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Warum klassisch, wenn's auch alternativ geht?

Steuergesetz (Quelle: Fotolia, Autor: klickerminth]

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Wer Jura studiert, wird nicht zwangsläufig Richter oder Anwalt – das beweist Svenja Koßmann. Als Referendarin bei KPMG unternimmt sie gerade ihre ersten Schritte in der Steuerberatung. Im Interview erzählt sie, was sie am Steuerrecht begeistert und warum die Big Four von Juristen zu Unrecht unterschätzt werden.

Wie sind Sie zu KPMG gekommen?

Ich hatte im Studium schon bei einer mittelständischen Steuerkanzlei gearbeitet und wollte meine dort gewonnenen steuerrechtlichen Kenntnisse gerne nach dem ersten Staatsexamen in einem Praktikum vertiefen. Also habe ich mich bei verschiedenen Steuerberatungen beworben, unter anderem auch bei KPMG. Hier hat sich die Möglichkeit ergeben, direkt im Anschluss an meine schriftlichen Prüfungen ein sechsmonatiges Praktikum in der Steuerberatung mit Schwerpunkt internationales Steuerrecht zu absolvieren. Danach habe ich im ersten Jahr meines Referendariats – also parallel zur Zivilrechts-, Strafrechts- und Verwaltungsstation – als Werkstudentin bei KPMG weitergearbeitet. Und dann ging die Werkstudententätigkeit nahtlos in die Anwaltsstation bei KPMG über.

Was gefällt Ihnen am internationalen Steuerrecht – im Allgemeinen und bei KPMG im Besonderen?

Das Steuerrecht wird stark durch die internationale Gesetzgebung und durch das Europarecht beeinflusst. Außerdem ist es konkreter und zahlenbasierter als andere Rechtsgebiete. Am Anfang ist die Materie zwar schwer zu durchschauen, aber sobald man einen ersten Einblick in die Zusammenhänge erhalten und diese nachvollzogen hat, bieten die verschiedenen Steuertexte sehr viel Abwechslung. Darüber hinaus lässt sich das Steuerrecht für Juristen sehr gut kombinieren – zum Beispiel mit Gesellschaftsrecht, wenn man als Anwalt arbeiten möchte, oder auch mit Strafrecht.

Am internationalen Steuerrecht bei KPMG gefällt mir, dass die Abteilung thematisch sehr breit aufgestellt ist. Viele unserer Fälle liegen im Umwandlungssteuerrecht, im Außensteuerrecht, im Körperschaftssteuerrecht oder im Ertragssteuerrecht. Als Juristin bekomme ich auch oft Aufträge, die in irgendeiner Weise mit der Verfahrensordnung zu tun haben oder ihren Schwerpunkt im Gesellschaftsrecht haben. Das verbindende Element bei unseren Projekten ist letztendlich, dass sie immer einen internationalen Bezug haben, was die Arbeit sehr abwechslungsreich macht.

Was waren Ihre Aufgaben als Praktikantin und Referendarin?

Ich war vom ersten Praktikumstag an voll in Projekte miteingebunden, wurde ganz selbstverständlich auf die E-Mail-Verteiler gesetzt und habe an Telefonkonferenzen teilgenommen – auch wenn mein Part meistens das Zuhören war. Oft wurde ich von meinem Projektteam mit einem juristischen beziehungsweise steuerrechtlichen Spezialproblem betraut, zu dem ich dann recherchiert habe. Meine Ergebnisse habe ich schriftlich ausformuliert – je nach Fragestellung als Textbaustein für ein Memo, als Aktennotiz oder als E-Mail – und mit dem zuständigen Manager besprochen. Außerdem habe ich Präsentationen zu steuerrechtlichen Themen erstellt, die dann für externe Schulungen verwendet wurden.

Der Schwierigkeitsgrad hat sich natürlich im Lauf der Zeit gesteigert. Am Anfang habe ich nur kleine Textbausteine geliefert; inzwischen sind es größere und zusammenhängende Problemstellungen, mit denen ich mich befasse und die ich dann ausarbeite.

Können Sie bei KPMG Ihr Wissen aus dem Studium anwenden oder war das alles Neuland für Sie?

Ich hatte meinen Schwerpunkt im Studium auf Europa- und Völkerrecht gelegt. In meiner Arbeit bei KPMG komme ich mit dem Europarecht eigentlich ständig in Berührung, vor allem mit der EUGH-Rechtsprechung. Und in der internationalen Steuerberatung hat man natürlich immer auch einen Bezug zu anderen Rechtssystemen und -ordnungen.

Allerdings ist die Arbeit hier sehr viel spezifischer als die Ausbildung an der Universität. Die ist eher darauf ausgelegt, dass man später Richter wird und deckt deshalb alles ab, von Zivilrecht über Strafrecht bis zum Öffentlichen Recht mit sämtlichen Untergliederungen. Hier brauche ich davon natürlich nur einen kleinen Teil. Gleichzeitig ist die Arbeit bei KPMG aber viel interdisziplinärer als das Studium. Bei Steuerthemen spielen ja immer auch betriebswirtschaftliche Fragen mit rein und dieses wirtschaftswissenschaftliche Know-how musste ich mir natürlich erst aneignen – aber genau das war für mich auch eine spannende Herausforderung, der ich mich gerne gestellt habe.

Wie unterstützt KPMG die Weiterbildung seiner Mitarbeiter?

KPMG bietet jede Woche ein Tax Training an, bei dem man in steuerlichen Fragen geschult wird, und alle ein bis zwei Wochen gibt es einen Englischkurs. Außerdem fördert das Unternehmen die Ausbildung zum Steuerberater, indem es beispielsweise die Kurse zur Vorbereitung finanziert.

Sie haben sich durch Ihre Praktika und die Stationen im Referendariat schon stark auf Steuerrecht spezialisiert. Haben Sie keine Bedenken, sich zu früh auf ein Gebiet festzulegen?

Nein, denn man kann als Jurist ja auch erst drei oder vier Jahre in einer Anwaltskanzlei arbeiten und dann in den Staatsdienst wechseln oder umgekehrt. Und für die Steuerberatung gilt im Prinzip das Gleiche. Letztendlich hat ja alles mit Recht zu tun. Daher glaube ich nicht, dass man sich durch den Einstieg in die Steuerberatung andere Wege verbaut – ich finde eher, dass man sich mehr Türen offenhält.

Welche Perspektiven haben Juristen bei KPMG?

Wenn man langfristig in der Steuerberatung bleiben will, ist der Steuerberater ein Muss. Ich finde es aber sehr attraktiv, diese Ausbildung bei KPMG machen zu können – nicht nur wegen der finanziellen Unterstützung. Der Steuerberater hat in meinen Augen einige Vorteile gegenüber dem klassischen Fachanwalt für Steuerrecht, den man in einer Kanzlei machen kann. Die Ausbildung zum Steuerberater erscheint mir inhaltlich umfassender und tiefgehender, da neben den allgemeinen steuerrechtlichen Kenntnissen auch umfassende betriebswirtschaftliche und bilanzrechtliche Kenntnisse vermittelt werden. Mit Bestehen des Steuerberaterexamens erwirbt man zudem einen weiteren Titel und ist Berufsträger. Das ist insbesondere dann attraktiv, wenn man sich später einmal selbständig machen möchte. Daher kann ich mir sehr gut vorstellen, diesen Weg zu gehen.

Ferner kann man sich als Jurist bei KPMG in Richtung Wirtschaftsprüfung entwickeln und hat über die sogenannten Tax- beziehungsweise Legal-Tracking-Programme gute Chancen, für die KPMG ins Ausland zu gehen. Leider haben viele Jura-Studenten die Big Four nicht als Arbeitgeber auf dem Schirm. Das finde ich schade, denn die Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung ist ein sehr spannendes Arbeitsumfeld – nur eben ganz anders als das, worauf man klassischerweise im Jurastudium vorbereitet wird.

Neben der KPMG AG Wirtschafsprüfungsgesellschaft existiert zudem auch die KPMG Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Diese berät in allen Bereichen des Wirtschaftsrechts und bietet ebenfalls spannende Einstiegsmöglichkeiten für Juristen, zum Beispiel als Praktikant während des Studiums, als Rechtsreferendar oder Volljurist.

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