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So arbeitet man bei der Rating-Agentur Standard & Poor's

Quelle: freeimages.com, Autor: OmirOnia

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Eigentlich wollte Alumnus Tobias aus den USA heraus über ein Trainee-Programm bei einem großen Unternehmen in Deutschland einsteigen. Weil die deutschen Firmen aber keine Bewerbungsgespräche mit Kandidaten aus dem Ausland führen wollten, begrub er seinen Plan. Dann stolperte er über die Rating-Agentur Standard & Poor's in Frankfurt und bewarb sich.

Endlich war es soweit: mein erster Arbeitstag nach dem Studium. Ich hatte mich entschieden, mein Arbeitsleben bei der Rating-Agentur Standard & Poor’s zu beginnen. Der Weg dahin war durchaus abwechslungsreich. Aber eins nach dem anderen.

Von 1998 bis 2001 machte ich eine Ausbildung als Bankkaufmann und konnte einige Berufserfahrung sammeln. Jedoch stand für mich rasch fest, dass ich mich noch weiterbilden wollte. Nach einem berufsbegleitenden Fernstudium und einem Weiterbildungsprogramm (2005 bis 2006) in den USA entschied ich mich für ein Studium an der ESB Reutlingen, das ich mit einem Diplom und einem MBA abschloss. Durch meinen bisherigen Werdegang lag mein Studienschwerpunkt Finanzen fest. Auch nach dem Examen wollte ich der Finanzbranche treu bleiben. Dafür waren neben diversen Finance-Vorlesungen vor allem meine Praktika und Werkstudententätigkeiten im Asset Management, im M&A, im Consulting und an der Börse Stuttgart ausschlaggebend.

Ich will Trainee werden

Auf meinem Weg zu einer Festeinstellung nach dem Studium war mein ursprüngliches Ziel, ein Trainee-Programm entweder im Asset Management oder im Investment Banking zu machen. Für meinen MBA hatte ich mein letztes Studienjahr in den USA verbracht und daher die Suche nach dem Trainee-Programm von den USA aus gestartet. Das war Anfang 2010, rund neun Monate vor meinem gewünschten Anstellungstermin. Bald stellte sich heraus, dass dies nicht reichte. Alle Unternehmen und Banken, für die ich mich interessierte, wollten zwar sehr gerne Berufseinsteiger einstellen, die im Ausland studiert hatten, boten aber leider keine Möglichkeit, vom Ausland aus an einem Auswahlverfahren teilzunehmen. Hinzu kam, dass einige Banken in bestimmten Bereichen nur ehemalige Praktikanten einstellten, oder man sich schon über ein Jahr im Voraus hätte bewerben müssen.

So löste sich leider mein Wunsch, als Trainee einzusteigen, schnell in Luft auf. Die eigentliche Suche nach einer Festanstellung dauerte rund drei bis vier Monate und erstreckte sich nach meiner Rückkehr aus den USA vom Spätsommer 2010 bis zum späten Herbst 2010. Ich musste bald feststellen, dass die Lehman-Pleite deutliche Spuren in der Finanzbranche hinterlassen hatte und die Jobangebote sich in Grenzen hielten.

Per Headhunter zu Standard & Poor’s

Zu Standard & Poor’s (S&P) kam ich dann durch Zufall. Zwar hat jeder in seinem BWL-Studium schon mal etwas von Ratings gehört, dass ich aber später in diesem Bereich arbeiten würde, hätte ich damals nicht gedacht. Aufmerksam auf S&P wurde ich durch einen Headhunter, bei dem ich mich zunächst auf eine andere Stelle beworben hatte. Die Stelle als Research Assistant bei S&P war als Einstiegsstelle für Hochschulabsolventen ausgeschrieben. Hauptaufgabe sollte sein, die Senior-Analysten im Frankfurter Bereich "Unternehmensratings", darunter vor allem im Capital Goods/Automotive-Team, in den verschiedenen Schritten ihrer Kreditanalyse zu unterstützen.

Passe ich ins Team?

Der Bewerbungsprozess verlief sehr zügig und war in zwei Interviews aufgeteilt. In der ersten Interviewrunde saß ich meinem späteren Teamleiter und einem Direktor aus dem Frankfurter Büro gegenüber. In dieser Runde ging es offensichtlich darum, ob ich ins Team passe. Zusätzlich stellten sie mir generelle Fachfragen.

In der zweiten Runde bekam ich eine Fallstudie auf Englisch zugeschickt, die ich lösen sollte. Das Ergebnis musste ich natürlich auf Englisch präsentieren. Dabei saßen mir vier Analysten gegenüber, die meiner Präsentation kritisch folgten. Sie löcherten mich mit Fragen, um meine analytischen Qualifikationen im Detail zu überprüfen. Anscheinend waren die Prüfer mit dem Ergebnis meiner Analyse zufrieden, denn ich bekam die Stelle.

Keine Woche ist wie die andere

Die Unternehmensanalyse bei S&P ist europaweit aufgestellt und nach Industriezweigen gegliedert. Die meisten Analysten sitzen im größten europäischen S&P-Büro in London, weitere europäische Büros mit Analysten gibt es in Frankfurt, Paris, Stockholm, Moskau, Mailand und Madrid.

Mein Aufgabengebiet als Research Assistant besteht darin, die Senior-Analysten in ihrer Kreditanalyse zu unterstützen. Das ist schön gesagt, aber man kann sich nur schwer vorstellen, was das im Einzelnen bedeutet. Der Ratingprozess ist ein umfangreicher, dynamischer und immer fortlaufender Prozess. Als Analyst treffen wir uns mit dem Top-Management, um alle ratingrelavanten Punkte durchzusprechen. Manchmal finden sogar Werksbesichtigung statt. Wir erfassen eine vielzahl an Daten. Um alle Unternehmen untereinander vergleichbar zu machen, passen wir außerdem verschiedene Kennzahlen an.

Neben der individuellen Betrachtung der Unternehmen beobachten wir auch die Entwicklungen in den Industrien und Märkten, verfolgen die Bekanntgabe von Unternehmensergebnissen und erstellen Analysen zu den Unternehmen die später veröffentlicht werden. Zur kontinuierlichen Beobachtung jedes Ratings kommt auch eine jährliche umfassende Analyse hinzu. Aufgrund dieser Vielseitigkeit verläuft jede Woche anders. Zusätzlich beantworten wir noch Anfragen von Investoren und Medien und führen Veranstaltungen, sogenannte "Roadshows" für Investoren und Issuer durch.

Die "Peer Groups" im Auge

In meinen Arbeitsbereich fällt vor allem die Analyse von Peer Groups, also Unternehmen eines bestimmten Industriezweigs. Ich trage Marktdaten zusammen, recherchiere in Informationsportalen, erstelle Datenbanken, analysiere Geschäftsberichte und passe Finanzzahlen an. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist die ständige Weiterbildung. So ist jeder Analyst verpflichtet, eine bestimmte Anzahl an Schulungsstunden pro Jahr zu absolvieren. Zusätzlich hat jeder Analyst ein persönliches Weiterbildungsbudget, das er für externe Weiterbildungen nutzen kann. Ich nutze es, um mich zum "CFA Charterholder" weiterzubilden.

Persönliches Resümee

Nach nun gut einem Jahr bei Standard & Poor’s ziehe ich für mich ein positives Resümee. Mir war es wichtig, einen Arbeitgeber zu finden, bei dem man noch viel lernen kann und der Weiterbildung fördert. Auch war mir wichtig, in einem internationalen Team zu arbeiten und gute Aufstiegschancen zu haben, und das bei einer gesunden Work-Life-Balance. Natürlich stehen auch Überstunden an, aber deutlich weniger als im Investment Banking. Spannend war es für mich mitzuerleben, wie sich das Thema Rating im Laufe des Jahres 2011 immer mehr in den Fokus der Medien schob. Als ich vor einem Jahr erzählte, bei wem ich arbeite und was ich dort mache, konnte kaum einer etwas mit Ratings anfangen. Inzwischen hat sich das komplett gedreht und man hat immer ein interessantes Gesprächsthema.

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Das Buch "Perspektive Investment Banking & Asset Management" gibt einen Überblick über beide Branchen und enthält viele nützliche Tipps für den Berufseinstieg.

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Kommentare (17)

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  1. Anonym

    Hallo Tobias, super, vielen Dank für die Antwort. Viele Grüße Maria

  2. Anonym

    Hallo Maria, wir bevorzugen es das Anschreiben und den CV auf Englisch zu bekommen, Arbeits- & Praktikumszeugnisse auf Deutsch sind kein Problem für uns. Wir freuen uns auf Deine Bewerbung. Viele Grüße Tobias

  3. Anonym

    Bewrbungsunterlagen

    Hallo Tobias, danke für den interessanten Bericht. Ich interessiere mich für ein Praktikum bei S&P in Frankfurt. Sollte das Bewerbungsschreiben & CV auf englisch sein? Falls ja, wäre es an sich kein Problem, aber meine Arbeits- & Praktikumszeugnisse sind auf deutsch. Meinst du das würde ein Problem darstellen? Viele Grüße Maria

  4. Vanessa

    *vanessa_krol@web.de Entschuldige habe einen Buchstaben verschluckt bei der Email- Adresse

  5. Vanessa

    Hallo Tobias, Gerne würde ich Kontakt zu Dir aufnehmen, da ich paar Fragen zu S&P habe. Jedoch klappt dies über e-Fellows nicht. Wäre es möglich, dass du Kontakt zu mir aufnimmst? Vaness_krol@web.de Besten Dank! Grüße, Vanessa

  6. Philipp

    Danke für die ausführlichen Informationen. Der Finance-Bereich interessiert mich schon sehr lange, allerdings kam ich nie auf die Idee, mich mit Rating-Agenturen zu beschäftigen. Dein Werdegang motiviert und zeigt ein paar Wege auf, die ich so nicht gesehen habe. Danke für die Infos! Grüße Philipp

  7. Florian

    Hallo Tobias, vielen Dank für deine umgehende Reaktion. Da ich bisher noch kein efellows-Stipendiat bin, kann ich dich leider nicht direkt über efellows kontaktieren. Ich würde mich freuen, wenn du mir deine Kontaktdaten an florian.pestel@gmx.de senden könntest. Vielen Dank! Florian

  8. Tobias

    Hi Florian, natürlich kannst Du das sehr gerne tun, Kontaktdaten findest Du auf unserer Homepage. Alternativ kannst Du mir auch gerne direkt Deine Bewerbung zusenden. Sende mir einfach eine Nachricht über e-fellows dann sende ich Dir meine Kontaktdaten. Viele Grüße Tobias

  9. Tobias

    Hi Lea, aus meiner Erfahrung kommt es darauf an in welcher Region Du arbeiten möchtest, wenn Du in einem Büro in Europa arbeiten möchtest wird Dir Französisch und Spanisch sehr nützlich sein, Chinesisch eher weniger. Viele Grüße Tobias

  10. Florian

    Hallo Tobias, mich würde interessieren, ob man sich bei Standard & Poor's auch initiativ für ein Praktikum bewerben kann. Vielen Dank! Florian

  11. Lea

    Hi Tobias, bei den Sprachen beziehe ich mich vor allem auf die Chinesisch (zweite Muttersprache), aber auch auf Französisch und Spanisch. Alle, die ich bisher zu diesem Thema befragt habe, haben mir gesagt, dass Chinesisch gesucht wird...

  12. Tobias

    Hi Lea, tut mir leid für meine späte Antwort. Pauschal kann man das schwer sagen; viele von meinen Kollegen haben Betriebswirtschaftslehre studiert es gibt aber auch Kollegen die etwas anderes studiert haben beispielsweise Ingenieurwesen und dann noch einen Master in Betriebswirtschaftslehre gemacht haben. Auslandssemester sind hilfreich da man Kollegen & Kunden auf der ganzen Welt hat und so ein besseres Verständnis von unterschiedlichen Kulturen bekommt und seine Sprachkenntnisse verbessert (aber unabhängig ob es Deine Jobchancen erhöht oder nicht kann ich Dir ein Auslandssemester nur empfehlen da es eine sehr interessante und gute persönliche Erfahrung ist). Die Fähigkeit unterschiedliche Sprachen zu sprechen ist auf jeden Fall vom Vorteil da wir Kunden auf der ganzen Welt betreuen. Umso verbreiteter die Sprache ist umso vorteilhafter sind die Kenntnisse. Jedoch sollte man erwähnen, dass wenn man „nur“ English und Deutsch spricht auch sehr gute Einstellungsmöglichkeiten hat (wie es bei mir der Fall ist). Viele Grüße Tobias

  13. Lea

    Hallo Tobias, ich würde gerne wissen, was man überhaupt studieren müsste, um später in solch einer Rating Agentur arbeiten zu können. Sind Auslandssemester hilfreich und wie werden "exotische" Fremdsprachenkenntnisse aufgefasst? Viele Grüße Lea

  14. Tobias

    Hallo Alexa, Generell suchen wir Praktikanten die entweder schon Erfahrungen im Finanzbereich sammeln konnten oder schon fortgeschritten in Ihrem Studium sind bzw. schon abgeschlossen haben. Falls Du Interesse hast kannst Dich gerne bewerben auch wenn Du erst zwei Semester hinter Dir hast, denn am Ende kommt es darauf an wer uns überzeugen kann. Soweit ich weiß suchen wir wahrscheinlich ab März wieder einen neuen Praktikanten, die Ausschreibung sollte bald auch auf unserer Homepage eingestellt sein. Viele Grüße Tobias

  15. Alexa

    Hallo, die Arbeit klingt sehr spannend und interessant. Ist ein Praktikum bei Standard & Poor's nach dem zweiten Semester moeglich? Vielen Dank und freundl. Gruesse

  16. Tobias

    Aus meiner Erfahrung für den Bereich Corporate Ratings in Frankfurt zwischen 0 und 2. Die ausgeschriebenen Stellen findest Du auch immer auf unserer Website. Wir bieten auch Praktika an falls Du während des Studiums einen Einblick von unserer Arbeit gewinnen möchtest.

  17. Benni

    top, danke für den kurzen Einblick, werd's mir auch als Alternative zum IB überlegen :) Wie viele Absolventen werden jährlich ca. eingestellt, Tobias?

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