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Die Entscheidung für die Ausbildung in einer Kanzlei

Der Erfahrungsbericht wurde von Bardehle Pagenberg zur Verfügung gestellt.

Mit dem gewerblichen Rechtsschutz kam ich das erste Mal während meiner Promotion in Kontakt: Zum einen haben gleich zwei meiner Kollegen das Labor nach ihrem Postdoc verlassen, um eine Stelle als Prüfer beim Europäischen Patentamt anzutreten, zum anderen saß bei unseren Arbeitsgruppen-Besprechungen immer mal wieder eine Dame der Rechtsschutz- Abteilung des Instituts mit in der Runde, die verfolgte, ob sich unter unseren Ergebnissen etwas Verwertbares und Schützenswertes fand.
 
 Als ich mir dann zum Ende meiner Promotion darüber im Klaren war, dass ich mittel- und langfristig nicht weiter in der Forschung arbeiten wollte, suchte ich eine Möglichkeit, trotz einer anderen beruflichen Ausrichtung eng mit der mich faszinierenden naturwissenschaftlichen Thematik verbunden zu bleiben. Der relevante technische Bereich im gewerblichen Rechtsschutz ist dabei natürlich sehr breit zu verstehen, ein weiterer interessanter Aspekt für mich, da ich mich nie hochspezialisiert auf einen kleinen wissenschaftlichen Teilbereich festlegen lassen wollte. Allerdings wusste ich noch nicht, welche die für mich passende Berufsgruppe wäre.
 
 Nachdem ich meine ehemaligen Kollegen im EPA besucht hatte, mir deren Arbeit, Umfeld und Möglichkeiten als Prüfer hatte zeigen lassen, wusste ich, dass mich die Arbeit als Patentanwalt auf Dauer mehr reizen würde, da das Arbeitsspektrum im Vergleich zu den Aufgaben im Zusammenhang mit der reinen Prüfung von Anmeldungen natürlich wesentlich breiter ist.
 

Ausbildung in der Industrie oder in der Kanzlei?
 Also habe ich mich als nächstes mit einem Patentassesor aus der Industrie getroffen und mir von seiner Situation berichten lassen. Eigentlich stand für mich nach diesem Gespräch bereits fest, dass die Arbeit als Patentanwalt in einer Kanzlei die für mich spannendste Tätigkeit darstellen würde, vor allem, da ich hier, im Gegensatz zu einem in der Industrie tätigen Patentassesor, mit Sachverhalten, Anmeldungen und Patenten aus den unterschiedlichsten Richtungen betraut würde. An der Industrie hätte mich noch der enge, direkte Kontakt zu den Forschern und Entwicklern gereizt, der in vielen Kanzleien nur noch reduziert vorhanden ist. Nach einem Praktikum in der Kanzlei, in der ich letztendlich meine Ausbildung begonnen habe, war ich mir sicher, die richtige Wahl getroffen zu haben.
 

Zwischenbilanz nach einem Jahr der Patentanwaltsausbildung
 Nach einem Jahr in der Ausbildung macht mir meine tägliche Arbeit in der Kanzlei nach wie vor großen Spaß. Ich arbeite sehr eng mit meinem Ausbilder zusammen, sodass ich an fast allen von ihm betreuten Fällen mitarbeite. Dabei gefällt mir insbesondere der Abwechslungsreichtum der einzelnen Tätigkeiten: Neben der ursprünglichen Anmeldung und Erwiderungen auf Bescheide vom Amt während des Prüfungsverfahrens gehören unter anderem das Ausarbeiten von Schriftsätzen in Einspruchs-, Nichtigkeits- oder Verletzungsverfahren, das Recherchieren von Dokumenten zum Belegen von eigenen Aussagen bzw. zum Widerlegen von entgegengehaltenen Argumenten und Rücksprachen mit Anmeldern oder Auslandsvertretern zu bestimmten Fragen und zur weiteren Vorgehensweise zu meinen Aufgaben. Auch darf ich meinen Ausbilder zu mündlichen Anhörungen begleiten und vor Ort unterstützen, was ich sehr schätze. Das entschädigt für die ab und zu anfallenden Übersetzungen, z. B. von Schriftsatzentwürfen für ausländische Mandanten. Aber auch dabei lerne ich natürlich – nicht nur Fachvokabular, sondern auch den Aufbau der verschiedenen Schriftsätze sowie gängige Formulierungen. Die Ausbildung neben der Arbeitszeit in der Kanzlei muss man sich gut einteilen und mit Selbstdisziplin umsetzen. Phasenweise kann sich die „Grundbelastung“ noch erhöhen, wenn z. B. das Arbeitsaufkommen in der Kanzlei steigt oder ein Referat für die von der Patentanwaltskammer organisierte Kandidaten-AG vorzubereiten ist. Für das Studium an der Fernuniversität Hagen hilft es mir persönlich, dass ich mich in München regelmäßig mit Kommilitonen treffen kann, um Studieninhalte und -aufgaben durchzusprechen und mich auch allgemein mit ihnen auszutauschen.
 

Tipps für Interessenten
 Ich denke, für jeden, der einen technischen Abschluss gemacht hat oder anstrebt und sich für die Ausbildung zum Patentanwalt interessiert, ist es wichtig zu überlegen, ob man neben der technischen auch eine sprachliche Begabung hat und ob man Spaß daran hat, auf Deutsch und auf Englisch präzise und treffend zu formulieren. Ferner sollte man sich fragen, ob man bereit ist, noch einmal drei Jahre intensiv zu lernen – auch nach der Arbeit und am Wochenende. Hat man sich für eine Ausbildung in einer Kanzlei entschieden, ist es aus meiner Sicht bei der Auswahl wichtig, insbesondere folgende Punkte zu beachten:
 

  • Hat man beim Vorstellungsgespräch das Gefühl, sich mit seinem potenziellen Ausbilder gut zu verstehen?
  • Wie spezialisiert arbeitet er (fachlich und in Bezug auf die anwaltliche Praxis)?
  • Welche Möglichkeiten bietet die Kanzlei während der Ausbildung und welche Perspektiven im Anschluss daran?
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