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Der Offizier im Vorstandsbüro

Vorstandsassistent [Quelle: freeimages, Autor: Mart1n]

Quelle: freeimages, Mart1n

Welches Berufsziel hat ein studierter Diplom-Pädagoge mit Offiziersrang? Bei Björn Gornik war es eine Vorstandsassistenz bei der Allianz Deutschland. Im Interview berichtet er vom Wechsel aus der Kaserne ins Vorstandsbüro. Dort stellte er in einem persönlichen Feldversuch das kollegiale Miteinander auf die Probe.

Was hat Sie am meisten überrascht in Ihrem neuen Job als Vorstandsassistent?

Das unglaublich kollegiale und offene Miteinander bei der Allianz. Zu Beginn habe ich einen kleinen Test gemacht: Bei den ersten 25 Telefonaten erwähnte ich nicht, dass ich Vorstandsassistent bin und bezog mich auch nicht auf meinen Chef. Ich rief bei Kollegen an und fragte, ob sie mir helfen können. Bei 25 Anrufen reagierten alle freundlich, nur ein Kollege hatte gerade keine Zeit für mich. Somit konnte ich das angenehme Miteinander im Feldversuch belegen.

Gab es weitere Überraschungen?

Was mich überrascht hat, ist die Größe des Unternehmens. In der ersten Woche war ich froh, mich nicht mehr im Gebäude zu verlaufen und zu wissen, mit welchem Geschäftsbereich ich gerade telefonierte. Und dann ist die Materie "Versicherung" natürlich recht komplex. Ich musste erst einmal mit den vielen verschiedenen Themen zurechtkommen und mich einarbeiten. Es hilft, wenn man dann einfach die richtigen Leute fragen kann, die sich eine halbe Stunde Zeit zum Erklären nehmen.

Wie kam es dazu, dass Sie Vorstandsassistent bei der Allianz geworden sind?

Obwohl wir Vorstandsassistenten aus den verschiedensten Fachrichtungen kommen, bin ich so etwas wie ein "Exot". Ich habe an der Universität der Bundeswehr Diplom-Pädagogik studiert. Die meisten anderen Assistenten sind BWLer, VWLer, Mathematiker oder Juristen - doch es gibt bei uns auch Kulturwissenschaftler oder Politologen. Ich kam auch nicht direkt von der Uni, sondern hatte vorher 14 Jahre bei der Bundeswehr gedient, davon neun Jahre als Offizier. Mir war aber schon immer klar, dass ich nach meiner Verpflichtungszeit in die freie Wirtschaft wechseln möchte. Bei meiner Suche nach Einstiegsmöglichkeiten hat mich das Vorstandsassistentenprogramm der Allianz sehr angesprochen. Hier kann ich die Erfahrungen aus meiner Bundeswehrzeit, sowie die Führungsqualitäten und die Sozialkompetenz, die ich erworben habe, gut einbringen. Gleichzeitig bekomme ich einen Einblick in einen großen Konzern.

Wie war der Wechsel vom Offiziersposten in die Versicherung?

Mir ist der Wechsel nicht schwer gefallen. Irgendwann fragte mich jemand, ob ich meinem alten Job nachtrauere. Erst da stellte ich fest, dass diese Frage bisher nie bei mir aufgekommen war. Ich habe bei der Allianz sehr viel Neues gelernt, arbeite in einem tollen Umfeld und habe einen prima Chef. Keine Gründe also, meinen früheren Job zu vermissen.

Wie sieht Ihre tägliche Arbeit aus?

Ich arbeite für den Vorstand des Maklervertriebs, das heißt, wir sind die Schnittstelle zwischen der Allianz und den etwa 5.000 unabhängigen Versicherungsmaklern. Mein Chef legt mir die unterschiedlichsten Aufgaben auf den Tisch. Zum Beispiel eine dicke Mappe mit Unterlagen mit dem Kommentar: "Fassen Sie das bitte zusammen und bewerten Sie es." Oder ich analysiere ein Unternehmen, setze mich mit einer Beschwerde auseinander, beschaffe Informationen zu Sachverhalten, schreibe Reden, führe Protokolle, bereite Unterlagen für Vorstandssitzungen vor. Kurz gesagt: Ich unterstütze den Vorstand bei seiner operativen Arbeit. Dabei gefällt mir besonders, dass meine Arbeit sehr abwechslungsreich ist. Ich bearbeite unterschiedlichste Themen, wie zum Beispiel eine Bilanzprüfung. Hier fällt viel Projektarbeit an.

Was macht man als gelernter Diplom-Pädagoge, wenn man eine Bilanz prüfen soll?

Als das zum ersten Mal meine Aufgabe war, habe ich mir einen Ansprechpartner aus dem Controlling gesucht und bin mit ihm zusammen die Bilanz durchgegangen. Allerdings habe ich durch den MBA, den ich gerade absolviere, auch Wissen in Unternehmensfinanzen - das ging dann schon gut.

Wie ist es, so eng mit einem Vorstand zusammenzuarbeiten?

Mein Chef lässt mir freie Hand. Ich kann mir eigentlich nicht vorstellen, dass es eine Arbeit mit einem noch höheren Grad an Unabhängigkeit gibt. Herr Dr. Gutberlet ist seit mehr als 25 Jahren bei der Allianz und hat demzufolge natürlich ein unglaubliches Wissen. Bei jedem Gespräch mit ihm lerne ich dazu. Für jeden Vorstandsassistenten gilt aber auch: Man muss sich an die Arbeitsweisen des Vorstands anpassen. Manche wollen Ergebnisse nur in Papierform sehen, andere möchten sie mündlich vorgetragen bekommen. Diese Vorlieben müssen die Assistenten kennen, dann klappt die Zusammenarbeit gut.

Wie stellt die Allianz sicher, dass Vorstand und Assistent gut zusammenarbeiten?

Schon bei der Bewerbung wird darauf geachtet, dass der Assistent und sein künftiger Chef gut zusammenpassen. Die Personalabteilung bekommt beim Auswahlprozess einen guten Eindruck vom Profil des Bewerbers, und sucht anhand dessen schon geeignete Kombinationen.

Was haben Sie in Ihrer Assistenzzeit gelernt?

Die Lernkurve ist extrem steil, ich lerne jeden Tag dazu: Wie funktioniert eine Versicherung? Wie gehe ich mit Kollegen um? Wie löse ich Konflikte? Aber ich lerne auch bei strategischen Themen dazu: Welche Ansätze sind besonders wichtig? Worauf sollte ich mich konzentrieren? Das Spannende ist: Man lernt von den Großen. Jeder Assistent kommt mit "gestanden Kollegen" zusammen und lernt durch Zuschauen: Wie denken die Vorstände, wie werden Entscheidungen getroffen?
 
Außerdem habe ich von meinem Chef gelernt, wie ich ein Projekt strukturieren muss und Einblicke in die Mitarbeiterführung erhalten. Er hat mir auch beigebracht, welche Dinge ich in einem Konzern beachten muss, damit ich zu meinem Ziel komme. Wichtig sind zum Beispiel die verschiedenen Interessentengruppen und ihre Anliegen. Dabei ist es immer hilfreich, die Kollegen bei einem Projekt mit ins Boot zu holen und einzubeziehen. Zum Beispiel, indem man sich eine Zustimmung holt, auch wenn das offiziell nicht nötig wäre.

Neugierig geworden? Hier kannst du dich als Vorstandsassistent bei der Allianz bewerben.

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