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Soll ich einen Doktor machen?

Promotion, Forschung, Versuch [Quelle: tempus corporate, Getty Images]

Quelle: tempus corporate, Getty Images

Rund 27.000 Deutschen wurde im vergangenen Jahr der Doktortitel verliehen. Vor allem unter den Mathematikern, Naturwissenschaftlern und Ingenieuren ist die Promotion beliebt. Doch lohnt es sich zu promovieren? Wir haben sechs Motive für die Promotion überprüft.

Aus Verpflichtung

Das spricht dafür: In einigen Fächern ist die Promotion Standard: Unter Medizinern sind rund 80 Prozent am Ende ihres Studiums Herr oder Frau Doktor. Die meisten verfassen ihre Doktorarbeit parallel zur letzten Phase des Studiums und brauchen kaum länger als ein halbes Jahr. Ähnlich selbstverständlich ist es in anderen Fächern, eine solche Promotion dauert im Schnitt aber fünf Jahre: Von den Promotionen eines Jahrgangs fallen laut Statistischem Bundesamt 29 Prozent auf Naturwissenschaftler und Mathematiker und 22 Prozent auf Ingenieurwissenschaftler. Um zum Beispiel als Chemiker die Laborleitung in einem Pharmaunternehmen zu übernehmen, ist es Voraussetzung, promoviert zu sein. Auch für viele Ingenieure, die schnell aufsteigen und Personalverantwortung übernehmen möchten, ist die Doktorwürde in den Augen vieler Arbeitgeber nicht Kür, sondern Pflicht.

Das spricht dagegen: Wer keinen Spaß daran hat, sich mit einer wissenschaftlichen Fragestellung auseinanderzusetzen, und eigentlich gerne sofort in den Job einsteigen will, den werden mehrere Jahre Forschungsarbeit wohl nicht glücklich machen. Gerade Naturwissenschaftler und Ingenieure werden in vielen Unternehmen gesucht, weshalb der Berufseinstieg ohne Titel möglich ist. Das gilt auch für Ärzte, die Patienten genauso ohne Doktor behandeln dürfen. In allen Branchen dauert es in der Regel nur länger, bis man die Führungsetagen ohne Titel erreicht.

Für die Karriere

Das spricht dafür: Eine Studie des Statistischen Bundesamtes ergab, dass über die Hälfte aller Promovierten bereits im ersten Job eine Leitungsfunktion übernimmt. Der Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs zeigt, dass Arbeitgeber den promovierten Bewerbern Attribute wie Durchhaltevermögen und Selbstmotivation, Organisationsfähigkeit und Kommunikationsstärke zuschreiben. Außerdem gehen sie davon aus, dass Doktoranden analytisches Geschick besitzen, wissenschaftliche Methoden anwenden und – etwa Naturwissenschaftler – selbstständig Versuche durchführen können. Die Annahme, dass sie sich gut in fachfremde Materie einarbeiten können, steigert die Chancen für einen Quereinstieg.

Das spricht dagegen: Zu promovieren, weil man sich bessere Karrierechancen verspricht, ist nicht ratsam. In der Zeit kann man auch andere Karriereschritte einleiten, sich etwa über ein Trainee-Programm im Unternehmen qualifizieren oder interne Weiterbildungsprogramme absolvieren. Wer im Ausland arbeiten will, muss wissen: Eine Studie der Personalberatung Kienbaum ergab, dass international der Master of Business Administration bekannter und angesehener ist als der Doktor. Auch in Deutschland verliert die Promotion für Führungspositionen an Bedeutung: Hatten 2005 noch 51,9 Prozent der Dax-Vorstände einen Doktortitel, sind es 2015 nur noch 38 Prozent. Persönliche Leistungen, Auslands- und Projekterfahrungen werden oft als wichtiger erachtet.

Wegen der Kohle

Das spricht dafür: Viele Promovierte verdienen schon zu Beginn ihres Berufslebens deutlich besser. Eine Erhebung der Beratungsfirma "Personalmarkt" zeigt, dass Naturwissenschaftler und Mathematiker mit Doktortitel rund 56.656 Euro Einstiegsgehalt im Jahr verdienen – 8.400 Euro mehr als ihre Kollegen mit Masterabschluss. Promovierte Ingenieure bekommen anfangs durchschnittlich 62.501 Euro – 11.300 Euro mehr als Masterabsolventen. Auch bei Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern zahlt sich die Promotion aus: Mit einem Jahresverdienst von 57.617 Euro beziehungsweise 46.084 Euro liegen sie fast 10.000 Euro und gut 8.000 Euro über dem Einkommen ihrer Kollegen ohne Doktor. Am größten ist der Unterschied bei promovierten Juristen und Medizinern. Sie verdienen mit 70.000 beziehungsweise 80.500 jeweils gut 14.000 Euro mehr als nicht promovierte.

Das spricht dagegen: Als Sprach- und Kulturwissenschaftler erhöht der Titel den Kontostand nicht. Ihr Einstiegsgehalt beläuft sich im Schnitt auf 35.000 Euro im Jahr – mit oder ohne Doktor. Und nicht jeder Arbeitgeber ist bereit, wegen eines Doktortitels mehr zu zahlen: Wenn die Promotion für die angestrebte Stelle keinen erkennbaren Nutzen mit sich bringt, in Bezug auf fachliche Tiefe beispielsweise.

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