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Diese Fragen musst du vertragen

Glühbirne Idee Nachdenken Kreativität Grübeln

Unsplash.com, Diego PH

Wer in Oxford aufgenommen werden will, muss ein aufwändiges Aufnahmeverfahren bestehen. Dazu gehören auch Interviews, in denen die Bewerber mit kniffligen Fragen aus ihrem Fachbereich gelöchert werden. Wir präsentieren echte Oxford-Fragen aus den Fächern Jura, BWL, Informatik & Co. In den Kommentaren beschreiben die Prüfer, worauf sie in den Interviews besonders achten.

Informatik

Wie teilen die Piraten ihren Schatz auf?

Eine Gruppe von sieben Piraten hat 100 Goldmünzen ausgegraben. Jetzt stehen sie vor der schwierigen Aufgabe, die Münzen zu verteilen.

Sie entscheiden dabei nach uralten Piratenregeln:

  • Der älteste Pirat macht zuerst einen Vorschlag, wie die Münzen verteilt werden sollen.
  • Alle Piraten (einschließlich des ältesten Piraten) stimmen über den Vorschlag ab. Wenn die Hälfte oder mehr der Piraten dem Vorschlag zustimmt, gilt er als angenommen. Wenn weniger als die Hälfte zustimmt, lassen sie den ältesten Piraten über die Planke gehen und beginnen von vorn. Der zweitälteste Pirat rückt damit zum ältesten Piraten auf und macht den nächsten Vorschlag.
  • Die Piraten denken streng logisch, sind dabei aber völlig rücksichtslos: Es geht ihnen nur darum, ihren Anteil am Schatz zu maximieren, ohne zu sterben.

Welche Aufteilung des Schatzes sollte der älteste Pirat vorschlagen?

Antwort

Der älteste Pirat muss mindestens drei seiner Kameraden mit seinem Vorschlag überzeugen, den anderen drei kann er gefahrlos keine Münzen anbieten. Gesetzt, die sieben Piraten wären dem absteigenden Alter nach mit den Buchstaben A bis G gekennzeichnet, dann müsste Pirat A (der älteste) den Piraten C, E und G jeweils eine Münze anbieten, die anderen drei (B, D, F) kann er leer ausgehen lassen. Pirat A selbst behält 97 Münzen. Warum? Weil C, E und G wissen, dass sie kein besseres Angebot kriegen: Wenn sie die eine Münze in dieser Runde (und in jeder der folgenden) ablehnen, und sich alle anderen Piraten ebenso logisch verhalten, bleiben in der sechsten Runde nur noch Pirat F und G übrig, von denen F alle 100 Münzen zufallen. Die Lösung im Detail (englischsprachig).

Brian Harrington, Keble College, zum Rätsel: Es handelt sich hier um ein Standardproblem aus der Logik, das sehr gut zeigt, welche Art von Fragen in unseren Interviews behandelt werden. Ich möchte hier sehen, ob die Bewerber das Problem in seine Bestandteile zerlegen können, ob sie Hinweise annehmen, und ob sie sich durch einen komplexen Problemzusammenhang arbeiten können, indem sie eine Art Algorithmus auf die Frage anwenden.

PS: In der Community werden auch andere Lösungen des Rätsels diskutiert (nur für e-fellows)

Jura/Rechtswissenschaften

Ich bin auf der Straße, als es anfängt zu regnen. Ich öffne die Türe eines unverschlossenen Autos und setze mich 15 Minuten hinein, bis der Regen aufhört. Habe ich das Auto 'genommen' ('taken')?

Ben McFarlane, Juristische Fakultät: Es gibt keine richtige Antwort auf diese Frage. Kann man ein Auto 'nehmen', ohne es zu fahren? Oder zu bewegen?

Wir wollen wissen, ob der Kandidat einen kohärenten Gedanken entwickeln kann, ob er eine anfängliche Definition formulieren und diese dann anwenden (oder seine erste Definition weiter ausarbeiten) kann. Ziel des Interviews ist immer, dem Bewerber die Möglichkeit zu geben, logisches Denkvermögen und Kommunikationsfähigkeit zu beweisen.

Angenommen, das Parken im Halteverbot unterläge der Todesstrafe, und deshalb würde niemand mehr falschparken, läge dann ein gerechtes und wirkungsvolles Gesetz vor (just and effective law)?

Liora Lazarus, St Anne's College: Ich erwarte nicht, dass die Kandidaten hier eine richtige oder falsche Antwort geben. Sie müssen vielmehr zeigen, dass sie sich der Probleme bewusst sind, die hier zusammenspielen.

Ein Kandidat, der zwischen "gerecht" und "wirkungsvoll" unterscheidet, ist auf einer guten Spur. Mit dieser Unterscheidung verändert sich nämlich auch der Sachverhalt: Ein gerechtes Gesetz kann trotzdem wirkungslos sein (oder umgekehrt).

Die Frage, ob die Strafe in einem angemessenen Verhältnis zum Vergehen steht, bezieht sich auf die Gerechtigkeit (justness) des Gesetzes. Ob das Gesetz wirksam ist, wird dagegen schon durch die Formulierung der Eingangsfrage ("und es deshalb niemand mehr machen würde") beantwortet.

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