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Juristenalltag zwischen Digitalisierung und Datenschutz

Technologien Digitalisierung [© violetkaipa - Fotolia.com]

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Targeted Advertising, vernetztes Fahren und Big Data beschäftigen Christoph Werkmeister täglich. Dabei ist er weder Ingenieur noch Informatiker. Im Interview erzählt er, was er als Jurist mit Digitalisierung zu tun hat und warum ohne seine Arbeit so manche Geschäftsidee platzen würde.

Was machen Sie bei Freshfields?

Meine Abteilung befasst sich mit allem, was mit Daten oder Technologie zu tun hat. Darunter fällt das Telekommunikationsrecht ebenso wie Datenschutz-, IT- und wettbewerbsrechtliche Fragestellungen oder die Gestaltung von Verträgen. Und das alles zu Themen, die sich um die Digitalisierung drehen, das heißt zum Beispiel Vernetztes Autofahren, Big Data, OTT-Dienste … also alles, was irgendwie smart ist.

Was reizt Sie an diesem Arbeitsfeld?

Ich finde es sehr schön, dass wir nicht auf ein Rechtsgebiet beschränkt sind, sondern dass letztlich das jeweilige Produkt oder die Dienstleistung des Mandanten bestimmt, welche Punkte relevant sind. Wenn ein Unternehmen durch Big-Data-Analysen seine Produktionskette optimieren will, gilt es natürlich andere Rechtsgebiete und Interessenslagen zu berücksichtigen, als wenn man die neuesten Wearables bei der Markeinführung begleitet.

Bei einer Kanzlei wie Freshfields, welche die ganze Bandbreite an Rechtsgebieten abdeckt, hat man dann auch die Möglichkeit, sich entsprechende Spezialisten ins Boot zu holen. Wenn ich also beispielsweise bei der Nutzung von Daten ein kartell- oder steuerliches Problem sehe, dann kann ich diesen Fall mit Top-Anwälten aus anderen Abteilungen durchsprechen und gemeinsam Lösungen entwickeln. Außerdem ergeben sich viele Möglichkeiten, mit anderen Jurisdiktionen zusammenzuarbeiten, da es in unseren Projekten häufig um Markteinführungen oder die Einführung neuer Prozesse geht – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

Wie sieht denn ein typisches Mandat aus und wie gehen Sie dabei vor?

Nehmen wir als Beispiel eines unserer Beratungsprodukte, Privacy by Design. Das Ziel dabei ist es, etwaige Datenschutzprobleme schon bei der Entwicklung neuer Technologien zu prüfen und nicht erst im Nachhinein. Ein Mandant kommt also auf uns zu und sagt uns, dass er ein bestimmtes Produkt an den Markt bringen will – beispielsweise ein selbstfahrendes Auto, ein neuartiges Medienangebot oder eine andere Innovation. Dann steigen wir schon in der Planungsstufe mit ein und geben bei der Konzeption unsere rechtliche Einschätzung zu eventuellen Risiken.

Diese Gedankenspiele sind sehr wichtig, denn bei physischen Produkten wie etwa einem Auto ist es im Nachhinein schwierig, Fehler zu beheben. Bei Software kann hingegen schnell ein Update nachgespielt werden. Wenn nun aber das ganze Geschäftsmodell auf einer bestimmten Verarbeitung von Daten basiert und der Mandant erst nach der Entwicklung erfährt, dass genau diese Verarbeitung nicht zulässig ist, betrifft das natürlich unabhängig von der Anwendung den gesamten Business Case des neuen Produkts.

Auch im Rahmen von unternehmensinternen Ermittlungen wie etwa der medienwirksamen DFB-Untersuchung sind wir gefragt. Bei derartigen Projekten werden Unmengen von Daten zur Aufklärung compliance-relevanter Sachverhalte erhoben und gegebenenfalls an (ausländische) Behörden übermittelt. Wir kümmern uns dann um den Datenschutz, der letztlich den Rahmen und die Möglichkeiten der Untersuchung bestimmt. Wir befassen uns zudem mit neuen Technologien, zum Beispiel künstlicher Intelligenz, um Konzepte zur Automatisierung repetitiver Tätigkeiten, etwa dem Screening umfangreicher Datenpools, zu entwickeln. Des Weiteren vertreten wir Mandanten im Telekommunikationssektor beratend und in behördlichen sowie gerichtlichen Verfahren oder bewerten Chancen und Risiken von technologiegetriebenen Transaktionen. Unser Team deckt somit ein weites Spektrum an Themen an. Die Abwechslung kommt nicht zu kurz.

Sie hatten sich ja in Ihrer Promotion schon auf Telekommunikationsrecht spezialisiert. Hilft Ihnen das bei Ihrer täglichen Arbeit?

An der Uni ging es bei mir vor allem um die Regulierung im Telekommunikationsbereich, also zum Beispiel um die Frage, welche Vorleistungen die Deutsche Telekom ihren Mitbewerbern zur Verfügung stellen muss. Zudem hatte ich mich viel mit Kartellrecht beschäftigt. Ähnliche Fragestellungen ergeben sich jetzt auch für OTT-Dienste oder die Nutzung von Daten. Öffentlichkeitswirksam sind in diesem Zusammenhang die aktuellen Verfahren gegen Google oder Facebook. Es gibt jedoch noch mehr Unternehmen, die mit ähnlichen Fragestellungen konfrontiert sind.

Mit dem Datenschutz hatte ich im Studium noch gar nichts zu tun, damit kam ich erstmals bei Freshfields in Kontakt. Datenschutz ist ein spannendes Thema, weil es nicht sektorspezifisch ist. Letztendlich hat jedes Unternehmen irgendwelche Daten, sei es von Mitarbeitern oder von Kunden, die alle dem Datenschutzrecht unterliegen. Und durch die politischen Entwicklungen – Stichwort Safe-Harbor-Abkommen – steigt auch das Bewusstsein der Mandanten für dieses Thema. 2018 wird zudem ein neuer EU-Rechtsrahmen, die Datenschutzgrundverordnung, in Kraft treten und – ähnlich wie im Kartellrecht – Bußgelder gemessen am Unternehmensumsatz einführen. Das wird den Datenschutz noch geschäftskritischer machen und für neue spannende Themen im nationalen sowie internationalen Kontext sorgen.

Wie gehen Sie denn vor, wenn Sie bei Ihrer Arbeit mit einem Thema konfrontiert werden, mit dem Sie bislang noch nichts zu tun hatten?

In erster Linie ist das ein "Learning on the Job". Wir arbeiten in einem Feld, wo ständig etwas passiert – selbst wenn man sich im Studium schon mit IT-Recht befasst hat, muss man immer wieder Neues dazu lernen. Da ist es sehr hilfreich, wenn man erfahrene Partner hat, die das schon ein bisschen länger machen und einem zeigen, wie man diese Themen angeht.

Was die technischen Sachverhalte betrifft, lernen wir natürlich auch sehr viel von den Mandanten. Wir lassen uns erklären, wie ein Produkt funktioniert, was technisch machbar ist und was nicht. Es gibt Mandanten, da bespricht man das direkt mit den jeweiligen technischen Fachabteilungen oder dem Management, und es gibt umgekehrt Mandanten, wo sehr viel durch die Rechtsabteilung vorgefiltert wird. Das ist immer abhängig von der Aufstellung des Kunden und auch von der Größenordnung des Projektes.

Angenommen ein e-fellow möchte in diesem Feld arbeiten. Welche Voraussetzungen müsste er mitbringen und wie könnte er sich vorbereiten?

Er oder sie müsste auf jeden Fall ein gewisses Interesse für technische Sachverhalte haben, eine technische Vorbildung ist aber nicht erforderlich. Hilfreich ist auch ein Grundinteresse für das Thema Medien, um sich in Geschäftsmodelle für neue Medienangebote hineindenken zu können. Vom Mindset her ist das wohl am ehesten vergleichbar mit Patentrechtlern – nur, dass man beim Patentrecht auf ein konkretes Rechtsgebiet und weniger ein Themengebiet, in diesem Fall die Digitalisierung, fokussiert ist. Bei uns geht es in erster Linie darum, herauszufinden, welche Rechtsgebiete überhaupt betroffen sein könnten. Oft ist dabei Kreativität gefragt. Es gibt keine klassischen Schemata, die man anwenden kann. Man muss sich immer überlegen, was der Mandant eigentlich braucht und wie man ihm mit juristischen Mitteln helfen kann.

Was ich damals gemacht habe und was sehr hilfreich war: Ich war einer der Mitgründer des juristischen Online-Portals juraexamen.info. So hatte ich schon Wissen darüber, was beim Betreiben einer Internetplattform eine Rolle spielt, welche Hürden es gibt, wie man Reichweite bekommt und wie man im Internet Geld verdienen kann.

Was immer hilft ist, wenn man sich die Themen schon einmal in der Praxis angesehen hat. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter oder während des Referendariats kann man insofern schon wertvolle Erfahrungen sammeln. Da die Bedeutung der Digitalisierung wächst, sind wir bei Freshfields ständig auf der Suche nach neuen Köpfen für diesen Bereich. Wer sich hierfür interessiert, sollte sich bei uns bewerben oder kann sich gerne auch direkt bei mir melden.

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