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Naturwissenschaftler: Ohne Master geht fast nichts

Wissenschaftler bei der Arbeit [© shotsstudio - Fotolia.com]

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Der Master ist eigentlich ein Muss. Noch besser aber promovieren Naturwissenschaftler. Denn ein Doktortitel zeigt, dass der Bewerber eine hohe Frustrationstoleranz hat. Das zahlt sich aus.

Geht es auch ohne Master?

In den klassischen Naturwissenschaften ist der Master die Regel. Eine Ausnahme sind die Absolventen der Fachhochschulen: Sie steigen eher mit dem Bachelor in den Beruf ein. Häufig sind in den Fächern aber auch naturwissenschaftliche und technische Inhalte kombiniert, etwa bei Chemieingenieurwesen oder Bioinformatik.

Viele Studenten schließen an den Master sogar noch eine Promotion an. Im Fach Chemie sind es nach einer Statistik der Gesellschaft Deutscher Chemiker zurzeit rund 80 Prozent, in Biologie laut einer Schätzung des Verbands Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin (VBio) rund zwei Drittel. Für bestimmte Stellen in der Industrie ist die Promotion von Vorteil. "In der Forschung und Entwicklung ist bei uns der Anteil der Beschäftigten mit Doktortitel hoch. Projektmanager und Laborleiter dort sind klassischerweise promoviert", sagt etwa Anne McCarthy, die beim Spezialchemiekonzern Evonik die Abteilung Employer Branding leitet. Aber es gebe bei Evonik auch Einstiegsmöglichkeiten für Masterabsolventen, etwa im Labor. Zum Teil haben Firmen spezielle Traineeprogramme für Naturwissenschaftler, die auch Masterabsolventen offenstehen. Dabei lernt man in eineinhalb bis zwei Jahren verschiedene Abteilungen des Unternehmens kennen und wird auf eine Führungsposition vorbereitet. Beim Verdienst spielt der Abschluss ebenfalls eine entscheidende Rolle. Laut der Datenbank gehalt.de können Masterabsolventen in Naturwissenschaften im Schnitt mit etwa 47.000 Euro brutto im Jahr rechnen. Berufseinsteiger mit Doktortitel verdienen rund 10.000 Euro mehr.

Wie kann man sich spezialisieren?

Während im Bachelorstudium vor allem die theoretischen Grundlagen gelegt werden, hat man mit dem Master die Möglichkeit, eigene Schwerpunkte zu setzen. In den Geo- und Biowissenschaften gibt es eine breite Auswahl an spezialisierten Masterprogrammen wie Geoökologie oder Biodiversität. In Physik und Chemie macht man zwar seltener einen spezialisierten Master, aber auch hier setzt man individuelle Schwerpunkte, etwa in Teilchenphysik oder anorganischer Chemie. "Der Vorteil bei einem eher breiten Studiengang ist, dass sich der Schwerpunkt während des Masters noch einmal ändern oder verschieben lässt", sagt Alois Palmetshofer, der als Karrierekoordinator an der Fakultät für Biologie der Uni Würzburg arbeitet. Vereinzelt gibt es auch spezielle Masterprogramme, die Naturwissenschaften mit anderen Disziplinen kombinieren, etwa Bioeconomy an der Uni Hohenheim oder Geschichte der Naturwissenschaften an der Uni Jena. Hilfreich kann es auch sein, schon bei der Masterwahl den Berufswunsch im Kopf zu haben. "Wer zum Beispiel Kenntnisse in Mikrobiologie und Hygiene mitbringt, hat gute Chancen auf einen Job in der Qualitätssicherung", sagt Alois Palmetshofer.

Wie starte ich eine Forschungskarriere?

Im Masterstudium kommen Naturwissenschaftler oft das erste Mal mit der Forschung in Kontakt. Besonders die Masterarbeit ist ein guter Test, ob man sich eine Promotion vorstellen kann. Häufig arbeiten die Studenten dafür schon in einer Arbeitsgruppe mit, vor allem wenn es um experimentelle Forschungsfragen geht. Schon davor sollte man sich informieren, welche Arbeitsgruppen es an der Uni gibt und mit welchen Forschungseinrichtungen, zum Beispiel Max-Planck-Instituten oder Helmholtz-Zentren, Kooperationen bestehen. Über Kurse und Laborpraktika lassen sich während des Studiums leicht erste Kontakte knüpfen. Alois Palmetshofer von der Uni Würzburg empfiehlt, sich ein Netzwerk aufzubauen, zum Beispiel indem man schon als Student an Tagungen und Konferenzen teilnimmt. "Das Maß aller Dinge für eine wissenschaftliche Karriere sind die Fachpublikationen, und da hilft es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort in der richtigen Arbeitsgruppe am richtigen Thema zu arbeiten. Dafür braucht man gute Beziehungen und einen Riecher für aktuelle Trends", sagt Palmetshofer.

Für eine Karriere in der Wissenschaft reicht es aber nicht, dass man gerne im Labor steht und forscht. Ausdauer, Beharrlichkeit und eine gewisse Frustrationstoleranz sind genauso wichtig. Und man sollte sich auch klar darüber sein, dass die meisten Doktoranden und Postdocs befristet beschäftigt sind und alle zwei, drei Jahre ihre Stelle wechseln. Mit dieser Unsicherheit muss man umgehen können.Wer das nicht will, kann übrigens auch nach der Promotion in der Industrie einsteigen, zum Beispiel als Laborleiter bei einem Chemiekonzern oder in Entwicklungsabteilungen bei Biotechnologieunternehmen. Das machen Naturwissenschaftler häufig.

Worauf achten Arbeitgeber?

Wer weiß, dass er nach dem Master in den Beruf einsteigen will, sollte während des Studiums versuchen, Kontakt zu Arbeitgebern zu knüpfen. Eine erste Anlaufstelle, um an Unternehmen heranzutreten, sind Firmenkontaktmessen oder Exkursionen zu Unternehmen. Häufig bieten Unis solche Veranstaltungen an.

Sind die Vorstellungen vom späteren Beruf schon konkreter, kann man versuchen, Erfahrung im Job zu sammeln, etwa als Werkstudent oder indem man sein Forschungspraktikum bei einer Firma macht oder seine Abschlussarbeit dort schreibt. "Wer schon vor dem Berufseinstieg praktische Erfahrungen sammelt, hat viele Vorteile: Man erlebt Arbeitspraxis, lernt Prozesse und Themen eines Unternehmens kennen und baut ein Netzwerk zu Kollegen auf", sagt Anne McCarthy vom Chemiekonzern Evonik.

Mithilfe von Stellenanzeigen lässt sich leicht herausfinden, welche Fachrichtungen für bestimmte Berufe besonders gefragt sind. Neben fachlichem Wissen zählen für viele Unternehmen heute Soft Skills, auch in den Naturwissenschaften. "Wir wollen Mitarbeiter, die kommunizieren können, kreative Lösungen finden, Teamgeist mitbringen und interkulturelle Erfahrungen gesammelt haben", sagt McCarthy. Passende Soft-Skill-Seminare zu Themen wie Kommunikation oder Konfliktmanagement werden auch von den Unis angeboten.

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In unserer Studiengangsübersicht stellen wir dir Master-Studiengänge und Hochschulen von A wie Ausland bis W wie Wirtschaft vor.

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