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Robo Advisor - Geldanlage durch den Computer?

Roboter (Quelle: freeimages.com, julosstock)

Quelle: freeimages.com, julosstock

Vermögensverwaltung ohne Vermögensverwalter: Robo Advisors treffen Anlageentscheidungen ohne menschlichen Einfluss, sondern allein aufgrund von Algorithmen. Wie setzt sich der Trend fort und für wen ist die computergesteuerte Geldanlage attraktiv?

War das Konzept "Robo Advisor" noch vor kurzem vor allem Eingeweihten bekannt, erlebt der Terminus zuletzt einen starken Aufwind und ist aus den Listen der Fintech-Trends 2016 nicht mehr wegzudenken. Die sich teilweise seit einigen Jahren am Markt befindlichen Angebote wie z.B. vaamo und quirion aber auch neue Spieler wie Scalable Capital (das über eine Bafin-Lizenz verfügt) haben sich in ihrem Auftritt und Angebot deutlich professionalisiert. Und auch viele Banken haben dieses Thema erkannt und arbeiten an der Entwicklung entsprechender Angebote bzw. haben diese bereits gelaunched.

Robo Advisor - was ist das?

Das Versprechen eines Robo Advisors im engeren Sinne ist das einer gewöhnlichen Vermögensverwaltung: Der Kunde vertraut seine Gelder dem Verwalter an, dieser legt es anhand eines definierten Risikoprofils an. Auf die einzelne konkrete Anlageentscheidung hat der Kunde wie bei einer Vermögensverwaltung keinen Einfluss.

Die Neuerung des Robo Advisors besteht darin, dass die Anlage der Gelder nach den Vorgaben eines Algorithmus erfolgt und somit menschliche Fehler (Anlage auf "Glaubensbasis", Panikverkäufe,…) bei der Vermögensanlage umgangen werden können. Die Anlage erfolgt dabei auf ETF-Basis, was Robo Advisors ein preislich attraktives Angebot ermöglicht; aktuell liegt das Preisniveau in der Regel zwischen 0,3 % und 1 %.

Hinsichtlich Infrastruktur bedarf es keiner Filialen, dieses Angebot lässt sich ohne Abstriche an Bedienbarkeit und Umfang online bereitstellen. Umso wichtiger ist es jedoch, dem Kunden eine intuitive und optisch ansprechende Oberfläche zur Verfügung zu stellen. Und das ist genau jener Punkt, den Fintechs etablierten Banken voraushaben. Der dahinterliegende Anlagealgorithmus dürfte für ein etabliertes Bankhaus hingegen weniger ein Problem darstellen. Selbst wenn es "den Algorithmus" noch nicht gibt, sollte jedes Haus jedoch über entsprechende Expertise verfügen, einen solchen entwickeln zu können.

Daneben gibt es außerdem Angebote im Markt, bei denen der Kunde selbst viel Spielraum bei der Anlage hat oder vermeintlich erfolgreiche Strategien anderer kopieren kann (sogenanntes Social Trading). Ersteres verlangt eine gewisse finanzielle Vorbildung und birgt außerdem die Gefahr, dass der Vorteil des Ausschaltens menschlicher Fehlentscheidungen nicht mehr gegeben ist, letzteres öffnet die Frage, inwieweit es sich dabei um vertrauenswürde Trader handelt. Und auch hier liegt die letztendliche Investmententscheidung wieder beim Kunden selbst.

What's next?

Bei allen Vorteilen - letztenendes steht und fällt der Erfolg eines Robo Advisors mit der Performance, und dort besteht laut einer Untersuchung von Online Brokervergleich noch viel Luft nach oben; auch wenn es sich nur um einen recht kurzen untersuchten Zeitraum handelt. Zudem wird es spannend sein zu beobachten, wie sich Robo Advisors bei fallenden Märkten verhalten.

Ist der Hygienefaktor Performance auch in diesem Szenario erfüllt, werden derartige Angebote insbesondere für Anlagesummen von 10-100 TEUR eine ernstzunehmende Rolle im Markt spielen. In diesem Vermögensband ist eine reguläre, nicht ETF-basierte Vermögensverwaltung schon alleine durch die geringe Portfoliogröße nicht möglich, und auch für einen Anbieter (sei es eine Bank oder einen Vermögensverwalter) ist diese Größenordnung nicht unbedingt attraktiv. Es gibt somit einige Gründe, dass Robo Advisors das Potential dazu haben, diese Anlage-Lücke zu füllen.

Bedenkt man zudem, dass ein Robo Advisor auf Millennials (also die ab 1980 Geborenen) abzielt, die in den wenigsten Fällen über ein siebenstelliges Vermögen verfügen, ist die Frage nach der Attraktivität neu zu beantworten. Denn diese Generation ist daran gewöhnt, Dinge zu erledigen, ohne dafür an einen bestimmten Ort gehen zu müssen. Mit einem rein auf persönlicher Beratung fußenden Angebot wird das Gewinnen von Neukunden in dieser Altersgruppe zunehmend schwieriger werden. So eröffnet die Aufnahme eines Robo Advisors in das eigene Produktportfolio die Chance, die attraktiven Kunden von morgen schon heute zu gewinnen.

Dieser Artikel ist ursprünglich erschienen auf BankingHub.de. Die Autorin Laura Pfannemüller ist Senior Consultant bei zeb in Berlin.

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