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Ein Wasserhahn [Quelle: freeimages.com, leovdworp]

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Sie sorgen für Strom und sauberes Wasser: Drei 'Ingenieure ohne Grenzen' berichten von ihren Einsätzen in Afrika und Ozeanien.

Kamerun: "Bis zu den Knöcheln im Schlamm"

Ich war vier Wochen lang in Kamerun, in einem Dorf ohne fließendes Wasser, bis zur nächsten Wasserstelle mussten die Bewohner bis zu vier Kilometer laufen. Meist gingen die alten Leute oder die Kinder Wasser holen und schleppten die schweren Kanister zurück. Ganz sauber war das Wasser auch nicht, uns wurde von Typhus und Durchfall berichtet. Unser Projekt bestand darin, eine Wasserversorgung für das Dorf aufzubauen. Wir haben eine Quelle angezapft und eine zwei Kilometer lange Leitung gelegt. Das Wasser wird mit Solarstrom entkeimt und ins Dorf geleitet. Nur die Aufbereitungsanlage hatten wir mitgebracht, die übrigen Teile besorgen wir immer aus Prinzip in der Region – soweit möglich. Daher waren wir viel unterwegs. Bis zur nächsten Stadt waren wir eine Dreiviertelstunde unterwegs. Trampen ist in Kamerun so normal wie bei uns Bahn fahren. Nur dass dort auch mal vier Leute auf einem Motorrad fahren.

Wir sind etwas später angereist als geplant, die Regenzeit hatte schon begonnen. Der Regen hat die Gräben für die Rohrleitungen wieder zugespült oder aufgerissen. Ich stand manchmal bis zu den Knöcheln im Schlamm. Das Haus, in dem wir untergebracht waren, hatte zwar zwei Badezimmer mit Dusche und Bidet, aber kein fließendes Wasser. Für unsere Eimerdusche haben wir Regenwasser gesammelt. Mir hat die Arbeit großen Spaß gemacht. Es war spannend, zu sehen, wie anders die Strukturen in Afrika sind. Mit der Einstellung "Morgen früh um acht Uhr muss das stehen" kommt man nicht weiter. Die Leute erreichen trotzdem ihr Ziel. Nur eben anders. Zur Eröffnung der Anlage gab es eine große Feier, mit Festzelt und Dankesreden.

Es war mein erstes Projekt für Ingenieure ohne Grenzen. In meinem Beruf konstruiere ich für ein mittelständisches Unternehmen Spezialteile für Großmotoren, habe also gar nichts mit Solarenergie oder Wasserversorgung zu tun. Aber gerade deshalb war das Projekt eine Bereicherung für mich. Mein Arbeitgeber hat mich unterstützt und mir unbezahlten Urlaub gegeben. Als ich aus Kamerun zurück war, kamen einige Kollegen zu mir und haben gesagt: "Das würde ich auch mal gern machen".

Stephan Bröckerhoff, 31 Jahre, Maschinenbauingenieur

Tansania: "Wir haben mit einem Ast gemessen"

Ich mag Projektarbeit, aber an der Uni funktioniert die nicht so recht. Man arbeitet oft vor allem für die Note, oder die Hälfte der Gruppe hat keine Lust. Ich wollte mit Ehrenamtlichen zusammenarbeiten, die sich gern für ein Projekt engagieren und tatsächlich etwas umsetzen. So bin ich auf Ingenieure ohne Grenzen gekommen. Zwei Wochen lang war ich in Tansania und habe zusammen mit einem Ingenieur die Wasserversorgung einer Mädchenschule geplant. Die Schule wird gerade von einer Nichtregierungsorganisation gebaut. Ich hatte seit anderthalb Jahren Kontakt mit dem Bauleiter und dem Verantwortlichen für die Wasserqualität, aber nur per Mail und Skype. Ihnen gegenüberzusitzen und sich persönlich auszutauschen war toll. Morgens haben wir uns getroffen und überlegt: Wo sollen die Wasseranschlüsse installiert werden? Wo könnten Rohrleitungen liegen? Welches Material fehlt noch? Nach dem Mittagessen sind wir zum Schulgelände gefahren und haben uns angesehen, ob wir die besprochenen Ideen umsetzen können. Das war nicht immer so. Wir wollten etwa Zisternen an der Südseite der Kantine errichten, aber dann haben wir gesehen, dass das Transportwege versperren würde.

Wir haben sehr viel vermessen. Bei der Wasserversorgung geht es darum, das Gefälle vor Ort auszunutzen. Fließendes Wasser gibt es nur, wenn das Wasser mit genügend Druck aus einem Hochtank kommt. Wir haben auch drei Schächte geplant, an denen man die unterirdischen Rohrleitungen öffnen und von dort aus reinigen kann. Abends haben wir gekocht, wir hatten dazu nur einen traditionellen Ofen, den man erst einmal anheizen musste. Das ganze Leben war sehr entschleunigt. Man hatte sehr viel Platz für Gedanken. Wenn es zwei Tage lang keinen Strom gab, haben wir wieder mit Papier und Bleistift gearbeitet. Wenn es nicht genügend Zollstöcke gab, haben wir einen geraden Ast abgemessen und benutzt. Ich habe gelernt, kreativer zu sein. Wenn man in Deutschland etwas braucht, kauft man es einfach. Das ging in Tansania nicht. Aber es gibt für jedes Problem eine Lösung, auch wenn sie nicht fertig in einem Baumarktregal liegt.

Janina Lukas, 26 Jahre, studiert Wirtschaftsingenieurwesen

Fidschi-Inseln: "Um neun Uhr abends ging das Licht aus"

Die Bewohner der Fidschi-Inseln bekommen ihren Strom von Dieselmotoren. Das ist umständlich, denn der Diesel muss mit dem Boot zu jeder der mehr als 100 bewohnten Inseln gebracht werden. Mit einem Team von Ingenieure ohne Grenzen bin ich auf die Fidschis gereist, um zu überlegen, wie man dort Sonne, Wind und Wasser zur Energiegewinnung nutzen könnte. Die Voraussetzungen dafür sind eigentlich gut. Es ist allerdings nur sinnvoll, etwas aufzubauen, was die Menschen dort bezahlen können und was ihnen langfristig nutzt. Sie müssen die Anlagen warten und bei Windkraftanlagen zum Beispiel Kugellager austauschen können.

Wir sind also nicht mit einem fertigen Plan angereist, sondern haben uns erst einmal zwei Dörfer angeschaut, um ein Konzept zu schreiben. Das lief so ab: Zuerst haben wir uns bei den Dorfchefs vorgestellt. Nachdem der Chef uns willkommen geheißen hat und einverstanden war, konnten wir zu den Dorfbewohnern gehen. Wir haben geschaut, welche elektrischen Geräte sie haben, ob sie Kühlschränke benutzen, Glühbirnen, Radios, wie sie kochen und Fisch kühlen. So konnten wir sehen, welche Form von Energie sie benötigen. Bügeleisen machen zum Beispiel die Dieselmotoren kaputt, weil sie zu viel Strom ziehen.

Außerdem haben wir die Umgebung erkundet. Wir sind die Bachläufe abgeschritten und haben gemessen, ob sie genug Wasser und Gefälle haben, um umweltverträglich die Energie zu nutzen. Abends haben wir uns mit den Dorfbewohnern zusammengesetzt und ihnen berichtet, was wir herausgefunden haben. Auf einer großen Tafel im Gemeinderaum haben wir Pläne aufgezeichnet und sie besprochen. Es hat mich gefreut, zu sehen, wie interessiert alle waren.

Abends um neun Uhr wurde normalerweise der Generator abgeschaltet, und es gab kein Licht mehr, aber wir saßen bis elf Uhr nachts zusammen und haben geredet – natürlich auf Englisch. Wir haben versucht, mit so vielen unterschiedlichen Menschen zu sprechen wie möglich, damit wir eine breite statistische Basis haben. Es gefällt mir, dass wir unser Wissen mit anderen teilen und mit der Technik etwas Gutes tun.

Thomas Pfeiffer, 48 Jahre, Gutachter für erneuerbare Energien

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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