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Darf ich ungeliebte Geschenke umtauschen?

Ein Geschenk [Quelle: freeimages.com, Autor: iprole]

Quelle: freeimages.com, iprole

Vor Weihnachten ist der Andrang in den Geschäften groß - danach ebenso. Schließlich müssen doppelte und ungeliebte Geschenke umgetauscht werden. Dass es darauf gar kein Recht gibt, wissen die wenigsten. Auch sonst bietet der Umtausch von Geschenken einige juristische Fallstricke.

Für den Umtausch von Waren muss man zunächst unterscheiden, wo die Sache gekauft wurde: im Internet oder im Geschäft. Denn hier ergeben sich schon die ersten Unterschiede.

Bestellung im Internet: Ausprobieren erlaubt

Bei Internet- und Versandhandel handelt es sich um sogenannte Fernabsatzgeschäfte, also solche, bei denen man die Ware und den Verkäufer nicht real vor sich hat, sondern anhand von Fotos und Beschreibungen auswählt. Hier hat man natürlich keine Möglichkeit, die Ware vorher zu prüfen oder anzuprobieren. Deshalb gilt hier grundsätzlich ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Das bedeutet, Waren können ohne Angabe von Gründen wieder zurückgeschickt werden - und man bekommt natürlich sein Geld zurück. 

Um festzustellen, ob man die Ware behalten möchte, darf man sie prüfen. Dabei sollte man aber vorsichtig sein, nichts zu beschädigen. Generell darf man mit der Ware das machen, was man im Geschäft vor dem Kauf auch machen würde, also beispielsweise Kleidung oder Schuhe anprobieren, aber nicht einen Tag lang tragen oder damit auf die Straße gehen.

Rücksendekosten beachten

Nach einer aktuellen Gesetzesänderung trägt grundsätzlich der Kunde die Rücksendekosten, wenn er vom Verkäufer darauf hingewiesen wurde. Als Hinweis genügt bei normalen Paketen ein pauschaler Satz im Kleingedruckten. Bei Speditionsware muss dagegen die Höhe der Rücksendekosten konkret angegeben sein. Viele Unternehmen übernehmen dennoch weiterhin dir Kosten für die Rücksendung, um Kunden nicht zu verärgern.
Das Widerrufsrecht gilt allerdings nicht für speziell nach Kundenwunsch angefertigte, versiegelte oder schnell verderbliche Waren. Diese Dinge kann der Verkäufer logischerweise schwer weiterverkaufen.

Recht auf Umtausch im Geschäft? Eigentlich nicht

Anders ist die Situation im Geschäft: Dort kann man die Waren grundsätzlich an Ort und Stelle an- oder ausprobieren. Deshalb gibt es entgegen einer weitverbreiteten Auffassung kein Recht auf Umtausch. Viele Geschäfte bieten aber aus Kulanz an, die Ware innerhalb einer bestimmten Frist gegen Vorlage des Kassenbons umzutauschen. Teilweise bekommt man sein Geld komplett zurück. Manchmal werden stattdessen Gutscheine oder andere Waren angeboten.

Dass es grundsätzlich kein Recht auf Umtausch gibt, gilt aber nur bei intakten Waren. Sobald die Sache defekt oder beschädigt ist, gelten andere Regeln. Der Jurist spricht hier von einem Sachmangel. Ein solcher liegt immer dann vor, wenn die Sache beim Kauf nicht „hält, was sie verspricht“. Was das ist, hängt immer von den Umständen des Kaufs ab. Es gilt dabei vorrangig das, was man mit dem Verkäufer vereinbart hat. Wenn einem also der Verkäufer bestimmte Eigenschaften versprochen hat, und diese fehlen, liegt ein Sachmangel vor. Sind Waren aber aufgrund kleinerer Fehler reduziert, kann man sie nicht mit Verweis auf eben diese Fehler umtauschen.

Werbung verpflichtet

Fehlt eine Vereinbarung mit dem Verkäufer, gilt der Grundsatz: Die Ware muss die übliche Beschaffenheit aufweisen. Das bedeutet, dass das Produkt so sein muss, wie man es von einem Produkt dieser Art erwarten kann. Wer zum Beispiel Kleidung mit einem Loch kauft, kann diese grundsätzlich zurückgeben. Zur üblichen Beschaffenheit gehört übrigens auch alles, was über die Ware in der Werbung berichtet wird.

Wenn tatsächlich ein Sachmangel vorliegt, hat man zunächst Anspruch auf Nacherfüllung des Kaufvertrags, also auf Reparatur oder eine neue Ware. Dabei kann grundsätzlich der Kunde entscheiden, was er möchte, sofern nicht eine Möglichkeit für den Verkäufer unzumutbar ist.

Schafft es der Verkäufer nicht, innerhalb einer vom Kunden gesetzten, angemessenen Frist Abhilfe zu schaffen, kann man vom Vertrag zurücktreten, also sein Geld zurückverlangen. Dies gilt jedoch nur, wenn es sich um einen erheblichen Sachmangel handelt. Ein kleiner Kratzer im Lack auf der Rückseite des Produkts wird beispielsweise kaum zum Rücktritt berechtigen. Man kann bei solchen kleinen Defekten aber den Kaufpreis mindern.
Diese Regelungen für Sachmängel gelten übrigens auch für Waren, die über Fernabsatz erworben wurden. Hier braucht man sie nur oftmals nicht, da bereits das Widerrufsrecht greift.

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