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Betrügen kann glücklich machen

Betrug (Quelle: freeimages.com, Autor: adamci)

Quelle: freeimages.com, adamci

Ehrlich währt am längsten, sagt der Volksmund. Forscher fanden nun heraus: Schummeln, Tricksen und Lügen im Job sorgen unter bestimmten Umständen für Glücksgefühle.

Schummeln, Tricksen und Betrügen haben Nachteile – zumindest laut vorherrschendem Ethikverständnis. Ein Forscherteam der Universität Washington, Harvard University, London Business School und der University of Pennsylvania kommt in einer Studie nun zu dem überraschenden Ergebnis, dass kleinere Betrügereien durchaus Vorteile haben und sogar positiv für die Stimmung sein können. Vorausgesetzt, das unethische Verhalten führt nicht zu Nachteilen bei anderen, und das Risiko, entdeckt zu werden, ist relativ klein.

Der Schummel-Erfolg löse eine Cheater’s High aus, also einen Glückszustand beim Betrüger, stellten die Forscher fest. Das Team hatte in sechs verschiedenen Experimenten untersucht, wie sich unethisches Handeln auf die Gemütsverfassung auswirkt. Sie gingen von der Annahme aus, dass die Bereitschaft zum Betrügen dann groß ist, wenn dadurch niemand konkret geschädigt wird und das unethische Verhalten viele Vorteile für den Betrüger verspricht. Auch nahmen die Forscher an, dass unter solchen Bedingungen nicht notwendigerweise Nachteile oder schlechte Gefühle durch den Betrug entstehen müssten.

Entsprechend wählten die Wissenschaftler die Experimente aus. Die Probanden sollten beispielsweise 20 Mathematikaufgaben lösen. Für jede richtige Lösung wurden sie mit einem Dollar belohnt, der sich in einem Umschlag mit insgesamt 20 Dollar befand. Bei einem Durchlauf erhielten die Teilnehmer die Gelegenheit, die richtigen Antworten zu sehen und ihr Rechenergebnis entsprechend zu korrigieren, um besser abzuschneiden.

Zuvor hatten die Forscher die Probanden befragt, wie diese zu reagieren glaubten, wenn sie bei einer Aufgabe schummelten. Die meisten Befragten gaben an, dass sie sich schlecht fühlen würden und der Betrug sicher zu eigenen Nachteilen führen würde. Tatsächlich geschah aber das Gegenteil. Die Trickser litten keineswegs unter einem schlechten Gewissen. Im Gegenteil, ihre gute Laune stieg. Sie kamen sich wie Gewinner vor, hatten ein stärkeres Selbstbewusstsein und fühlten sich insgesamt zufriedener. Die Ehrlichen dagegen ärgerten sich über ihre schlechten Ergebnisse und das nicht gewonnene Geld. Sie fühlten sich wie Verlierer und zweifelten an sich.

Bezogen auf die Arbeitswelt könnte diese Verhaltensstudie erklären, weshalb insbesondere bei Bewerbungen viele Menschen zum Schummeln und Schönen neigen. Auch hier erwarten die Betrüger keine offensichtlichen Leidtragenden, aber einige Vorteile für sich. Eine ähnliche Parallele ziehen die Forscher zu Unternehmen, in denen ganze Abteilungen dazu angehalten werden, nicht ehrlich zu sein – etwa wenn es um die Präsentation geschönter Zahlen im Geschäftsbericht geht. Je unkonkreter und unsichtbarer die negativen Folgen von unethischem Verhalten, desto größer ist demnach die Wahrscheinlichkeit, dass betrogen wird.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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