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Ausstieg auf Zeit

Sabbatical [Quelle: Pixabay, Autor: Unsplash]

Quelle: Pixabay, Autor: Unsplash

Schnelllebigkeit, Leistungs- und Termindruck: Der Wunsch nach einer längeren Auszeit vom Beruf ist nur zu verständlich. Doch wie verschaffst du dir die verdiente Atempause, und was macht ein gelungenes Sabbatical aus? Wir haben die gefragt, die sich getraut haben, und geben Tipps zu Planung und Finanzierung.

Wer mehrere Monate oder gar ein ganzes Jahr aus seinem Beruf aussteigen möchte, sollte rechtzeitig mit der Planung beginnen. Empfehlenswert ist eine Vorlaufzeit von circa einem Jahr. Schließlich gilt es, deine Vorgesetzten von deinem Vorhaben zu überzeugen; auch Kollegen und Familienmitglieder wollen miteinbezogen werden. Außerdem solltest du dir schon vor Beginn der Auszeit überlegen, was du mit der vielen freien Zeit machst: Wenn du dich planlos treiben lässt, ist diese nämlich schnell vorbei. Nicht zuletzt musst du dir rechtzeitig Gedanken um die Finanzierung machen.

Den Chef von deiner Auszeit überzeugen

Obwohl sich die gesellschaftliche Skepsis gegenüber Sabbaticals langsam verflüchtigt, verwirklichen nur wenige ihren Traum von der beruflichen Auszeit. Ein Hindernis ist häufig die Zustimmung des Chefs.

Ist das Konzept Sabbatical für dein Unternehmen etwas Neues, braucht es deine Überzeugungskunst. Einen Anspruch auf die Auszeit vom Job sieht das Arbeitsrecht nämlich nicht vor. Um den Chef auf deine Seite zu bringen, solltest du vor allem die Vorteile des Sabbaticals fürs Unternehmen herausstellen.

Ein Argument könnte zum Beispiel sein, dass du das Sabbatical für eine Weiterbildung nutzen möchtest, von der nach der Rückkehr auch dein Arbeitgeber profitiert. Du musst aber nicht gleich einen MBA oder ein renommiertes Zertifikat erwerben. Auch neue Erfahrungen und Erkenntnisse, die du zum Beispiel bei einem Auslandsaufenthalt oder einem kreativen Projekt gewinnst, kommen dem Unternehmen zugute. Außerdem kannst du während der Berufspause deinen leeren Akku wieder aufladen und kommst mit neuer Energie zurück in den Job. Für den Arbeitgeber nicht zu verachten ist auch der finanzielle Aspekt: Gerade in Krisenzeiten kann ein Sabbatical dazu beitragen, das Unternehmen zu entlasten.

Natürlich können auch private Gründe überzeugend sein. Wenn du zum Beispiel mehr Zeit mit der Familie verbringen möchtest oder dein Haus renovierst, kannst du auf das Verständnis deines Chefs hoffen.

Wichtig ist, dass du Vorschläge für deine Vertretung machst und dir überlegst, wie deine Aufgaben während des Sabbaticals auf die Kollegen verteilt werden könnten. So signalisierst du deinem Chef, dass du auch die Interessen des Unternehmens und nicht nur deine Freizeit im Kopf hast. Vielleicht gehörst du aber auch zu den Glücklichen, deren Arbeitgeber Auszeiten fest in ihr Arbeitszeitmodell integriert haben.

McKinsey zum Beispiel bietet seinen Mitarbeitern mit dem Take-Time-Programm die Möglichkeit, sich jedes Jahr zusätzlich zum Jahresurlaub zwei Monate Zeit für ein persönliches Projekt zu nehmen. Diese Zeit können die Mitarbeiter wie ein Sabbatical nutzen. Dazu müssen sie den Chef nicht einmal von den Vorzügen ihres Projekts überzeugen: "Take Time" ist Privatsache. Eine solche Auszeit ist natürlich bei projektbezogener Arbeit deutlich leichter zu verwirklichen. Statt für die Zeit des Sabbaticals eine Vertretung zu bestimmen, kann die Auszeit einfach zwischen zwei Projekten genommen werden. Deshalb wird es in klassischen Linienorganisationen wohl noch etwas dauern, bis feste Strukturen für ein Sabbatical in den Betriebsablauf integriert werden.

Auch wenn das Sabbatical viel Organisationsaufwand bedeutet, solltest du deine Pläne nicht auf Eis legen. Lass dich von Menschen inspirieren, die den Schritt gewagt haben, und lies nach, welche Tipps sie dir für deine Auszeit mit auf den Weg geben.

So finanzierst du dein Sabbatical

Es gibt verschiedene Modelle, ein Sabbatical zu finanzieren. Das beliebteste basiert auf einem Zeitwertkonto. Der Arbeitnehmer verzichtet dabei für einen festgelegten Zeitraum vor der Auszeit auf einen Teil seines Gehalts, der auf dem Zeitwertkonto angespart und während des Sabbaticals ausgezahlt wird. Mit dieser Methode erhältst du auch in deiner Auszeit ein festes Gehalt. Achte darauf, dass der Betrag verzinst wird und im Fall einer Insolvenz des Unternehmens abgesichert ist.

Ähnlich funktioniert auch das Ansparen von ungenutzten Urlaubstagen und Überstunden, die der Mitarbeiter für sein Sabbatical am Stück in Anspruch nimmt. Für Eltern, die ihre Elternzeit nicht vollständig genutzt haben, bietet sich noch eine andere interessante Möglichkeit: Sie können den Restanspruch später als Sabbatical nehmen – allerdings höchstens bis zum achten Geburtstag ihres Kindes.

Natürlich kannst du auch einfach unbezahlten Urlaub nehmen und das Sabbatical mit deinem Ersparten finanzieren. Dann aber zahlt der Arbeitgeber, anders als bei regulärem Urlaub oder der Zeitwertkonto-Methode, keine Sozialversicherungsbeiträge mehr für dich. Nimmst du also mehr als einen Monat unbezahlten Urlaub, musst du dich selbst um deine Kranken-, Pflege- und Rentenversicherungen kümmern.

Pflicht beim Sabbatical: Die Versicherung

Wenn du dich für ein eigenfinanziertes Sabbatical entschieden hast, musst du dich selbst krankenversichern. Wer sein Sabbatical im Ausland verbringen möchte, sollte zudem über eine zusätzliche Versicherung nachdenken. In der EU und einigen weiteren europäischen Ländern bleibst du gesetzlich krankenversichert, für andere Regionen brauchst du aber eine spezielle Auslandskrankenversicherung. Gerade wenn du im Ausland körperlich aktiv sein möchtest, ist der Zusatzschutz bei deiner Sabbatical-Planung unverzichtbar.

Sinnvoll ist es auch, während des Sabbaticals freiwillig weiter in die Renten- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung einzuzahlen. Denn jeder Monat, in dem du keine Beiträge leistest, beeinflusst später, wie hoch deine Altersrente ausfällt. Damit du einen Anspruch auf Erwerbsunfähigkeitsrente hast, musst du außerdem in den fünf Jahren vor Ausscheiden mindestens drei Jahre lang die Beiträge bezahlt haben.

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