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Bis er fünf Millionen hat

Blick auf London [Quelle: Ditty_about_summer/Shutterstock.com]

Quelle: Ditty_about_summer/Shutterstock.com

Im ersten Job verdiente er 130.000 Euro im Jahr. Seitdem hat sich sein Jahreseinkommen fast vervierfacht. Ein Hedgefonds-Manager erzählt, warum er das für richtig hält.

Alter: 31

Aktuelles Gehalt: monatlich 11.000 Euro brutto + Bonus am Jahresende (nach aktuellem Wechselkurs)

Nach meinem Master in Wirtschaftswissenschaften hatte ich einen Plan: Ich wollte zwei Jahre lang als Investmentbanker arbeiten, viel Geld verdienen, um danach zurück in die Wissenschaft zu gehen. Den Plan habe ich nicht umgesetzt – unter anderem wegen meines guten Gehalts.

Nach dem Abi habe ich an zwei renommierten Eliteschulen in den USA und in Großbritannien Wirtschaftswissenschaften studiert. Eigentlich wollte ich Professor werden, davon träumte ich schon als Kind. Damals stellte ich mir vor, dass ich Physiker werde. Irgendwann änderten sich meine Interessen und ich schrieb mich an der Uni für Wirtschaftswissenschaften ein.

Unter Investmentbanking konnte ich mir zu Studienbeginn nicht viel vorstellen. Dann lernte ich in den ersten Wochen viele Kommilitonen kennen, die später unbedingt in der Finanzbranche arbeiten wollten. Die waren so überzeugt von ihrem Berufswunsch, dass ich neugierig wurde und Praktika bei amerikanischen Banken und Unternehmensberatungen machte. Meine Kollegen waren sehr ehrgeizig und wollten aufsteigen. Das Arbeitstempo war sehr schnell, das hat mich angespornt und mir gefallen. Bei einem anderen Praktikum in der Versicherungsbranche arbeiteten die Mitarbeiter viel langsamer. Da bin ich überhaupt nicht so aufgegangen, obwohl ich weniger arbeiten musste. Da stand für mich fest: Ich will in die Finanzwelt.

Nach dem Master bewarb ich mich bei einer Private-Equity-Firma und wurde genommen. Dort haben wir mit Hilfe von Fremdkapital Firmen aufgekauft und versucht, sie im Laufe von vier bis sechs Jahren profitabler zu machen. Danach haben wir sie weiterverkauft, häufig, indem wir sie an die Börse gebracht haben.

Ich arbeitete sehr viel: von neun Uhr bis elf Uhr nachts, oft auch am Wochenende. Wenn es sehr stressig wurde, saß ich manchmal bis vier Uhr morgens da und arbeitete mehr als 100 Stunden in der Woche. Irgendwann gewöhnte sich mein Körper daran, krank war ich eigentlich kaum. In der Branche besteht man nur, wenn man psychisch extrem belastbar ist. Der Rest wird ausgesiebt. Da passe ich gut rein, ich gebe nicht gerne auf. Zum Beispiel war ich nie ein guter Fußballspieler, aber wenn ich mal spiele, dann spiele ich, bis ich mich übergeben muss. Ich gebe alles.

Im ersten Jahr verdiente ich umgerechnet so 130.000 Euro brutto, inklusive Bonus. Nach ein paar Jahren gab ich den Plan auf, in die Wissenschaft zu gehen. Ich hatte so hart für meine Karriere in der Finanzbranche gearbeitet, um weit nach oben zu gelangen, das wollte ich nicht so ohne Weiteres aufgeben. Meine Ansprüche an mich selbst waren enorm gestiegen. Wenn ich aussteigen würde, dann nur, um Professor an einer der besten Unis der Welt zu werden. Weil das natürlich sehr schwer ist, entschied ich mich für das Geld und die freie Wirtschaft.

Der Job hat mich verändert, ich bin rationaler geworden. Oft muss ich Wahrscheinlichkeiten durchrechnen, um herauszufinden, ob es sinnvoll ist, eine Firma zu übernehmen. Irgendwann fing ich auch an, meine persönlichen Entscheidungen nüchtern und sachlich abzuwägen. Als ich mir Statistiken ansah und merkte, wie gering die Chancen sind, ein angesehener Professor zu werden, blieb ich einfach weiter in der Finanzbranche.

Nach ein paar Jahren wurden mir die Arbeitszeiten dann aber doch zu viel. Ich wollte mehr Zeit mit meiner Familie verbringen, deshalb wechselte ich wieder den Job. Aktuell arbeite ich bei einem Hedgefonds und habe geregeltere Arbeitszeiten. Ich arbeite nur noch bis 19 Uhr, verbringe dann Zeit mit meiner Familie und arbeite hinterher noch ein paar Stunden von zu Hause aus weiter. Trotzdem kann ich nachts sieben Stunden schlafen – anders als vorher.

Monatlich verdiene ich Brutto umgerechnet 11.000 Euro im Monat. Im letzten Jahr habe ich mit dem Bonus rund 480.000 Euro bekommen. Allerdings war das ein schlechtes Jahr – wegen des Brexit und Trump sind einige Investitionen nicht so aufgegangen wie geplant. Dieses Jahr läuft es wieder besser, wahrscheinlich wird am Ende mehr für mich herausspringen.

Mit dem Einkommen gehöre ich zwar zu den Besserverdienern, habe aber auch Freunde in meinem Alter, die Partner bei milliardenschweren Hedgefonds sind und mehrere Millionen im Jahr verdienen. Mit meiner engsten Familie und Kollegen aus der Branche unterhalte ich mich über mein Gehalt, aber Freunde oder Bekannte, die in anderen Jobs arbeiten, wissen nicht, wie viel ich verdiene. Ich schweife lieber vom Thema ab, wenn mich jemand direkt danach fragt.

Dabei gibt es gute Gründe dafür, dass in der Finanzbranche so hohe Gehälter gezahlt werden. Zum einen wegen des extremen Arbeitspensums und des großen Konkurrenzkampfes. Die meisten Private-Equity-Firmen und Hedgefonds haben ein Up-or-out-Prinzip, was bedeutet, dass alle zwei bis drei Jahre die Hälfte der Leute gehen muss. Dadurch gibt es in höheren Positionen weniger Mitarbeiter und mehr Gehalt: In den ersten sechs Jahren von meinem Job hat sich mein Einkommen zum Beispiel verdreifacht. Zum anderen sind die Lebenshaltungskosten in den Metropolen, wo die meisten von uns arbeiten, sehr hoch. Für Miete, Haushälterin und meine Familie gebe ich rund 90.000 Euro im Jahr aus. Dabei lebe ich relativ sparsam im Vergleich zu anderen Kollegen.

Ich könnte das Dreifache ausgeben, dafür bin ich aber nicht materialistisch genug. Ein Porsche oder Hemden von Armani interessieren mich nicht, ich investiere mein Geld lieber. Ich will mir ein Vermögen von fünf Millionen Euro aufbauen, damit ich davon sorgenfrei leben kann. Den Betrag habe ich mir einmal ausgerechnet. In ein paar Jahren könnte ich das geschafft haben.

Mit dem Geld will ich mich nicht einfach zurücklehnen, sondern vielleicht auch ein Sozialunternehmen gründen. Ich glaube an die Marktwirtschaft und sehe das Finanzsystem als wichtigsten Bestandteil davon. Allerdings muss man etwas gegen das wachsende Arm-Reich-Gefälle unternehmen. Dabei sollten die sozial schwachen Menschen nicht nur von staatlicher Unterstützung abhängig sein. Ich finde, das nimmt ihnen ihre Würde. Viel besser fände ich es, aus jedem Menschen eigenverantwortliche Unternehmer zu machen.

Aufgezeichnet von Franca Forth

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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Kommentare (2)

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  1. Anonym

    Deutschland - Land des Sozialneids. Wenn ich solche Kommentare lese, wird mir übel. Du kennst ihn doch gar nicht… interessant, dass du jetzt schon weißt, wie es ausgehen wird. Denk mal über dich nach und warum du solche Kommentare hier postest, bevor du Dich das nächste Mal an die Tasten setzt

  2. Anonym

    Das ist ja wohl der blanke Hohn. Er arbeitet bei einem Hedgefonds und behauptet "Allerdings muss man etwas gegen das wachsende Arm-Reich-Gefälle unternehmen". "Mit dem Geld will ich mich nicht einfach zurücklehnen, sondern vielleicht auch ein Sozialunternehmen gründen." Der Haken ist nur, dass er in ein paar Jahren dann wahrscheinlich aufgrund statistischer Berechnungen zu dem Ergebnis kommen wird, doch lieber in der Finanzbranche zu bleiben.

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