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Bin ich gut genug für den Master?

McGill, University, Kanada [Quelle: freeimages.com, Autor: Tom14850]

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Der Hochschulforscher Kolja Briedis über chaotische Auswahlverfahren, lästige Tests und den Weg zum Studienplatz.

Kolja Briedis, 38, ist Absolventenforscher beim Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) in Hannover.

ZEIT Campus: Herr Briedis, stimmt es, dass nicht alle Bachelor-Absolventen einen Master-Platz bekommen?

Kolja Briedis: Einen echten Mangel an Master-Plätzen können wir nicht erkennen. Das kann man durch eine einfache Rechnung veranschaulichen: Es gibt etwa 7.000 Master-Studiengänge in Deutschland. Pro Jahr werden 180.000 Bachelor-Studenten fertig. Von diesen entscheiden sich rund zwei Drittel für einen Master. Wenn jeder Master-Studiengang jährlich 15 bis 20 neue Studenten zulässt, dann ginge die Rechnung schon auf.

ZEIT Campus: Aber das heißt nicht, dass jeder den Master bekommt, den er gerne hätte.

Briedis: Richtig. Wer ausschließlich auf besonders attraktive Studiengänge und Städte setzt, kann leer ausgehen. Das wissen wir zum Beispiel von BWL in Köln oder von den Sozialwissenschaften in Mannheim. Aus unseren Befragungen unter Bachelor-Absolventen des Jahrgangs 2009 geht aber auch hervor, dass 85 bis 90 Prozent der Bewerber ihren Wunschmaster bekommen.

ZEIT Campus: Und die restlichen 10 bis 15 Prozent?

Briedis: Sie haben oft einen Plan B, entscheiden sich entweder für ein anderes Fach oder für eine andere Stadt. Nur etwa zwei bis drei Prozent der Bewerber landen nicht in der gewünschten Stadt und auch nicht im Fach, das sie gerne hätten. Fünf bis sieben Prozent gaben an, dass sie gern einen Master machen wollten, aber bisher nicht angefangen hätten. Darunter sind sicher auch einige, die vor dem Master arbeiten wollen.

ZEIT Campus: Für das Jahr 2016 sagt eine aktuelle Studie des CHE voraus, dass 36000 Master-Plätze fehlen könnten, weil immer mehr Absolventen um die Plätze konkurrierten.

Briedis: Das ist das Worst-Case-Szenario. Dazu müsste sich aber die Zahl der Bachelor-Absolventen insgesamt erhöhen, und der Anteil derer, die einen Master machen wollen, müsste von zwei Drittel auf 85 Prozent steigen. Die Zahl der Bewerber wird zunehmen. Aber die Unis haben auf die steigende Nachfrage gut reagiert. Zu Beginn der Bologna-Reform war das politische Ziel, dass nur ein Drittel der Studenten einen Masterplatz bekommen sollte, nun gibt es deutlich mehr Plätze.

ZEIT Campus: Also ist alles in Ordnung?

Briedis: Ein großes Problem ist, dass die Zu- und Absagen häufig erst kurz vor Semesterbeginn verschickt werden. Die Bewerber müssen kurzfristig eine Bleibe in einer neuen Stadt suchen. Und an der Entscheidung für eine Uni hängen ja auch persönliche Fragen. In der alten Stadt hat man Freunde gefunden.

ZEIT Campus: Entscheidet nur die Bachelornote darüber, ob man seinen Wunschmaster bekommt?

Briedis: Sie ist meist das wichtigste Kriterium. Das liegt daran, dass eine Note als "gerichtsfest" gilt. Es ist sehr schwer, eine Entscheidung, die auf Noten beruht, juristisch anzufechten.

ZEIT Campus: Viele Unis haben aber auch komplizierte Bewerbungsverfahren mit Motivationsschreiben, Bewerbungsgespräch und Eignungstest eingeführt. Ist das die Regel?

Briedis: Eher die Ausnahme. Es bedeutet ja auch viel Arbeit für die Unis. Wie aussagekräftig Tests sind, ist fraglich. Am meisten über den Erfolg im Studium sagt die Abi-Note aus. Deswegen sollte meiner Meinung nach bei der Bewerbung auch die Abiturnote zählen.

ZEIT Campus: Gibt es die Chance, dass die Bewerbungsverfahren künftig einheitlicher sind?

Briedis: Leider gibt es keine Anzeichen dafür. Es gibt sehr spezielle Master, für die sehr spezielle Anforderungen gelten. Teilweise sehen einzelne Lehrstühle ihren Master auch als die Krönung ihres Fachs und gestalten den Zugang deswegen besonders schwer. Und frühere Fristen für Ab- und Zusagen erscheinen mir bei den aufwendigen Bewerbungsverfahren nicht machbar.

ZEIT Campus: Manche Auswahlverfahren erwecken den Eindruck, eigene Absolventen würden bevorzugt, weil nur sie die sehr speziellen Anforderungen erfüllen können. Stimmt das?

Briedis: Ja, die Universitäten sehen sich zum Teil stark in der Verantwortung dafür, dass ihre eigenen Leute weiterstudieren können. Es zeigt sich hier aber auch das Misstrauen zwischen den verschiedenen Unis. Sie nehmen an, dass nur das, was sie selbst geprüft haben, wirklich verlässlich ist. Das führt oft dazu, dass man nicht einfach von einer Uni zur anderen wechseln kann.

ZEIT Campus: Wirkt es sich positiv auf die Bewerbung aus, wenn man zunächst einmal arbeitet?

Briedis: Darüber lässt sich kaum Verlässliches sagen. Fast alle Bachelorabsolventen schließen den Master nahtlos an. Für die sogenannten weiterbildenden Master ist einschlägige Berufserfahrung jedoch ein Muss.

ZEIT Campus: Wenn man in Deutschland keinen Studienplatz findet, sollte man sich dann im Ausland einen Master suchen?

Briedis: Man sollte schon Interesse an dem Land haben und nicht nur an einem Studienplatz oder möglicherweise einfach hoffen, aufgrund eines Auslandsstudiums später mehr Geld verdienen zu können. Studien zeigen, dass es in der Karriere, zumindest in den ersten fünf Jahren, nicht besonders honoriert wird, wenn man im Ausland studiert hat.

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Enttäuschend...

    ...dass viele Menschen immer noch glauben, dass die Abi-Note eines pubertierenden, phasenweise gehirnamputierten Teenagers auch nur ansatzweise aussagekräftig ist.

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