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Job auf dem Silbertablett? Nicht mal für "High Potentials"

Silbertablett Kellner Headhunting (Quelle: freeimages.com, keb)

Quelle: freeimages.com, keb

Den Top-Abschluss hast du in der Tasche. Jetzt hast du dir Entspannung verdient. Nur noch schnell den Lebenslauf an zehn Headhunter verschickt - und dann müssten die Jobangebote ja reihenweise ins Haus flattern. Denkste. 'Auch High Potentials können sich die Jobangebote nicht auf dem Silbertablett aussuchen', sagt Headhunter Thomas Löwenberg.

Wenn ein Headhunter auf einen "High Potential" wie mich aufmerksam wird, kann ich doch eigentlich erwarten, dass mir der Traumjob auf dem Silbertablett serviert wird. Oder?

Eben nicht. Viele Absolventen sitzen dem Irrglauben auf, dass sie nur ihren Lebenslauf an zehn Headhunter schicken müssen, sich dann für drei Wochen in den Urlaub verabschieden können und wenn sie wiederkommen, liegen die Angebote auf dem Tisch. So ist es aber nicht, denn Personalberater suchen in der Regel keine Absolventen.

Warum nicht?

Zum einen haben die Unternehmen hier eigene Abteilungen aufgebaut, zum anderen werden hier eher 10, 15 Leute auf einmal für ein Trainee-Programm gesucht und nicht der eine mit den ganz speziellen Eigenschaften. Personalberatungen setzen da an, wo explizit jemand mit ganz speziellen Erfahrungen gesucht wird.

Was machen Sie, wenn sich ein Absolvent bei Ihnen meldet?

Eigentlich melden sich recht wenig Absolventen bei uns. Falls doch, informiere ich sie, dass wir sie hierbei nicht unterstützen können. Erst High Potentials, die zwei bis drei Jahre im Berufsleben stehen, werden interessant, da wir für unsere Kunden entsprechende Positionen besetzen und damit den High Potentials auch etwas anbieten können.

Aber werden Absolventen in Zeiten zunehmender Personalknappheit nicht auch für Headhunter interessanter?

Unternehmen werden ihre Anstrengungen verstärken, mit Absolventen in Kontakt zu treten; Personalberater weniger. Gerade die Unternehmen des gehobenen Mittelstands müssen sich überlegen, wie sie in Zukunft an High Potentials herankommen. Bei den bekannten großen Unternehmen werden sich die Absolventen auch weiterhin melden.

Was empfehlen Sie mir stattdessen?

Werden Sie selbst aktiv. Bauen Sie sich schon im Studium ein persönliches Netzwerk auf, über Praktika, Kollegen, Studenten aus höheren Semestern. Aus dem eigenen Umfeld bekommt man oft gute Empfehlungen. Viele Stellen werden gar nicht erst ausgeschrieben, sondern über Kontakte besetzt. Die Personalberatung ist immer nur ein Weg unter vielen möglichen.

Angenommen, ich habe schon etwas Berufserfahrung - was können Sie als Headhunter für mich leisten?

Sie müssen bedenken, dass mein Auftragsgeber nicht Sie sind, sondern das Unternehmen, das mich bezahlt. Daher entstehen für Sie auch keinerlei Kosten. Trotzdem sehen wir Initiativbewerbungen natürlich gerne. Ich würde also schauen: Was haben Sie für ein Profil, welche Kunden haben wir, und passt das Profil gerade auf eine von uns zu besetzende Position? Wenn ja, würde ich sagen: Sie passen für Kunde X, ich kann mal anfragen, ob Sie interessant wären für diese Stelle. Headhunter sind Türöffner. Dabei muss man aber bedenken, dass jeder Headhunter ja nur eine begrenzte Anzahl von Unternehmen betreut, etwa zwanzig-fünfundzwanzig in meinem Fall. Das heißt, man sollte nicht nur Kontakt zu einem Berater pflegen.

Wie sieht eine erste Kontaktaufnahme für Sie idealerweise aus?

Ideal ist es, wenn der Kandidat sich vorab informiert hat, welcher Personalberater zu der gesuchten Fachrichtung passt und diesen dann direkt kontaktiert. Das ist besser, als an info@-Adresse zu schreiben. Ein kurzer Anruf oder eine E-Mail mit der Frage, ob man seinen Lebenslauf schicken kann, sollte der erste Schritt sein. Gleich am Telefon seinen Lebenslauf herunterzubeten, ist nicht so sinnvoll, da der Headhunter sich erst mal ein Bild machen muss, mit wem er es zu tun hat und was die Person möglicherweise sucht. Darauf aufbauend kann man dann das Gespräch suchen. Es kann natürlich auch sein, dass wir nichts Passendes haben, aber in zwei Monaten kommt eine Stelle, die genau passt. Es ist sinnvoll, mit mehreren Beratern in Kontakt bleiben, so wie man ja auch mit anderen beruflichen Kontakten in Verbindung bleibt.

Wie sollte ich mich auf ein Gespräch mit einem Personalberater vorbereiten?

Je klarer ich weiß, was ich will, umso leichter kann der Berater sich ein Bild machen. Sagen Sie nicht: Ich will etwas Neues machen, ich langweile mich hier. Besser ist es, sich zu überlegen: Was will ich machen und wo? Bin ich mobil oder will ich eigentlich in meiner Stadt bleiben?

Suchen Headhunter eigentlich auf Xing nach Leuten, die "Ich suche neue Herausforderungen" in ihr Profil eintragen?

Ich kann nur sagen, mich wundert es, wenn Leute das so offen kommunizieren. Wenn der Vorgesetzte da reinschaut, kann das ja sehr problematisch werden. Wenn die Verhältnisse klar kommuniziert sind und man auf einem gekündigten Vertrag sitzt, ist das okay. Ansonsten sollte man eher auf anonyme Portale setzen oder sich direkt an Berater wenden. Geheimwörter, die nur für Headhunter verständlich sind, gibt es meines Wissens nicht.
 
Es ist kein Manko, wenn so ein Satz nicht im Profil steht. Wir suchen ja nicht per se jemanden, der wechselwillig ist, sondern jemanden, der das richtige Profil hat. Xing ist auch nur ein kleiner Teil unserer Aktivität. Es ist nicht mit zwei, drei Klicks auf Xing getan. Wir arbeiten eher mit eigenen Datenbanken und Empfehlungen aus unseren Netzwerken. Sonst gäbe es uns auch nicht mehr, denn eine halbe Stunde bei Xing suchen können die Arbeitgeber selbst.

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