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Examens-Ziel: Wirtschaftsprüfer

Mathematik (Quelle: freeimages.com, Autor: lusi)

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Du möchtest Wirtschaftsprüfer werden - also nach dem BWL-Studium einfach in ein großes Prüfungsunternehmen gehen und loslegen? Nicht ganz richtig - denn um die Berufsbezeichnung "Wirtschaftsprüfer" tragen zu dürfen, musst du nach drei beziehungsweise vier Jahren im Job noch ein weiteres Examen belegen. Lohnt sich diese Lernerei?

Ein Wirtschaftsprüfer muss sich in vielen Themen auskennen: Welchen Einfluss hat eine neue Rechtsprechung auf die Rechnungslegung im Unternehmen? Was steht eigentlich im neuen IFRS 15? Und was ist der "risikoorientierte Prüfungsansatz"? Viel Wissen, das man sich aneignen muss - abgefragt wird es im Wirtschaftsprüferexamen.

Karriere-Sprungbrett Examen

Nach dem ersten Uni-Abschluss steigst du im Prüfungsunternehmen als Prüfungsassistent ein. Wenn du dort Karriere machen möchtest, steht nach mindestens dreijähriger Berufserfahrung das Wirtschaftsprüferexamen an. Denn "Wirtschaftsprüfer" darfst du dich nur nach bestandenem Examen und der Bestellung durch die Wirtschaftsprüferkammer nennen. Wie viel Vorbereitung das erfordert, berichtet Katja Stiefenhöfer von KPMG im Interview.

Voraussetzungen fürs Wirtschaftsprüfer-Examen

  • Erfolgreich abgeschlossene Hochschulausbildung
  • Drei Jahre Berufserfahrung (bei mindestens achtsemestriger Regelstudienzeit, wie bei Master- und Diplomstudiengängen üblich) beziehungsweise vier Jahre Berufserfahrung (für Ausbildungen, die weniger als acht Semester dauern, wie zum Beispiel ein Bachelor-Studium)

Wie läuft das Wirtschaftsprüfer-Examen ab?

Zur Examensvorbereitung kannst du entweder externe Kurse belegen oder einen speziellen Masterstudiengang absolvieren. Die Wirtschaftsprüferkammer führt das Zulassungsverfahren bundeseinheitlich durch. Das Examen besteht aus folgenden Prüfungsgebieten:

  • Wirtschaftliches Prüfungswesen, Unternehmensbewertung und Berufsrecht
  • Angewandte Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre
  • Wirtschaftsrecht
  • Steuerrecht

Die künftigen Wirtschaftsprüfer schreiben insgesamt sieben Klausuren: eine Klausur in Wirtschaftsrecht und je zwei in den übrigen Prüfungsgebieten. Einige Prüfungsteile entfallen, wenn man bestimmte Voraussetzungen erfüllt ("verkürzte Prüfung"): Steuerberater müssen die Steuerrechtsklausuren nicht schreiben. Hast du einen WP-Master abgeschlossen (zum Beispiel den "Master of Accounting and Taxation" der Mannheim Business School), dann sparst du dir damit die Klausuren in BWL, VWL und Wirtschaftsrecht.

Die Prüfer beim Vortrag überzeugen

Wenn du die schriftlichen Examina bestanden hast, wirst du zur mündlichen Prüfung zugelassen: Vor einer Prüfungskommission hältst du einen zehnminütigen Vortrag, den du vorher 30 Minuten vorbereiten konntest. Dann stellen die Prüfer Fragen zu den einzelnen Prüfungsgebieten. Jede Fragerunde dauert, abhängig von der Anzahl der Kandidaten, zwischen ca. 40 Minuten und einer Stunde. Das Wirtschaftsprüferexamen ist sehr anspruchsvoll: 2014 haben nur 58,4 Prozent der Kandidaten bestanden. 

Bis zu 13.000 Euro Unterstützung fürs Examen

Das Examen kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. KPMG unterstützt dich bei beidem: Als Mitarbeiter bei KPMG kann man sich unter Nutzung von Freizeitkontingenten für bis zu 130 Arbeitstage für die Prüfungsvorbereitung freistellen lassen. Außerdem erstattet KPMG bis zu 13.000 Euro für Kosten wie Vorbereitungskurse und Prüfungsanmeldung. Das Budget kann aber auch in Freizeit umgewandelt werden.

Schon vor dem Examen arbeiteten Sie bei KPMG im Audit - wieso der ganze Lernstress?

Einerseits ist das Wirtschaftsprüferexamen eine Art Gütesiegel und genießt in der Gesellschaft ein hohes Ansehen, denn nur ein von der Wirtschaftsprüferkammer (WPK) bestellter Wirtschaftsprüfer ist dazu berechtigt, Jahres- beziehungsweise Konzernabschlussprüfungen durchzuführen. Nicht zuletzt ist der Titel Voraussetzung, um im Bereich Audit, also in der Wirtschaftsprüfung bei KPMG, weiter aufsteigen zu können. Nach bestandenem Examen kann man in der Regel innerhalb eines Jahres mit einem Aufstieg zum Manager rechnen.

Wie viel Zeit und Geld hat Sie das Examen gekostet?

Ich habe mich entschieden, einen akkreditierten Master-Studiengang an der Mannheim Business School zu absolvieren, der gezielt auf das Examen vorbereitet. Weiterer Vorteil ist, dass bei erfolgreich bestandenem Master die Prüfungsgebiete Betriebswirtschaftslehre sowie Rechtswissenschaften anerkannt werden, d.h. im eigentlichen Wirtschaftsprüferexamen vor der WPK nicht mehr abgelegt werden müssen. Die Studiengebühren in Höhe von damals 35.000 Euro hat KPMG zum Großteil übernommen. Während des berufsbegleitenden Master-Studiums von 2011 bis 2014 habe ich in den Wintermonaten, unserer sogenannten "busy season" gearbeitet und war in den Sommermonaten freigestellt. Hierfür habe ich ein anteiliges Gehalt sowie einen Gehaltsaufschlag als zusätzliche Förderung erhalten. Insgesamt hat KPMG damit erheblich in meine Fortbildung investiert. 

Sie haben sich für einen speziellen Master-Studiengang entschieden, warum das? Ist der Aufwand dadurch nicht noch größer?

Zweifelsohne bringt das Studium eine höhere Arbeitsbelastung mit sich, da auch die Sommermonate, in denen es bei uns im Bereich Audit tendenziell ruhiger wird, durch Vorlesungen und Klausuren geprägt sind. Die Vorteile überwiegen diesen Nachteil aber bei Weitem, weswegen ich den Master zusätzlich zu meinem Diplom gemacht habe. Zum einen bestehen die Mannheimer Absolventen das Wirtschaftsprüfer-Examen weitaus häufiger als der Bundesdurchschnitt. So haben in meinem Jahrgang alle teilnehmenden KPMG-Kollegen das Examen im ersten Versuch bestanden. Das allein spricht schon für den Master. Als ich angefangen habe, wurden nur neun Mitarbeiter von KPMG für dieses Studium gezielt ausgewählt. Das empfinde ich als Zeichen der Wertschätzung und Vertrauen in meine Weiterentwicklung. Die Studienmonate haben zudem dazu beigetragen, dass ich bereits zu Beginn der Freistellung rund 5 Monate vor dem eigentlichen Examen ein sehr gutes Wissen hatte, auf dem ich noch weiter aufbauen konnte. Zum anderen habe ich in Mannheim interessante Kontakte zu Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft geknüpft. So haben CEOs und CFOs bekannter Unternehmen wie der HeidelbergCement AG und Saint Gobain Vorlesungen gehalten und uns in anschließenden Gesprächen Frage und Antwort gestanden.

Warum gilt dieses Examen als so anspruchsvoll?

In erster Linie ist es vor allem viel Stoff, den man verstehen und über den mehrmonatigen Vorbereitungszeitraum auch behalten muss. Zudem sind die Themen teilweise sehr komplex und der Zeitdruck enorm. Für das Bestehen ist daher ein enormes Maß an Disziplin und Organisation erforderlich. Zudem muss man mit Fleiß und Ausdauer bei der Sache bleiben und auch - gerade kurz vor der Prüfung - auf freie Wochenenden verzichten. Nicht zuletzt gilt es, die Nerven zu bewahren, die am Ende der Freistellung ehrlicherweise ganz schön blank liegen.

Was vom Gelernten kann man hinterher überhaupt im Job anwenden?

Eine ganze Menge. Viele Tätigkeiten, die ich schon vorher im Rahmen der Jahresabschlussprüfung durchgeführt hatte, wurden durch das Examen noch einmal in das Gesamtbild, sozusagen das "big picture", eingebettet. Zudem ist es hilfreich, viele Regelungen nach dem Examen aus dem Stegreif zu wissen. Das erleichtert die alltägliche Arbeit schon sehr. Nicht zuletzt entwickelt man sich auch persönlich weiter, da man lernt, mit Stress-Situationen besser umzugehen. 

Haben Sie einen Tipp für diejenigen, die mit dem Gedanken spielen, das Examen zu absolvieren?

Bei der Vorbereitung auf das Wirtschaftsprüferexamen gilt "no pain, no gain". Wirtschaftsprüfer wird nur, wer es wirklich will und alles andere für diese Zeit auch mal hinten anstellt. Wenn man das Examen "einfach mal so versucht", ist ein Scheitern fast schon vorprogrammiert. Dies wird besonders deutlich, wenn man nach dem schriftlichen Examen zur mündlichen Prüfung eingeladen wird. Hier besteht, unabhängig davon wie gut oder schlecht die Vornote ist, wer die Prüfungskommission davon überzeugt, dass er wirklich Wirtschaftsprüfer werden will.

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