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Berufliche Fitness für Ingenieure

Industrialisierung [Quelle: Fotolia, alphaspirit]

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Gerade Berufsfelder für Ingenieure verändern sich durch Digitalisierung und technologischen Fortschritt immer schneller. Grund genug, sich durch berufliche Trendforschung auf dem Laufenden zu halten.

Kürzlich beriet ich einen erfahrenen Ingenieur, der sich beruflich neu positionieren musste. Herr Dipl.-Ing. Weber, so nennen wir ihn mal, war seit seinem Studium vor 20 Jahren "immer nur in der Mobilfunk-Branche beschäftigt." Er hatte sie alle durch, die einschlägigen Arbeitgeber. Doch: Siemens- und Nokia-Handys würden ja schon lange nicht mehr gebaut und die Netzbetreiber und deren Partner seien auch nicht mehr zukunftsorientiert. Lange Rede, kurzer Sinn: Jetzt ist er jobsuchend und mit dem Thema Mobilfunk habe Herr Weber in Deutschland keine berufliche Perspektive. Der Mobilfunk sei tot.

Ist das so?

Dynamische Arbeitswelt mit rasanten Veränderungen

In Zeiten von Digitalisierung und hohem technischen Fortschritt verändern sich Berufsfelder mit ständiger Dynamik. Berufe, die es vorgestern noch gab, sterben aus. Neue Berufe entstehen, die vor zehn  Jahren noch keiner kannte. Besonders stark betroffen sind Berufe, die den technischen Wandel mit vorbereiten. So verschmilzt der klassische Ingenieurberuf aktuell zum Beispiel mehr und mehr mit Themen aus Informatik und Kommunikation.

Gerade der Ingenieurberuf ist also dem technologischen Wandel besonders ausgesetzt. Deshalb lohnt es sich, ständig Trends ihrer Branche und generell gesellschaftliche und technologische Entwicklungen zu beobachten und zu erforschen.

Schauen wir uns drei Trends an, die Industrie und Arbeitswelt aktuell vehement verändern:

Big Data und Digitalisierung

"Was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert", meinte bereits Carly Fiorina, seinerzeit Managerin bei Hewlett Packard.
Heutzutage werden selbst Wirtschaftszweige von einer alles durchdringenden Digitalisierung durchgemischt, die vorher als beständig und sicher galten.

Big Data ist das Zauberwort und meint die Möglichkeit, große Mengen von Daten nicht nur zu speichern, sondern auch intelligent ganz neu miteinander zu vernetzen.

Digitalisiert werden nicht nur Handel, Banken und Finanzen durch eCommerce, digitalisiert werden auch Verwaltung, Gesundheit und natürlich die Industrie. Der Begriff Industrie 4.0 hat hier seinen Ursprung.

Dabei sind stets alle Unternehmensprozesse von dieser Digitalisierung betroffen: Produktion, Controlling, Marketing, Vertrieb und besonders die Kommunikation.

Internet of things

Heute kommunizieren die Menschen unter ganz anderen Umständen als noch vor zehn Jahren: Noch digitaler über Smartphone, Internet und Social Media. Gerade in der Industrie kommunizieren nicht nur die Menschen, sondern auch die Maschinen und Gegenstände untereinander. Weltweit spricht man in diesem Zusammenhang vom "Internet of things", dem Internet der Dinge.

Damit ist nicht nur der oft zitierte "sprechende Kühlschrank" gemeint, der automatisch für Nachschub bei der Milch sorgt, wenn die ausgeht. Das Internet der Dinge durchdringt Logistik, Medizin und Produktion.

Industrie 4.0

In Deutschland hört man in diesen Tagen häufig von der "Industrie 4.0". Die vierte industrielle Revolution ist ausgerufen: informatisierte Fabriken, vernetzte Maschinen, smarte Logistik. Der Einzug der intelligenten technischen Kommunikation allenthalben.

Industrie 4.0 und das Internet of things erfordern Unmengen von Daten, die ständig auf unterschiedlichsten Wegen übertragen und ausgetauscht werden müssen. Die vielzitierte digitale Infrastruktur der Datenautobahn ist dabei ein entscheidender Faktor, damit die deutsche Industrie und Wirtschaft wettbewerbsfähig bleibt.

Merken Sie was?

Big Data und Cloud Computing erfordern einen immensen Datenaustausch. Industrie 4.0 erfordert hyperschnelles Internet. Viele Daten im Internet der Dinge werden heute und zukünftig über Mobilfunk übertragen.

Mobilfunk!

Unser Herr Weber befindet sich gar nicht in der sterbenden Branche, sondern in einer sich dynamisch wandelnden, er arbeitet - ohne es zu merken - in einem der trendigsten Felder. Hätte er sich informiert und schlau gemacht …

Berufliche Trendforschung

Es lohnt sich also, sich mit Trends und zukünftigen Entwicklungen Ihrer Arbeitswelt auseinanderzusetzen. Gerade, wenn Sie sich beruflich weiterentwickeln oder gar neu positionieren möchten, kann berufliche Trendforschung nicht nur den Horizont erweitern, sondern auch Türen öffnen.

Denn gerade Gespräche mit Fachkollegen, Experten und Trendsettern dienen sowohl dem beruflichen Netzwerken als auch dem Erforschen von Trends Ihrer Arbeitswelt.

12 Tipps für die berufliche Fitness in Zeiten von Industrie 4.0 und Digitalisierung

Berufliche Trendforschung in eigener Sache - das geht sowohl offline in persönlichen Gesprächen, als auch online per Recherche in Zeitschriften und Internet. Das spiegeln auch die folgenden 12 Tipps wider:

  1. Treffen Sie andere. Treffen Sie sich mit (gerne auch ehemaligen) Kollegen aus der Branche zum informellen Vieraugengespräch, gehen Sie "systematisch Kaffeetrinken" und plaudern Sie über Entwicklungen Ihrer Branche.
  2. Beobachten Sie Trends. Betreiben Sie Trendforschung auf Symposien, Kongressen Ihrer Branchen. Auch regionale Arbeitskreise des VDI bieten sich zum fachlichen Austausch.
  3. Besuchen Sie Messen. Besuchen Sie Branchenmessen, Industrie- und Fachmessen. Nicht nur die großen Flagschiffe wie Hannovermesse, IAA und Cebit lohnen den Besuch. Gerade regionale Veranstaltungen oder Messen aus Nischenbranchen bieten oft Chancen für Gespräche mit Experten. Karrieretage wie die VDI-Nachrichten-Recruitingtage sind für informelle Gespräche natürlich auch geeignet.
  4. Nutzen Sie Berufsverbände. Pflegen Sie die Mitgliedschaft im Berufsverband. Als Ingenieur haben Sie das Glück, einen der aktivsten beruflichen Vereine angehören zu können. Im VDI können Sie unter anderem auf Publikationen, regionale Netzwerke und persönliche Beratung zurückgreifen.
  5. Bilden Sie sich regelmäßig weiter. Besuchen Sie aktuelle Weiterbildungen, die über reine Fachqualifikationen hinausgehen. Im Rahmen von Präsenzschulungen erfahren Sie im Austausch mit Trainern und Fachkollegen häufig viel über aktuelle Trends Ihrer Branche. Besonders während der aktiven Jobsuche bietet eine Weiterbildung für Ingenieure viele Chancen.
  6. Lesen Sie regelmäßig Fachzeitschriften Ihrer Branche oder Ihres Themengebiets. Neben VDI-Nachrichten und Branchenblättern geben natürlich auch die Wirtschaftsresorts der gängigen (Online-)Publikationen wie FAZ, Spiegel, Handelsblatt, Süddeutsche viele Aufschlüsse über gesellschaftliche und technische Trends.
  7. Lesen Sie auch im Netz. Abonnieren Sie und lesen Sie Fachblogs und Expertenblogs per RSS-Feed oder E-Mail, zum Beispiel das VDI-Blog, Ingenieurversteher.de oder das Blog von ingenieurkarriere.de.
  8. Nutzen Sie inhaltlichen Angebote der soziale Netzwerke. Abonnieren und lesen Sie (technische) Business-News der sozialen Businessnetzwerke wie LinkedIn Pulse oder Branchen-News bei XING.
  9. Beobachten Sie die "Großen". Beobachten Sie Aktivitäten der Unternehmen und Organisationen, die Trendsetter sein können, Beispiele: Daimler-Blog, Telekom-Blog, Infineon Blog
  10. Beachten Sie offizielle Informationen. Beobachten Sie die Infos und Pressemitteilungen Ihres Branchenverbands. Neben dem VDI zum Beispiel von VDMA, VDA oder VDE.
  11. Beobachten Sie den Stellenmarkt. Recherchieren Sie aktuelle Stellenausschreibungen Ihrer Themenfelder, selbst wenn Sie gar nicht wechseln wollen. Sie erhalten Aufschlüsse über aktuelle Anforderungen an Einsteiger und Berufsfelder, in denen neu eingestellt wird.
  12. Nutzen Sie die Businessnetzwerke aktiv zur Recherche. Nutzen Sie Ihre XING-Mitgliedschaft aktiv und betrachten Sie gezielt Profile von Ingenieuren Ihrer Branchen. Was haben diese zu bieten? Welches sind die Trend-Keywords in "Ich suche", "Ich biete" in Ihrer Branche?

Bonustipp: Suchen Sie sich die Tipps aus, die zu Ihnen passen und richten Sie Ihre regelmäßige Routine der beruflichen Trendforschung ein. Das charmante dabei: Alleine durch Recherchen und Gespräche lernen Sie gewissermaßen von selbst viel über wichtige Entwicklungen und zukünftige Anforderungen Ihrer Arbeitswelt. Diese Form der Horizonterweiterung nenne ich "Liquides Lernen". Der Lerngewinn geschieht quasi ganz von selbst fließend und ohne Anstrengung, weil forschende Neugier im Vordergrund steht.

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