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Dem Talent auf die Sprünge helfen

Gibt es 'von Natur aus' hochbegabte Kinder - und wenn ja, woran erkennt man sie? Diese Fragen stellen sich Franzis Preckel und Tanja Gabriele Baudson in ihrem Buch 'Hochbegabung erkennen, verstehen, fördern'. Dabei gehen sie nicht nur auf angeborene Stärken ein, sondern auch auf langfristige Lernprozesse, die für die Ausbildung einer solchen Begabung ebenso wichtig sind.

Michael Kearney ist ein Paradebeispiel für Hochbegabung: Der Student hatte im Alter von gerade einmal 22 Jahren promoviert und schaffte es mit seinen Leistungen sogar ins Guinness-Buch der Rekorde. Doch so einzigartig das auch klingt: Damit ist er nicht alleine. Aber warum sind manche Menschen überhaupt hochbegabt? Die unterschiedlichen Ursachen, die dazu führen können, erforschen Preckel und Baudson in ihrem Buch. Dabei wird schnell klar: Eine einfache Lösung gibt es nicht, denn die Hochbegabung wird nicht nur vom Zusammenspiel angeborener und erworbener Fähigkeiten beeinflusst, sondern von vielen weiteren Faktoren, wie beispielsweise der Motivation des Einzelnen.

Kein Konsens in der Forschung
Gleich zu Beginn werden auch die Kontroversen in der Hochbegabtenforschung angesprochen: So ist man sich nicht darüber einig, ob die betreffenden Personen allgemein oder nur in bestimmten Bereichen begabter sind als andere. Ebenso umstritten ist, ob Hochbegabte lediglich besser, das heißt schneller und effektiver, oder vielleicht sogar ganz anders denken als nicht Hochbegabte - und ob sie deshalb eine spezielle Förderung brauchen oder nicht. Auch darüber, ob gegebenes Potenzial veränderbar ist oder nicht, herrscht kein Konsens.

Was ist Hochbegabung eigentlich?
Die Autorinnen weisen zudem darauf hin, dass auch Wissenschaftler nicht objektiv an das Thema Hochbegabung herangehen können: Alleine um das Phänomen Hochbegabung zu Beginn der Forschung zu definieren, bedarf es einer persönlichen Schwerpunktsetzung. So wird Hochbegabung in unserem Kulturkreis hauptsächlich mit herausragenden akademischen Leistungen in Zusammenhang gebracht und nicht etwa mit besonders guten sozialen Leistungen. Dies wiederum bestimmt, wie Hochbegabte gefördert werden und welche Ergebnisse man dabei erwartet.

Besondere Fähigkeiten richtig erkennen und fördern
Um die Hochbegabung zu erkennen, braucht es keine neuen Kategorien zur Beurteilung von Intelligenz, sagen die Autorinnen. Forschungsergebnisse zeigen, dass Hochbegabte nicht in völlig anderen Mustern denken als Normalbegabte. Preckel und Baudson gehen diesbezüglich auf verschiedene Möglichkeiten ein, eine Hochbegabung zu erkennen: IQ-Tests, Selbst- und Fremdeinschätzung und schulische Leistungen. Der nächste wichtige Schritt ist dann das Verstehen der betreffenden Personen, um diese optimal zu fördern. Dabei sprechen die Autorinnen sowohl Vorurteile als auch wissenschaftlich erforschte Persönlichkeitsmerkmale an.

 

Am Ende des Buchs geben die Autorinnen Tipps zur Förderung von Hochbegabten, indem sie auf die zwei Förderkonzepte Akzeleration und Enrichment eingehen. Bei der Akzeleration ("Beschleunigung") sollen den Hochbegabten nur diejenigen Inhalte vermittelt werden, die sie nicht schon kennen. Praktisch lässt sich das beispielsweise durch einen zeitlich angepassten Lehrplan in der Schule erreichen. Beim Enrichment ("Anreicherung") sollen die Lehrangebote für Hochbegabte inhaltlich erweitert werden, sodass die Hochbegabten die Chance bekommen, sich nicht nur oberflächlich mit einem Thema zu beschäftigen. Diese Konzepte können durch den geschickten Einsatz von gemeinsamem und getrenntem Unterricht von Hoch- und Normalbegabten in ihrer Wirkung verstärkt werden. "Hochbegabtenförderung funktioniert", sind sich Preckel und Baudson sicher - wenn sie richtig angegangen wird.

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