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Automatisch recht bekommen

Legal Tech, Rechtsprechung, Paragraph [© Fotolia.com]

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Ob bei Vertragsprüfungen oder Flugverspätungen – immer öfter erledigen Algorithmen die Arbeit von Juristen. Die Technologie wird die ganze Branche verändern.

Die Firma, die Juristen weltweit in Schrecken versetzt, sitzt in einem Berliner Hinterhof, direkt neben dem Checkpoint Charlie. Junge Menschen in Gruppenbüros mit verglasten Türen blicken konzentriert auf große Monitore. Durch die gekippten Fenster dringt der Lärm der Straße herein, es ist Mittagszeit in Berlin-Mitte.

Die Firma heißt Leverton, Micha-Manuel Bues ist ihr Geschäftsführer. Bues ist ein großer, blonder Mann. Er läuft mit schnellen Schritten durch die verzweigten Büroflure. "Wir wachsen so schnell, dass wir schon wieder neue Räume suchen", sagt er. Das rund 50-köpfige Team ist hier vor einem Jahr eingezogen. Leverton ist ein Legal-Tech-Start-up – ein Unternehmen, in dem Recht und Technologie verschmelzen. Heißt: Hier wird Software programmiert, mit der sich Rechtsfragen bearbeiten lassen. Für die Zukunft des Juristenberufes bedeutet das eine Revolution.

Die Rechtsbranche galt bisher als Garant für beruflichen Erfolg. Inzwischen aber müssen viele Kanzleien sparen. Zu Jahresbeginn wurden in den 50 umsatzstärksten Sozietäten 14 Prozent weniger Anwälte zu Partnern ernannt als noch ein Jahr zuvor. Durch Legal Tech droht eine weitere Gefahr: Schon bald könnten 50 Prozent der Aufgaben, die derzeit noch Jungjuristen erledigen, von Algorithmen übernommen werden. Die Prognose stammt aus einer Studie, die die Bucerius Law School zusammen mit der Boston Consulting Group Anfang des Jahres herausgegeben hat.

Leverton ist das beste Beispiel für diesen Wandel. Das Berliner Start-up hat einen selbstlernenden Algorithmus entwickelt, der binnen Minuten Hunderte Seiten lange Immobilienverträge scannen kann – schneller als je ein Jurist dazu in der Lage wäre. Im ganzen Leverton-Team arbeiten daher auch nur drei Rechtswissenschaftler. Wenn Micha-Manuel Bues demonstrieren will, wie Immobilienrechtler in Zukunft arbeiten, zieht er weder Aktenordner noch Gesetzesbücher aus dem Regal. Der 31-Jährige klappt seinen Laptop auf, lädt einen Vertrag in die Leverton-Software und startet die Analyse. Schon wenige Minuten reichen dem Algorithmus, um aus den 122 Seiten Papier die wichtigsten Daten herauszufiltern: Adresse, monatliche Gesamtmiete, Quadratmeter. Der Algorithmus ermittelt auch, wie viele Mietparteien im Gebäude sind und wer wann kündigen darf.

Bues ist selbst Jurist, drei Jahre lang hat er als Anwalt bei der Wirtschaftskanzlei Gleiss Lutz gearbeitet. Inzwischen ist er überzeugt, dass sich die Arbeit in Kanzleien stark ändern wird. "Künstliche Intelligenz und Schrifterkennung haben in den vergangenen Jahren riesige Fortschritte gemacht", sagt Bues. "Das macht es möglich, dass Aufgaben wie das Erfassen von Verträgen und das Extrahieren der darin enthaltenen Datenpunkte schon heute von Computern übernommen werden." Micha-Manuel Bues ist nicht der Einzige, der so denkt. Seit einigen Monaten gehen immer mehr junge IT-Unternehmen an den Start, die versprechen, die Arbeit von Anwälten schneller, günstiger, transparenter, kurz: besser zu machen.

Bisher zeigt sich die Macht der Technologie vor allem in juristischen Nischen wie der Durchsetzung von Fluggastrechten. Dort gibt es unzählige Fälle, die niemals ausgefochten werden, selbst wenn die Verbraucher offensichtlich im Recht sind. Wer würde schon für mehrere Hundert Euro einen Anwalt bemühen, um 50 Euro erstattet zu bekommen? Das machen sich Start-ups wie Flightright, Euclaim oder Fairplane zunutze. Auf deren Internetseiten können Verbraucher ihre Beschwerde einreichen, ein Algorithmus schätzt binnen Sekunden die Erfolgsaussichten ein. Sind die Chancen gut genug, werden die Start-ups für ihre Nutzer tätig.

Leverton setzt die Software bisher nur im Immobilienbereich ein. "Wir wollen uns zunächst in einer Branche etablieren. Aber technologisch wäre noch viel mehr möglich." Interessant sei die Software für alle Bereiche, in denen es gelte, in kurzer Zeit umfangreiche Verträge zu prüfen, etwa Unternehmensfusionen. Inzwischen arbeiten daher selbst gestandene Kanzleien mit dem Start-up zusammen. Sie wissen: Wenn es ihnen nicht gelingt, sich auf die neue Konkurrenz einzustellen, könnten ihre rundum verglasten Eckbüros bald leer stehen.

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"Perspektiven für Juristen" gibt einen Überblick über Berufsbilder und bietet hilfreiche Tipps für die Studien- und Karriereplanung für angehende Juristen.

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Kommentar (1)

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  1. Anonym

    Das Problem haben ja nicht nur Juristen. Das Problem entsteht überall und ganz ehrlich, so gut Technik ist und soviel effektiver sie sein mag.. am Ende werden es nicht weniger Menschen. Und die Zeiten der Friedlichkeit werden auch seltener. Ich frage mich, ob dass durch alle Vorzüge der Technik aufgewogen werden kann. Ich meine nein. Im Hinblick auf ein sozial-friedliches Leben ist es erforderlich, dass Gehälter sich jetzt anpassen und faktisch jeder Klempner gleich einem Topmanager vergütet wird. Ohne diesen Schritt wird das Gesamtgefüge zerbrechen. Denn selbst, wenn man sagt, es müssen nur neue Arbeitswelten/ Dienste eröffnet und die Jugend muss mehr technisch geschult werden etc.. Wir stehen dennoch an einem Punkt, an welchem die Menschen immer älter werden, es immer mehr Menschen werden und die Technik viel schneller fortschreiten wird, als Menschen geschult werden können. Und wer wählt schon Bürgerkonflikte über Technik. Am Ende werden Reiche (bedenkt: auch Manager, Juristen und Ärzte etc. sind alle durch Technik früher oder später zu ersetzen, selbst diejenigen, die neue Techniken heute erforschen) und Arme gleichrmaßen in Konflikten aufeinanderprallen, nebeneinander fallen und miteinander im selben Boot sitzen. Es geht los bei Selbstbedienungskassen, geht über Vertragsprüfung und bis hin zu selbst gesteuerten Güterverkehr etc. Wenn ich ehrlich bin, ich weiß nicht, wie die Freiheit gerettet werden soll, indem jeder Mensch in jeder Position durch Technik ersetzt und keiner mehr benötigt wird. Aber da im neuen Aufschwung und der Welle der neuen Technik selbst zunächst viel Geld steckt, wer guckt da schon in die Zukunft. So viel hat uns die Geschichte ja wenigstens gelehrt. Und ja, wer jetzt kommentiert: Versucht sachlich zu bleiben. Zeigt mir gerne punktuell an meinen Argumenten, dass ich falsch liege. Ich bin gespannt und wäre dankbar.

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