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Karriere-Kick Nettsein

Linda Kaplan Thaler / Robin Koval : The Power of Nice, Titelbild, Quelle: buecher.de

Linda Kaplan Thaler / Robin Koval : The Power of Nice, Titelbild, Quelle: buecher.de

Nette Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin? Stimmt nicht! Linda Kaplan Thaler und Robin Koval haben es mit Nettigkeit in die Chefetage einer erfolgreichen Werbeagentur geschafft. Jetzt haben sie ein Buch geschrieben, das auch anderen helfen soll, mit Nettsein Karriere zu machen.

Im Zug lernt Diane eine junge Frau kennen, die ihre Großmutter in New York besucht. Diane hilft ihr, die Koffer hoch in den vierten Stock zu ihrer Großmutter zu tragen. Die Oma war - wie sich herausstellt - ein Ziegfeld-Showgirl. Sie vermittelt Diane Kontakte zu berühmten Jazz-Größen und sogar die Möglichkeit, eine Weile in einem Bauernhaus außerhalb von Paris zu wohnen. Marla wiederum ist froh, ihrem ersten Job unter einem echten Ausbeuter zu entkommen. Jahre später trifft sie ihren Ex-Boss wieder: Sie entscheidet über ein Projekt, das er ihrem jetzigen Arbeitgeber angeboten hat. Statt ihre Rachegelüste zu befriedigen, behandelt sie ihn sehr zuvorkommend. Das Projekt lehnt sie dennoch ab. Als Marla Jahre später mit ihrem ganzen Herzen an einem Projekt hängt, muss sie es ausgerechnet vor ihrem Ex-Boss präsentieren. Der behandelt sie nun respektvoll und stimmt dem Geschäft zu.
 

Persönliche Erfahrungen

 Moderne Märchen? Nein, zwei von vielen Geschichten, die die Autorinnen von "The Power of Nice" zusammengetragen haben - alle selbst erlebt oder von Bekannten erzählt. "Nett sein hat ein Imageproblem", stellen Linda Kaplan Thaler und Robin Koval in der Einleitung fest. Gegen dieses Image schreiben die beiden an. Denn ihnen hat Nettigkeit - die eigene ebenso wie die ihrer Mitmenschen - geholfen, Karriere zu machen: Linda Kaplan Thaler ist CEO, Robin Koval Präsidentin der Kaplan Thaler Group, einer renommierten New Yorker Werbeagentur.
 

Kleine Aufmerksamkeiten, Ehrlichkeit und Empathie

 In acht Kapiteln verdeutlichen Kaplan Thaler und Koval ihre Vorstellung vom Nettsein mit Erfolg. Zunächst stellen sie "Die sechs Prinzipien von The Power of Nice" auf. Anschließend beschreiben sie, wie man dank Kooperation einen größeren Kuchen bäckt, statt nur nach dem größten Stück zu gieren. Sie schildern, wie man mit kleinen Aufmerksamkeiten eine angenehme Atmosphäre schafft. Der Leser erfährt, wie er das eigene Rivalitätsdenken überwindet und auf nette Weise ehrlich sein kann. Er lernt, was Optimismus und positives Denken für seine Karriere bringen und wie er durch aktives Zuhören anderen ein gutes Gefühl vermittelt und gleichzeitig selbst wichtige Informationen erhält. Das Kapitel "Versetzen Sie sich in Ihr Gegenüber hinein" singt schließlich das Hohelied auf die Empathie und ihren Nutzen im Geschäftsalltag.

Tipps und praktische Übungen

 Am Ende jedes Kapitels stehen zwei bis vier Ratschläge, wie man gezielt daran arbeiten kann, freundlicher, aufmerksamer und auf nette Weise ehrlicher zu werden. Im Kapitel über das Rivalitätsdenken schlagen die Autorinnen beispielsweise vor, einen (branchen-)klatschfreien Tag pro Woche einzulegen: einen Tag lang keine Branchenblätter lesen, keine Insider-Websites ansurfen und alles vermeiden, wo man in Versuchung kommt, sich mit anderen in Konkurrenz zu setzen. Am Ende des Kapitels über die Empathie empfehlen die Autorinnen, an einen Konflikt mit einer bestimmten Person zu denken und die Situation aus der Perspektive dieser Person aufzuschreiben. Dabei ist es wichtig, nicht nachzudenken und das Schreiben keinesfalls - auch nur kurz - zu unterbrechen. Die meisten dieser Tipps wie auch die über den Text verteilten Ratschläge eignen sich gut zur Umsetzung im Alltag.
 

Widersprüchliche Ratschläge

 Manchmal widersprechen sich die Ratschläge allerdings: So raten die Autorinnen im Kapitel "Sagen Sie die Wahrheit" beispielsweise dazu, Grenzen zu ziehen und auch einmal ein Meeting platzen zu lassen, um Zeit mit den Kindern zu verbringen. Im Kapitel "Mit 'Ja' an die Spitze" warnen sie indessen davor, scheinbar unwichtige Termine abzusagen, da sich dahinter ungeahnte Chancen verbergen können. Darüber, wie man zwischen "Ja-Sagen" und "Grenzen ziehen" abwägen soll, verliert das Buch leider kein Wort. Ein paar Tipps, wie man "nett" Prioritäten setzt, wären wünschenswert.
 

Ein Plädoyer, keine Abhandlung

 "The Power of Nice" ist ein Plädoyer für die Nettigkeit, gespickt mit konkreten Tipps und Anekdoten aus dem Berufs- und Privatleben der Autorinnen und ihrer Bekannten, aus Politik, Geschichte, Fernsehen. Die theoretische Begründung ihrer Thesen ist dagegen nicht die Stärke der Autorinnen. Wo sie etwas Theorie einstreuen, zitieren sie meist Konzepte und Studien, die einem durchschnittlichen akademisch gebildeten Leser bereits lange Zeit bekannt sind: das Gefangenendilemma, das positive Denken oder Daniel Golemans "Emotionale Führung". Durch den geringen Theorieanteil ist die Lektüre unterhaltsam, bietet aber wenig Neues. Wer an seinem Umgang mit Arbeitskollegen arbeiten will, findet darin dennoch Denkanstöße und Motivation.

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