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Zehn Jahre nach Bologna

Bologna, Stadt [Quelle: freeimages.com, Autor: zochi]

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Ein einheitlicher Hochschul- und Forschungsraum in Europa - das war das erklärte Ziel der Bologna-Konferenz von 1999. 30 europäische Staaten einigten sich damals auf Maßnahmen für europaweit vergleich-bare Studienabschlüsse. Damit wollten sie das Studium verkürzen und Studenten häufiger ins Ausland locken. Heute sind Studenten sogar beim Hochschulwechsel innerhalb Deutschlands auf den guten Willen der Unis angewiesen.

Zehn Jahre nach der Bologna-Konferenz führen Bachelor und Master immer noch zu erbitterten Diskussionen. Der Bologna-Prozess sei "weitgehend misslungen", bilanzierte der Deutsche Hochschulverband (DHV) 2008 in einer Stellungnahme. Ganz so negativ muss man es aber nicht sehen.

Ein Titel mit Tradition und Zukunft

In Großbritannien und in den USA ist der Bachelor seit jeher der erste akademische Abschluss. Nach und nach wurde und wird er das auch in Deutschland - bis 2010 haben die deutschen Hochschulen nur noch Zeit, das gestufte Modell einzuführen. Die Umstellung ist in vollem Gange - momentan gibt es ungefähr 5.000 Bachelor- und 4.000 Master-Studiengänge an deutschen Hochschulen. Das sind 75 Prozent des gesamten Studienangebots. Im Mai 2006 war es erst ein Drittel. Vorreiter sind hier die Fachhochschulen - dort sind schon 95 Prozent aller Studiengänge auf das neue System umgestellt. Und die Akkreditierung boomt: Rund die Hälfte aller Bachelor- und Master-Studiengänge wurde schon akkreditiert.

Drei Jahre studieren anstatt fünf

Diplom und Magister dauern normalerweise etwa fünf Jahre, Bachelor-Studiengänge dagegen meist nur drei. Mit dem neuen Abschluss sollen Absolventen früher auf den Arbeitsmarkt entlassen werden. Eine Studie der Hochschulrektorenkonferenz aus dem Jahr 2008 zeigt, dass der durchschnittliche Bachelor-Absolvent fast 26 Jahre alt ist. Damit ist er rund zwei Jahre jünger als seine Kommilitonen, die auf Diplom oder Magister studieren. Von den 21 Jahren, die man zum Beispiel aus England kennt, ist er aber noch fünf Jahre entfernt.

Weiterqualifizierung mit einem Master

Die frisch gebackenen Bachelors können entweder sofort in den Beruf einsteigen oder einen Master machen - direkt nach dem Studium oder nach einigen Jahren im Arbeitsleben. Der Master soll eine weiterführende Spezialisierung sein. Daher hat nicht jeder Bachelor-Absolvent automatisch das Recht auf einen Platz im Master-Studiengang. Aber ist der Master wirklich nur eine Zusatzqualifikation? Oder eher der neue Regelabschluss? (siehe dazu auch Seite 6 zum Master)

Leichter ins Ausland dank Bachelor?

Alle Teilnehmerländer der Bologna-Konferenz führen gestufte Studiengänge ein. Dadurch sollen deutsche Studenten leichter ins Ausland wechseln können. Nach den ersten Jahren der Umstellung hat sich aber gezeigt, dass Bachelor-Studenten seltener Auslandluft schnuppern als ihre Kommilitonen aus Diplom- oder Magisterstudiengängen. Allerdings können sie nach dem ersten Abschluss zum Master-Studium ins Ausland wechseln - eine Möglichkeit, die es vorher so nicht gab.

ECTS-Punkte und Abschlussprüfungen für jeden Kurs

Jeder Kurs schließt mit einer Prüfung ab, für die es dann eine bestimmte Zahl an "Credits" gibt. 180 davon kann man im Verlauf eines Bachelor-Studiums sammeln. Bei drei Jahren Studiendauer macht das 30 Credits pro Semester. Ein Credit Point entspricht einem Arbeitsaufwand von 25 bis 30 Stunden. Umgerechnet sind das 40 Stunden pro Woche bei sechs Wochen Urlaub im Jahr. Dahinter steckt der Wunsch, den Umfang eines Studiums nicht nur in Semesterwochenstunden, also bloßen Anwesenheitszeiten anzugeben. Auch Vor- und Nachbereitungszeit der Veranstaltungen sollen berücksichtigt werden.

Anerkennung beim Hochschulwechsel

Die Credits unterliegen dem "European Credit Transfer System" (ECTS). Bei einem Hochschulwechsel innerhalb Deutschlands oder ins Ausland soll man damit nachweisen, wie fortgeschritten man im Studium ist. Die Studie "Mobilität im Studium" von 2008 zeigt aber, dass ein Hochschulwechsel oft schwierig ist. Jede Uni kocht ihr eigenes Reform-Süppchen - manche legen Wert auf Schlüsselqualifikationen, andere auf ein innovatives wissenschaftliches Profil. Selbst im gleichen Fach können sich die Studienordnungen so stark unterscheiden, dass beim Wechsel Leistungsnachweise nicht anerkannt werden. Ob der Wechsel reibungslos verläuft, hängt stark von der Kooperationsbereitschaft der Uni ab.

Rücken Sie direkt vor zur Promotion

Besonders gute Bachelor-Absolventen sollen auch ohne Master promovieren können - das wünscht sich die Hochschulrektorenkonferenz. Der Deutsche Hochschulverband als Vertretung der Professoren hält aber nicht viel von diesem Vorschlag. Er fürchtet, dass Bachelors durch die verkürzte Studienzeit nicht das zur Promotion nötige Wissen mitbringen. Außerdem sinke das Ansehen des Doktortitels. Die Entscheidung liegt letztlich aber bei den Hochschulen, die die Promotionsordnungen erstellen. Bis jetzt können besonders qualifizierte Studenten in Bayern, Nordrhein-Westfalen und dem Saarland nach dem Bachelor promovieren - allerdings nur in Ausnahmefällen.

Studiengänge mit Staatsexamen

Lange hingezogen hat sich die Entscheidung über die Umstellung der Staatsexamens-Studiengänge. Arbeitsgruppen der Kulturministerkonferenz (KMK) diskutierten, wie Studiengänge auf Lehramt, Jura und Medizin in ein Bachelor/Master-System umgewandelt werden können. Beim Lehramt ist man schon am weitesten: In den meisten Bundesländern wurde ein gestuftes Studiensystem eingeführt - aber noch nicht in allen. Bayern zum Beispiel plant keine vollständige Umstellung. Eine Modularisierung, also Unterteilung in einzelne Lerneinheiten, gibt es aber in allen Bundesländern. Fest steht, dass der Bachelor nicht zum Unterrichten reicht: wer Lehrer werden möchte, muss den "Lehrer-Master" erwerben.

Juristen überlegen noch

Bei den Juristen bleibt es spannend. Sie gelten als eine der letzten Bastionen der Bologna-Gegner. Die Landesjustizminister haben sich vor Kurzem darauf geeinigt, Möglichkeiten zur Umstellung zu prüfen. Noch 2005 sahen sie "keinen Bedarf für neue Abschlüsse". An einzelnen Unis, zum Beispiel in Mannheim und an der Bucerius Law School, können Studenten schon länger über den Bachelor zum Staatsexamen kommen. Die Reformkonzepte unterscheiden sich erheblich. Die Grundidee: Nach einem vierjährigen Bachelor-Studium und einer staatlichen Prüfung soll das Referendariat kommen. Wer nicht an einem spezifisch juristischen Beruf interessiert ist, kann dann auf das Referendariat verzichten und stattdessen einen Master machen. Bis spätestens 2011 soll es einen konkreten Reformvorschlag geben.

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Heute Bachelor-Student – und morgen? Wie es nach dem Abschluss weitergeht, findest du beim Master Day Business & Economics heraus.

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