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"Frau Merkel, haben Sie Zeit für einen Kaffee?"

Kaffee am Morgen (Quelle: freeimages.com, lusi)

Quelle: freeimages.com, lusi

Als Frederik sich für das Promotionsstipendium der Stiftung der Deutschen Wirtschaft bewarb, hatte er noch acht Tage bis zum Bewerbungsschluss. Dennoch hat er es geschafft, die 67 Seiten rechtzeitig abzuschicken und zum Auswahltag eingeladen zu werden. Dort musste er beweisen, dass er sowohl Teamplayer als auch Führungskraft sein kann und einige Fragen beantworten, bei denen die Antwort nicht ganz so offensichtlich war.

Eine Bewerbung als Promotionsstudent bei der SDW ist äußerst aufwändig - keine Frage. Und nach Einsendeschluss dauert es noch mindestens vier Monate, bis die Förderung beginnen kann. Schon allein deswegen kommt eine Bewerbung bei der SDW für eine Reihe potenzieller Stipendiaten nicht infrage - umso besser für diejenigen, die sich dennoch bewerben. Und: Gerade die SDW betont immer wieder, dass "gute Noten nicht alles sind". Mit einem interessanten Lebenslauf und einem spannenden Dissertationsthema besteht also auch ohne Top-Noten eine realistische Chance, zum Assessment-Center geladen zu werden.

Nur keine Langeweile aufkommen lassen

Wie bewerbe ich mich? Grundsätzlich hilft ein Perspektivenwechsel: Den Erstgutachtern der SDW werden bestimmte Kriterien an die Hand gegeben, nach denen sie deine Bewerbung begutachten sollen. Frag dich also, was du dem Leser mitteilen willst. Sei dir darüber im Klaren, dass die Gutachter jede Menge Bewerbungen lesen. Du solltest also versuchen, möglichst interessant zu schreiben.

Auf bestimmte Kriterien legt die SDW besonders großen Wert: Gesellschaftliches Engagement, Zielstrebigkeit, soziale Kompetenz, vernetztes Denken, Allgemeinwissen und Kommunikationsfähigkeit. Einige dieser Kriterien können erst beim Assessment-Center überprüft werden. Vor allem die ersten beiden Kriterien sollten aber schon aus der schriftlichen Bewerbung hervorgehen. Gebt dem Gutachter dabei keinen Grund, sich zu langweilen. Also keine Allgemeinplätze und Floskeln - sei konkret!

Die SDW listet selbst online auf, welche Bewerbungsunterlagen erforderlich sind und wie diese aufbereitet und eingesendet werden sollen. Halte dich streng an diese Vorgaben. Dazu ein paar Tipps:

Gesellschaftliches Engagement - das Schlüsselkriterium

Sei dir dieses Schwerpunktes bewusst. Es geht dabei nicht nur um die Masse an Engagement, sondern vor allem auch um langfristiges und am besten lückenloses Engagement. Der SDW geht es auch um den Aufbau und die Pflege eines fruchtbaren Alumni-Netzwerkes. Dazu braucht sie Leute, die sich gerne engagieren, wenn sie von etwas überzeugt sind. Überleg dir also umfassend, was du bisher an Sozialem geleistet hast und lass dir das einzelne Engagement schriftlich bestätigen. Sei dir natürlich auch darüber im Klaren, dass du zu allem, was du schreibst, glaubwürdige Antworten im Auswahlgespräch geben können sollst. Nicht nur freies Erfinden ist daher ein No-Go, auch zu intensives Aufbauschen kann schnell zum Bumerang werden.

Das Exposé - lieber verständlich als präzise

Ich persönlich war in der - im Nachhinein - guten Position, die Bewerbungsfrist beinahe verpennt zu haben. Am ersten Tag meiner Promotion habe ich mich mit Stipendien beschäftigt und festgestellt, dass ich nur noch acht Tage Zeit habe, um mich bei der SDW zu bewerben. Zu dem Zeitpunkt hatte ich nichts - keine Betreuungszusage des Doktorvaters, keinen aktuellen CV, kein Professoren-Gutachten, kein Exposé. Natürlich fehlten mir auch jede Menge Bestätigungen und teilweise Zeugnisse.

Acht Tage später habe ich die insgesamt 67 Seiten Bewerbungsunterlagen abgeschickt, darunter ein zehnseitiges Exposé, an dem viele andere Wochen bis Monate sitzen. Das ist weniger dem Umstand geschuldet, dass ich so ein cleveres Köpfchen bin, sondern lag vielmehr daran, dass ich für das Exposé schlichtweg nicht mehr als drei Tage Zeit hatte, nachdem ich mich zunächst fünf Tage um den Rest der Bewerbung gekümmert hatte. Trotzdem hat's gereicht – warum?

Das Exposé wird in der Regel nicht von einem Experten gelesen. Daher ist es gut, ein spannendes und relevantes Thema zu haben und es so darzustellen, dass es auch Normalsterbliche verstehen. Außerdem sollte das Ganze äußerlich einen ordentlichen und sauberen Eindruck vermitteln. Ob du zum Beispiel als Jurist eine dritte Meinung zu einem bestimmten Problem im Exposé vergisst, ist in aller Regel herzlich egal. Also: Sauberkeit und Verständlichkeit vor absoluter Präzision und Vollständigkeit! Das kann dir sehr viel Arbeit ersparen.

Das Motivationsschreiben - authentisch bleiben

Motivationsschreiben nerven. Häufig auch den Leser. Vor allem dann, wenn man das Gefühl hat, der Text entstammt von www.motivationsschreiben.de. Wie kannst du das verhindern? Im schlimmsten Fall, indem du dir nicht vorhandene Motivation aus den Fingern saugst. Die meisten von uns wissen aber durchaus, warum sie promovieren - und warum sie sich die SDW ausgesucht haben. Zeig, dass du dich mit Promotion und der SDW auseinandergesetzt hast, dass du an beides eine bestimmte Erwartungshaltung hast und, wie du dich bei der SDW einbringen willst. Die ideelle Förderung der SDW ist nämlich in der Tat mehr als nur ein Pflichtprogramm, an dem du teilnehmen musst, um Geld abzustauben. Es ist sehr umfangreich und bietet vielfältige Möglichkeiten. Nimm dir also Zeit und begründe, warum du bestimmte Programme besonders spannend findest. Schön ist es, wenn du dabei einen Bezug zu deinem Lebenslauf herstellen kannst.

Würdest du dich selbst zum Assessment-Center einladen?

Überleg dir abschließend, ob du eine Bewerbung hast, die unter Berücksichtigung der Auswahlkriterien aus einer Vielzahl von Bewerbungen so hervorsticht, dass du dich selbst zum Assessment Center einladen würdest - selbst wenn du an einem Tag zehn Bewerbungen begutachten müsstest. Natürlich befindest du dich wie alle Bewerber in so manchem Spannungsfeld, beispielsweise "Selbstsicherheit versus Bescheidenheit". Lobe ich mich zu viel selbst? Dann hilft es zum Beispiel, mehr von den Chancen zu berichten, etwas gelernt zu haben, als zu schreiben "Ich habe Stärke x, weil ...". Sei bei der Bewerbung auch selbstbewusst genug, Individualität zu zeigen. Ein Streber und Gutmensch ganz ohne Ecken und Kanten wirkt doch eher langweilig. Die meisten haben durchaus Erfahrungen vorzuweisen, auf die sie stolz sein können. Gerade die SDW ist auf der Suche nach "Machern". Und wenn es am Ende doch nicht klappt? Das kann 1.000 Gründe haben und bedeutet nicht, dass du "schlecht" oder "nur Durchschnitt" bist! 

Zum Assessment-Center eingeladen? Glückwunsch, eine große Hürde hast du hinter dir! Aber alte Reitsport-Weisheit: Welches Hindernis ist am schwierigsten? Immer das nächste! Deswegen ein paar ausgewählte Tipps in chronologischer Reihenfolge:

Vorbereitung

Halte dir noch einmal die genannten Auswahlkriterien vor Augen. Vor allem aber muss dir klar sein, dass du grundsätzlich authentisch sein solltest. Eine Rolle zu spielen, bei der du dich stets so verhältst, wie du denkst, dass es gewünscht ist, bringt meist nichts.

Außerdem solltest du vorher ausführlich Tageszeitung lesen. Leg dir ein Dokument an, in dem du Antworten auf die Fragen formulierst, die typischerweise in einem solchen Gespräch gestellt werden. Bei Stolpersteinen im Lebenslauf überleg dir, was du auf Fragen diesbezüglich antwortest. Lerne aber nichts auswendig, sondern lies dir nur das Dokument mehrmals durch, um bei den jeweiligen Fragen gleich Assoziationen im Kopf zu haben. 

Wenn du einen geeigneten Ansprechpartner hast, kannst du diesen bitten, ein Gespräch mit dir nachzustellen. Das ist zwar eine etwas komische Situation, hat mir aber sehr viel gebracht. Im Probegespräch war ich bei einigen Fragen sehr unsouverän und wusste daher, woran ich noch arbeiten musste.

Schließlich ist es bestimmt nicht schlecht, auch den Aufsatz zu üben. Die Vorgabe: 240 bis 260 Wörter in 50 Minuten. Setz dich hin, überleg dir spontan ein Thema (typischerweise ein gesellschaftliches) und schreib los. Für den einen oder anderen ist es bestimmt nicht von Nachteil, die Anforderungen an einen Aufsatz noch einmal nachzugooglen.

Anreise

Was ziehe ich an? Von Jeans und Hemd bis zum dunklen Anzug ist grundsätzlich alles in Ordnung. Nimm am besten verschiedene Outfits mit, dann kannst du gegebenenfalls noch nachjustieren.

Ab dem Moment der Ankunft gilt: Sei offen! Zieh dich nicht zurück, interessiere dich für die vielen anderen Mitbewerber, Gründe dafür gibt es genug. Hab auch keine Angst vor den in aller Regel sehr sympathischen (ehrenamtlichen) Juroren und setz dich beim Essen ruhig auch mal neben sie, um Berührungsängste abzubauen. Die Juroren und Organisatoren versuchen den ganzen Tag, für eine entspannte Atmosphäre zu sorgen, um deiner Nervosität entgegenzuwirken. Das hilft natürlich nur ein bisschen. Sieh das Ganze am besten mehr als Erlebnis denn als Prüfung.

Aufsatz

Den Aufsatz hast du ja im besten Fall schon geübt. Ich selbst ging davon aus, dass der Aufsatz eher unwichtig sei, habe dann aber doch ein sehr ausführliches Feedback bekommen. Punkten kannst du vor allem durch ein klares Ausdrucksvermögen, eine gute Struktur und eine zielführende Argumentation.

Gruppendiskussion

Dieser Aufgabenteil hat mir im Vorfeld Bauchschmerzen bereitet. Führungsvermögen, Überzeugungskraft und Durchsetzungsstärke zeigen und gleichzeitig Team-Player und kein unsympathischer Ellenbogen-Typ sein. Wie soll das denn gehen?

Insgesamt hast du eine Stunde Zeit für folgende Aufgabenstellung: Jeder sucht sich ein Projektthema aus und hat zehn Minuten, um ein Grundkonzept zu erstellen. Dieses stellt ihr euch im Anschluss in der Gruppe gegenseitig vor, diskutiert die Themen und müsst euch für eines entscheiden, das ihr im Anschluss ausführlich ausarbeitet.

Ein paar Kniffe, mit denen du hier punkten kannst: Beziehe die Gedanken der anderen in deine Überlegungen mit ein, achte immer wieder auf die genaue Aufgabenstellung und ein gemeinsames Zeitmanagement und bring Struktur in die Diskussion, ohne zu bevormunden. Die Zeit ist natürlich viel zu knapp, also umso besser, wenn ihr am Ende ein verwertbares Ergebnis vorweisen könnt.

Einzelgespräch

Am nächsten Tag folgt ein Einzelgespräch, etwa 45 Minuten lang. Du wirst ausführlich zu deinem Lebenslauf befragt, zu deinen Beweggründen für eine Bewerbung bei der SDW und den Möglichkeiten, wie du dich im Falle eines Stipendiums einbringen kannst. Außerdem redest du über dein Promotionsthema und beantwortest schließlich allgemeine Fragen wie, "Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?", "Wenn Sie einen Tag Bundesfinanzminister wären, was würden Sie ändern?" oder "Sie treffen Angela Merkel im Fahrstuhl und haben eine Minute Zeit, sich vorzustellen - was sagen Sie ihr?"

Beim Einzelgespräch gilt mehr denn je: Sei authentisch und zeige Begeisterung für das, was du machst. Geh mit Schwächen ehrlich um und zeige, dass du daran arbeitest. Geht es um Rückschläge oder Misserfolge dann erklär, was du daraus gelernt hast. Mit vermeintlichen Schwächen, die eigentlich verkapptes Selbstlob sind ("Ich will zu viel!"), sammelst du keine Sympathiepunkte. Eine Portion Selbstironie kommt sicher besser an.

Die eben genannten Fragen habe ich alle gestellt bekommen. Bei der letzten hatte ich durchaus einen kleinen Anflug von Panik, als ich losstammelte  "Frau Bundeskanzlerin, ähm ..." - jetzt drohte eine ganz peinliche und unsouveräne Situation. Doch zum Glück kam ich dann spontan auf "Ich würde mich wahnsinnig gerne bei Ihnen vorstellen, aber dafür reicht die eine Minute, die wir im Fahrstuhl sind, bei Weitem nicht aus. Haben Sie zufällig Zeit? Dann würde ich Sie gerne auf einen Kaffee einladen!" Wer denkt sich solche miesen Fragen aus!

Präsentation

Die letzte Teilprüfung, dann habt ihr es geschafft. Etwa zwei Stunden hast du Zeit, um knapp 15 Seiten Material - vor allem Zeitungsartikel - durchzuarbeiten und eine fünfminütige Präsentation zu einem bestimmten vorzubereiten. Verschiedene Materialien bekommst du gestellt, etwa Karteikarten, Flipchart und Folien für den Overheadprojektor. Veranstalte keine Materialschlacht, bedien dich aber trotzdem eines oder zweier Medien, die für die Präsentation förderlich sind. Achte vor allem auf die genaue Aufgabenstellung und dein Zeitmanagement. Weniger ist mehr, denn fünf Minuten sind sehr kurz. Einleitung, Problemdarstellung und Schlussfolgerung - mehr kann man kaum unterbringen.

Feedback-Gespräch

Geschafft! Egal, wie die letzten 24 Stunden liefen, hör beim Feedback gut zu, meist kann man wertvolle Erkenntnisse mitnehmen. Rechtfertige dich auf keinen Fall. Das Feedback-Gespräch liegt zwar offiziell außerhalb der Wertung, aber das Risiko ist es nicht wert. Hör zu und zeige Dankbarkeit und Offenheit gegenüber der in der Regel sehr konstruktiv geäußerten Kritik.

Dann heißt es etwa vier Wochen warten, bis du das offizielle "Ja" oder "Nein" im Briefkasten hast.

Fazit - bitte recht freundlich

Die SDW versucht zwar alles, um es zu verhindern, aber für die meisten ist so ein Assessment-Center durchgängiger Stress. Lauter fremde Leute, Prüfungssituation, hoher Konkurrenzdruck. Eine gewisse Grundnervosität schadet selten, auch wenn die nervt. Sie sollte aber auch nicht überhandnehmen. Deswegen ein Tipp, der dir in fast jeder Situation helfen wird: Lächle! Nicht Grinsen, das wirkt schnell überheblich oder unsicher. Aber wer lächelt, geht automatisch offener auf Leute zu. Und: Wer lächelt, der wird ebenfalls angelächelt. Und wer angelächelt wird, fühlt sich sicherer und selbstbewusster. Dadurch ist er anderen sympathischer - auch den Juroren. Lächeln wird so schnell zur self-fulfilling prophecy. Also tu einfach so, als würdest du das Theater genießen. Und wer weiß, vielleicht überzeugst du damit sogar dich selbst.

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