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Berater stellen ein wie nie

Büro, Berater, Tafel, Hiring [Quelle: pexels.com, Autor: RODNAE Productions]

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Die Pandemie hat den Unternehmensberatern nur kurz zugesetzt. Viele Beratungshäuser suchen händeringend Mitarbeiter.

Trotz Pandemie wollen die großen Unternehmensberatungen in Deutschland in diesem Jahr in erheblichem Umfang Mitarbeiter neu einstellen. Das gilt vor allem für die großen Beratungsunternehmen. Die meisten Einstellungen in Deutschland planen nach Recherchen der F.A.Z. die großen, global tätigen Beratungshäuser: So will die französische IT-Beratung Capgemini im Jahr 2022 mehr als 2800 neue Mitarbeiter allein in Deutschland einstellen, im Vorjahr waren es lediglich 1700 Neueinstellungen hierzulande.

Auch die großen Strategieberatungen planen großzügig, geben Zahlen aber nur für den gesamten deutschsprachigen Raum bekannt, also einschließlich Österreich und der Schweiz: McKinsey (Vorjahr: 900) und die Boston Consulting Group (Vorjahr: 800) wollen im deutschsprachigen Raum jeder für sich mehr als 1000 Mitarbeiter neu einstellen, davon ganz grob zwei Drittel Berater. Das seien so viele wie nie zuvor. Bain plant mit 350 Einstellungen in Deutschland.

Die deutschstämmige Unternehmensberatung Roland Berger plant mit 300 bis 350 neuen Mitarbeitern im deutschsprachigen Raum. Das weltgrößte Beratungsunternehmen Accenture hält seine Einstellungspläne im kommenden Jahr noch bedeckt. Es dürften aber deutlich mehr sein als die 2500 Neueinstellungen im vergangenen Jahr. Auch das indische Beratungshaus Tata Consultancy Services (TCS) plant mit einer Einstellungsoffensive hierzulande: 800 Mitarbeiter würde TCS in diesem Jahr in Deutschland nach eigener Aussage gerne einstellen – deutlich mehr als bislang. Rund 200 offene Stellen hat das Unternehmen mit deutschem Hauptsitz im Frankfurter Messeturm derzeit.

Ob sich die ehrgeizigen Stellenpläne der Berater realisieren lassen, ist bei dem schärfer werdenden Wettbewerb um hochkarätigen Nachwuchs aber unsicher: "Auch andere Unternehmen suchen jetzt Bewerber mit Fähigkeiten, die früher fast automatisch in die Beratung eingestiegen sind", sagt Frank Karcher, TCS-Personalleiter in Deutschland. Gefragt sind bei nahezu allen Unternehmensberatungen neben Wirtschaftswissenschaftlern vor allem Absolventen der sogenannten MINT-Fächer – also Mathematiker, Ingenieure, Naturwissenschaftler und Techniker – sowie Datenanalytiker und Softwareentwickler. Und ein großer Teil – oft die Hälfte – der Neueinstellungen ist bei den großen Beratungshäusern ohnehin notwendig, um Stellen nachzubesetzen im Zuge hoher Fluktuation.

"Die Krise ist vorbei", sagt Ralf Strehlau, Präsident des Bundesverbands Deutscher Unternehmensberater (BDU), im Gespräch mit der F.A.Z. Schon das vergangene Jahr sei trotz Pandemie für Unternehmensberater wieder ein weitgehend normales Geschäftsjahr gewesen. Zwar habe sich gegen Ende des Jahres die Stimmung der Beraterbranche wegen Omikron noch mal ganz leicht eingetrübt, dennoch liege der brancheneigene Geschäftsklima-Index nahe an seinem Allzeithoch. Mehr als 80 Prozent der großen Beratungsunternehmen mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro im Jahr lagen im abgelaufenen Quartal über ihren Budgetplanungen. Getrieben wird das Geschäft der großen Berater seit Jahren stark durch die Digitalisierung, im Zuge der Pandemie sind die Hilfsersuchen vieler Unternehmen hier noch drängender geworden.

Die einzelnen Beratungsfelder entwickelten sich allerdings unterschiedlich: "Bei den IT-Beratern läuft es tendenziell besser als bei den Personalmanagement-Beratern", sagt Strehlau, für deren Geschäft physische Treffen wichtiger seien als in anderen Beratungsfeldern. Zudem gelte auch: "Je größer die Beratung, umso besser läuft's vom Grundsatz her." Gebessert habe sich zuletzt auch die Situation der Sanierungsberater, deren Rat traditionell in Krisenzeiten stärker gefragt sei. "Da zieht das Geschäft langsam an", sagt Strehlau. Die zu Beginn der Pandemie von vielen prophezeite große Insolvenzwelle sei zwar ausgeblieben, "aber die meisten Unternehmen sind in der Pandemie auch nicht gesünder geworden", erläutert der Verbandspräsident.

Wenn Ende März das Kurzarbeitergeld auslaufe, dürfte es für viele Unternehmen schwierig werden, "auch wenn wir nicht mit einer riesigen Insolvenzwelle rechnen". Das Kurzarbeitergeld und andere Unterstützungsmaßnahmen der Politik hätten bislang viel abgefedert, für Sanierungsberater bleibe genug zu tun.

Am Wettlauf um die aussichtsreichsten Absolventen beteiligen sich aber nicht nur die großen Beratungsunternehmen wie Accenture, Capgemini, McKinsey, BCG, Bain und Roland Berger. "Auch die mittelgroßen Beratungshäuser stellen ein", sagt Strehlau. Das sei gerade in Deutschland sehr wichtig, weil der Beratermarkt hierzulande stark mittelständisch geprägt sei. Immer schwerer hätten es dagegen die sehr kleinen Beratungshäuser. "Einzelberater und kleine Unternehmensberatungen mit nur 2 bis 3 Beratern sind seit Jahren unter Druck. Und seit der Pandemie noch sehr viel mehr."

Der Wettbewerb um talentierten Nachwuchs macht sich auch in der Bezahlung bemerkbar. Im vergangenen Jahr sind die Festgehälter in der Branche laut BDU um durchschnittlich 4 Prozent gestiegen, bei den großen Beratungshäusern noch mehr. Berufseinsteiger mit Master-Abschluss bekamen laut einer BDU-Studie in der Beratungsbranche im vergangenen Jahr im Schnitt 69000 Euro im Jahr inklusive Boni und Nebenleistungen. Bei den großen global tätigen Beratungshäusern können Berufseinsteiger noch mal mit deutlich höheren Einstiegsgehältern rechnen.

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