Partner von:

Herausfinden, was die Software können muss

IT Informatik Computer Code [Quelle: Unsplash.com, Luca Bravo]

Quelle: Unsplash.com, Luca Bravo

Karin Weiß hat den Sprung aus dem Bankwesen in den Bereich Software Engineering gewagt. Sie berichtet über ihr heutiges Aufgabenfeld und ihre Begeisterung für den Beruf.

Zweiter Anlauf: Volltreffer!

Gleich am ersten Tag mit meinen neuen Kommilitonen habe ich gemerkt: Hier bin ich richtig. Hier sind Leute, mit denen ich auf einer Wellenlänge bin. Die folgenden acht Semester Studium waren anspruchsvoll, und vor allem das Grundstudium brachte mit Mathematik und Elektrotechnik einiges an Lernaufwand. Aber schließlich war es geschafft.

Bits, Bytes, Java und benutzerfreundliche Software

Nach meinem Abschluss als Diplom-Ingenieurin habe ich zunächst als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule und dann mehrere Jahre als Java-Entwicklerin gearbeitet. Im Team mit drei Kollegen haben wir eine maßgeschneiderte Software für einen großen Automobilhersteller weiterentwickelt. Das Entwickeln hat mir viel Spaß gemacht. Dabei hatte es mir von Anfang an vor allem die Entwicklung von Softwareoberflächen angetan. Die Softwareoberfläche ist das, womit der Benutzer am Ende tatsächlich in Berührung kommt. Daher macht es einen großen Unterschied, wie man sie gestaltet. Zwischen einer anwenderfreundlichen Software und einer kaum bedienenbaren liegen oft nur wenige Änderungen oder eine gute Gestaltungsidee. Nach einer Weile habe ich mehr und mehr gemerkt, dass mir Programmieren zwar Spaß macht, aber dass ich – anders als manche Kollegen – nicht völlig darin aufgehe, neue Frameworks kennenzulernen und aktuelle Technologien auszuprobieren. Es reizt mich mehr, Software zu entwerfen, die den Benutzern weiterhilft, die den Anwender möglichst gut bei seiner Aufgabe unterstützt und genau für diese Aufgabe und diese Umgebung optimal funktioniert. Damit das gelingt, muss man am Anfang erst mal herausfinden: Was will der Benutzer überhaupt tun? Auf welche Weise? Und geht das denn?
Und genau das finde ich jetzt heraus – als Requirements Engineer.

Vom Entwickler zum Requirements Engineer

Der Requirements Engineer ist am Zug, bevor die Software geschrieben wird. Es geht darum, die Anforderungen zu ermitteln, die die fertige Software erfüllen soll. Dafür muss man Anforderungen sammeln, verschiedene Interessen zusammenführen, Widersprüche finden und auflösen, Machbarkeiten prüfen und das Ganze so nachvollziehbar aufbereiten, dass sich die Entwickler ans Werk machen können. Was mir an dieser Arbeit besonderen Spaß macht, ist das anfängliche Kuddelmuddel aufzulösen, also Sachverhalte zu verstehen und anschließend zu strukturieren. Ich mag es, Lösungen zu finden, die dem Benutzer weiterhelfen und für den Entwickler gut umsetzbar sind. Es gefällt mir, wenn ich Fehler und Widersprüche aufdecken kann, bevor sich jemand an die Umsetzung gemacht hat.

Man muss in diesem Arbeitsfeld damit leben können, dass man auch mal Arbeit in Dinge steckt, die nie realisiert werden. Man muss in sehr unterschiedliche Gedankenwelten eintauchen und gut kommunizieren können. Kunde, Entwickler und gegebenenfalls Designer sprechen unterschiedliche Sprachen. Auch mit Konflikten muss man umgehen können. Diese können zum Beispiel zwischen Anforderungen verschiedener Nutzer der Software
auftreten. Aber auch zwischen den Zielen der Projektbeteiligten können Widersprüche entstehen, etwa wenn es dem Entwickler um eine möglichst performante Software und dem Designer um eine möglichst optisch ansprechende Oberfläche geht. Um als Requirements Engineer arbeiten zu können, habe ich mich aufbauend auf meiner Erfahrung aus der Entwicklung weitergebildet. Beispielsweise habe ich die Zertifizierung zum CPRE gemacht (Certified Professional for Requirements Engineering). Der Wechsel von der Entwicklung ins Requirements Engineering war für mich sogar firmenintern möglich. „Das ist aber ein sehr frauenuntypischer Beruf …“

… höre ich ab und zu, nachdem ich die Frage „Und was machst du so beruflich?“ beantwortet habe. Tatsächlich gibt es in meinem Arbeitsumfeld nur wenige Frauen, sowohl im Studium als auch später im Beruf. Mich hat das allerdings nie gestört. Bei den Kommilitonen, Kollegen und Vorgesetzten, mit denen ich Kontakt hatte, war es die absolute Ausnahme, dass ich seltsam oder anders behandelt wurde, weil ich eine Frau bin. Ich würde sagen, dass sich die Nachteile (du fällst auf) mit den Vorteilen (du fällst auf) ziemlich die Waage halten. Ich fühle mich auf jeden Fall wohl, sowohl in diesem Beruf als auch mit meinen Kollegen.

nach oben
Veranstaltungen für ITler
Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Comments (0)

You don't have access to post comment.

Das könnte dich auch interessieren