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Weiterbildung vom Sofa aus

Internet www (Quelle: freeimages.com, Autor: svilen001)

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Video-Seminare im Netz werden immer beliebter: Zeitmanagement, Jura-Prüfung oder Yoga gegen Stress – die Kurse sind günstig, aber sind sie auch effektiv?

Die Zahl der ungelesenen Mails wächst täglich, unerledigte Aufgaben stapeln sich auf dem Schreibtisch. Jetzt könnte eine Weiterbildung für besseres Zeitmanagement helfen. Die meisten Seminare dauern aber ein bis zwei Tage und kosten mehrere Hundert bis weit über 1.000 Euro.

Deutlich billiger und kürzer sind Onlinekurse. Immer mehr Trainer, deren Kerngeschäft Präsenzseminare sind, bieten Videoschulungen an. Die Clips kosten in der Regel nicht mehr als 100 Euro und dauern zwischen ein paar Minuten und einigen Stunden. In den Videos werde der Inhalt eines kompletten Seminars komprimiert vermittelt, werben die Anbieter. Das Lernen sei flexibel von zu Hause aus möglich, es mache mehr Spaß und sei effizient.

Die Anbieter, das sind neben hauptberuflichen Trainern auch Plattformen für Weiterbildung. Sie nennen sich Lecturio, Edudip oder Pink University. Ihr Geschäftsmodell ist einfach: Sie akquirieren Trainer, Experten und Professoren, die mit einem Seminar oder Ratgeberbüchern am Markt erfolgreich sind. Mit ihnen wird ein Videokurs konzipiert und produziert, der von den Plattformen kostenpflichtig verkauft wird.

Unternehmen setzen auf Präsenzseminare

Die Themen reichen von der Vorbereitung aufs Jura-Staatsexamen über Zeitmanagement und Rhetorik bis hin zu Angeboten, die man eher an einer Volkshochschule vermuten würde: Fitness- und Ernährungskurse, Babymassagen und Schwangerschaftsgymnastik, Angelunterricht oder Sprachen lernen. Zielgruppe sind Berufstätige, die sich weiterbilden möchten, aber auch Unternehmen, die ihre Mitarbeiter qualifizieren möchten.      

Noch ist die Nachfrage von Unternehmen verhalten. Die betriebliche Weiterbildung hat zwar zugenommen, wie eine Studie des Statistischen Bundesamts gezeigt hat. Allerdings findet sie zum größten Teil als Präsenzseminar statt. Der Anteil von E-Learning-Formaten nimmt zu, spielt aber noch eine untergeordnete Rolle. 

"Ein Videotraining ist günstiger, als einen Trainer für eine Fortbildung in die Firma kommen zu lassen", sagt Dirk Ploss, Marketingchef der Videoplattform Lecturio. Aber funktioniert das Selbstlernen per Video auch bei komplexen Themen? Ja, behauptet Britta Kroker, Gründerin und Geschäftsführerin von Pink University. "Die Bereitschaft, Neues nach Feierabend dazuzulernen, ist in den vergangenen Jahren größer geworden." Sie verweist auf den Erfolg der sogenannten kostenlosen Moocs.

Die Abkürzung steht für Massive Open Online Course und kommt aus den USA. Amerikanische Elite-Universitäten stellen schon seit längerer Zeit ihre Vorlesungen kostenfrei ins Netz. Manche Professoren erreichen so über hunderttausend Studenten aus aller Welt. Mittlerweile ist der Trend auch in Deutschland angekommen. Die Online-Kurse der Unis sind zum Vorbild für eine neue Form des Lernens geworden. Die Anbieter von privaten Weiterbildungskursen wollen aus diesem Trend Kapital schlagen.

"Wo früher nur Ratgeber und Fachbücher verkauft wurden, entwickeln sich die Videokurse zu einem neuen Markt", sagt Kroker. Groß ist er aber noch nicht. Gut 10.000 Besucher verzeichnet Pink University in der Woche auf ihrer Website, bei Lecturio sind es laut Ploss etwa 30.000. Wie viele davon am Ende die kostenpflichtigen Kurse auch kaufen, verschweigen die Firmen. An den Volkshochschulen und betrieblichen Weiterbildungseinrichtungen in Deutschland lernen dagegen Woche für Woche Hunderttausende.

Einige Weiterbildungstrainer sehen den Trend zum Onlineseminar kritisch. "Die Kurse sind lediglich Appetizer, die Lust auf ein ganzes Seminar machen sollen. Wir wollen ja Präsenzseminare verkaufen", sagt eine Führungskräfte-Trainerin, die anonym bleiben möchte. Denn auch sie will perspektivisch Videokurse anbieten.

Selbstlernen erfordert Disziplin

"Der Lerneffekt kann aber nie so hoch sein wie in einem Präsenzseminar, weil die Möglichkeit des direkten Feedbacks fehlt", sagt die Trainerin. Das Selbststudium erfordere ein hohes Maß an Selbstdisziplin. Letztlich könnten die Videotrainings ein vollwertiges Seminar nicht ersetzen, glaubt sie.

Social-Media-Elemente könnten dieses Manko zumindest teilweise ausgleichen, behaupten dagegen die Anbieter. Die Teilnehmer können per Mail oder Chat mit dem Referenten Kontakt aufnehmen und Fragen stellen. Ob und wann dieser antwortet, ist allerdings fraglich. Auch fehlt bislang die Option zur Vernetzung der  Teilnehmer untereinander.

Im Videokurs zum Zeitmanagement erfährt man zumindest die wesentlichen Zeitspar-Tipps komprimiert in wenigen Minuten. Ein Ratgeber hätte das auch vermittelt – das Lesen hätte aber länger gedauert.

© ZEIT ONLINE (Zur Original-Version des Artikels)

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