind und juristischen Rat benötigen. Aber auch normale Personen, die erst noch ein Unternehmen wie eine Limited Society (GmbH) in England gründen möchten, werden von der ersten Kontaktaufnahme an umfassend betreut. Diese Mandantenbetreuung umfasst dann auch alle weiteren gesellschaftsrechtlichen Fragen, die im Laufe der Firmengeschichte auftauchen können.
 Ein zweiter Schwerpunkt ist das Arbeitsrecht. Die AHK London berät deutsche und britische Arbeitnehmer und Arbeitgeber ausführlich in allen Fragen zum Thema Arbeitsrecht, sofern landesrechtliche Hürden zu überwinden sind oder Gesetzeskollisionen bestehen. Die dritte Säule sind dann alle anfallenden Einzelfragen zu Baurecht, Erbrecht, Internationalem Privatrecht und Lohnsteuern.

Gewinnorientierte Publikationen

Die Abteilung erstellte im Laufe der letzten fünf Jahre Publikationen zu diesen Themengebieten. Die verkauft sie dann an die Klienten per Telefon, wenn eine komplette juristische Beratung nicht notwendig erscheint.
Mein Eindruck hierzu ist allerdings, dass der Mandant mit den Merkblättern nur eher selten zufrieden ist. Denn sein spezieller Fall wird dort nur in den seltensten Fällen erörtert. Dennoch werden die Broschüren mit Überzeugungsstrategien äußerst gewinnbringend an die Mandanten veräußert. Entgegen der allgemeinen Ansicht, muss sich eine solche Kammer nämlich selbst finanzieren und denkt daher gewinnorientiert.

Intensiv im Tagesgeschäft

Die Rechtsreferendare und Praktikanten der Rechtsabteilung sind umfassend in das Tagesgeschäft eingebunden. Sie bearbeiteten die Buchungsvorgänge der Publikationen, sie bereiten Mandantenmeetings vor und nehmen telefonisch die Anfragen der Klienten an, um diese dann an die festangestellten Rechtsanwälte weiterzuleiten. Mangels einer Sekretärin nimmt diese Arbeit fast die Hälfte ihrer Arbeitszeit ein. So kommen sie nur selten zur eigenständigen Bearbeitung von Mandantenanfragen. Dennoch bleibt manchmal etwas Zeit übrig und dann wird es spannend.

Frankfurter Würstchen auf der Victoria Street

Ein Auftrag kann dann auch schon einmal lauten, eine Publikation zum Thema "Lebensmittelhandel in England" zu erstellen. Adressat dieses Schriftsatzes ist der deutsche Bürger, der in England einen Lebensmittelhandel eröffnen möchte und sich im Vorfeld über die britischen Standards und Vorschriften informieren muss. Anlass für eine solche Broschüre im Februar waren tägliche Anrufe von Deutschen, die gerne deutsche Lebensmittel, vorwiegend Brot und Würstchen in England (und sei es nur mit einem Bauchladen) auf den Markt bringen wollten. Die umfassenden Recherchen, Kontaktaufnahmen zur britischen Verwaltung, Vergleiche zu deutschen Systemen und die anschließende verständliche Präsentation für den deutschen Bürger machen Spaß und erfordern Kommunikationsgeschick.

Von Erbrecht bis zum Baurecht

Als Praktikantin hatte ich zudem die Möglichkeit, zwei Tage in der Steuerabteilung zu arbeiten und dort Vergleichstabellen zur Steuerverteilung in Deutschland und England zu erstellen. Weitere Aufgaben waren Buchbesprechungen, Mandantenanfragen vom Erbrecht bis zum Baurecht zu bearbeiten oder neue britische Gesetze zu übersetzen. Inhaltlich ist die Arbeit damit insgesamt sehr anspruchsvoll, vielfältig, interessant und auch umfassend.

Enge Bindung zur deutschen Botschaft

In den letzten Tagen bietet sich für alle Trainees und Praktikanten noch einmal die Möglichkeit, in das Britische Parlament zu kommen. Dort kann man an der so genannten Prime Minister Question Time teilnehmen, in der sich Ende Februar Tony Blair den Fragen zum Thema Terrorismus stellen musste. Organisiert wird das Event von der Deutschen Botschaft in London. Auch ansonsten stellt die Botschaft ihre Räumlichkeiten, ihre Kantine und die deutsche Bäckerei den Mitgliedern der Kammer zur Verfügung.
Auch der Besuch von Anwaltskanzleien oder von Unternehmen in Gründung lohnt sich. Sie bieten Seminare an zum Thema deutsch-britische Wirtschaftbeziehungen.

Die Queen gleich next door

Während meines Aufenthaltes wurde ich zudem zu einer Wahlveranstaltung eines britischen Parlamentsabgeordneten eingeladen. Zum Programm gehörten eine exklusive Führung durch das House of Commons und das House of Lords sowie ein Abendessen im Parlament mit einer sehr interessanten Dinner Speech eines Londoner Polizeioffiziers über Terrorismus.
Auch die Lage der Kammer in London ist wohl einzigartig. Von vielen Schreibtischfenstern aus, ist es jeden Tag möglich die Wachablösung vor dem Buckingham Palace zu verfolgen.

Wenig Englisch, viel Erfahrung

Leider arbeiten insgesamt nur wenig Briten in der Kammer, so dass fast überwiegend Deutsch gesprochen wird. Es ist also nicht unbedingt zu empfehlen, ein solches Praktikum zur Erweiterung der Englischkenntnisse anzutreten. Dennoch lernt man viel über die englische Kultur und Lebensweise, die Arbeitsabläufe, die britische Bürokratie und interessante Personen aus der Wirtschaft kennen.

nach oben

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.