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Projektmanagement Business Besprechung [© pressmaster - Fotolia.com]

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Die Finanzbranche ist im Umbruch: Während Filialen schließen und Mitarbeiter gehen müssen, ergeben sich neue Chancen für Quereinsteiger.

Noch sind es in seiner Branche ungewohnte Profile, nach denen sich Stefan Döppes derzeit umschaut. Für den Geschäftsbereich Digital Channels sucht der Recruiter der Direktbank ING-Diba Softwareentwickler, Web-Designer -und Verhaltenspsychologen. "Die finden wir nicht unbedingt im Bankenkontext, daher schauen wir uns auch in anderen Bereichen um", sagt Döppes.

Wichtiger als der Studienhintergrund sind die praktischen Erfahrungen, die neue Mitarbeiter mitbringen. Hoch im Kurs stehen bei Döppes Kandidaten, die Kenntnisse im E-Commerce haben - weil sie in der Regel sehr kundenorientiert denken. Doch bei Quereinsteigern muss Döppes oft Überzeugungsarbeit leisten: "Das Produkt einer Bank ist erst mal für viele nicht emotional, da müssen wir von uns aus Kandidaten ansprechen."

Während die wachsende Direktbank gerne über Karrierechancen Auskunft gibt, halten sich viele alteingesessene Institute derzeit auffällig bedeckt: Zwar suchen auch sie mit Hochdruck nach Spezialisten, um den digitalen Wandel zu stemmen. Doch gleichzeitig vermelden sie immer wieder Stellenstreichungen - alleine zwischen 2004 und 2013 ging die Zahl der Menschen, die in Deutschland bei Banken beschäftigt sind, von über 700.000 auf unter 650.000 zurück. Vor allem Filialschließungen sind der Grund.

Nichtsdestotrotz bleiben die Banken nach Meinung von Experten attraktive Arbeitgeber, die überdurchschnittliche Verdienstmöglichkeiten bieten. Allerdings wandeln sich die Anforderungen an Fach- und Führungskräfte: "Man muss viel individueller mit den Kunden umgehen, die Banken brauchen mehr Spezialwissen und mehr Erklärkompetenz", sagt Heike Brost, Leiterin Konzeption und Programmentwicklung an der Frankfurt School of Finance & Management.

Für Kernaufgaben sind zwar weiter solide betriebswirtschaftliche und juristische Kenntnisse unabdingbar. "Dies ist für eine qualifizierte Beratung notwendig und wird auch regulatorisch gefordert", heißt es etwa bei der Hypo-Vereinsbank. Doch die veränderten Kundenwünsche erfordern stärkere Spezialisierungen - und ein Gespür für die Möglichkeiten der Digitalisierung. So erprobt die Hypo-Vereinsbank seit einiger Zeit eine Beratung per Videotelefonie.

Neue Wege geht auch die "S1 Sparkasse" in Werl: Alle Berater geben im Internet ihre Festnetz- und Mobilfunknummer an, dazu gibt es die E-Mail-Adresse und sogar den Skype-Kontakt. Beraten und verkauft wird sowohl online als auch offline. Geöffnet ist die Filiale unter der Woche bis 19 Uhr - und auch am Samstagvormittag. Die Federführung für das Projekt liegt in den Händen von Nachwuchskräften des regionalen Instituts. Das Konzept wurde mittlerweile auch auf zwei weitere Filialen in Wickede und Ense übertragen.

"Wenn es darum geht, neue Strukturen aufzubauen oder Pilotprojekte zu verantworten, bekommen häufig junge Führungskräfte eine Chance", sagt Stephan Weingarz, kommisarischer Leiter der Management- Akademie der Sparkassen- Finanzgruppe. Immer wichtiger werde in einer leitenden Funktion eine klare Kommunikation und Organisationstalent. "Je flexibler die Mitarbeiter werden, desto mehr steht die Selbstorganisation im Vordergrund", sagt Weingarz.

Eine weitere Anforderung an Führungskräfte: Sie müssen zunehmend interdisziplinäre Teams betreuen, die neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln. So sitzen bei Goldman Sachs immer wieder junge Finanzanalysten mit Technikern an einem Tisch, berichteten Vertreter des Unternehmens kürzlich auf einer Hochschulveranstaltung. Denn die Investmentbank lasse für ihre ausgewählten Privatkunden neue Apps entwickeln.

In interdisziplinären Teams sind auch Fachleute stark gefragt, die mit großen Datenmengen analytisch umgehen können: Drei von vier Banken nutzen laut einer IBM-Studie bereits Big-Data-Analysen, der Einsatz nahm in den letzten beiden Jahren stark zu.

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