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Mythos Generation Y?

Generation Y (Quelle: freeimages.com, spekulator)

Quelle: freeimages.com, spekulator

Sie sind verwöhnt, faul und hedonistisch. Sie arbeiten nur, wenn es ihrer Selbstverwirklichung dient. Diese und ähnliche Vorurteile haften der sogenannten Generation Y an. Zugleich sind die Ypsiloner angeblich sehr auf beruflichen Erfolg fokussiert und haben große Zukunftsängste. Angesichts dieser Widersprüche stellt sich die Frage: Gibt es die Generation Y überhaupt, und lassen sich verlässliche Aussagen über sie treffen?

Ein erstes Problem ist die Frage der Definition: Wer genau mit Generation Y gemeint ist, unterscheidet sich von Studie zu Studie, von Artikel zu Artikel. Mal sind all diejenigen gemeint, die zwischen 1980 und 2000 geboren wurden, mal nur einzelne Jahrgänge innerhalb dieser Zeitspanne.

Die Definition erfolgt letztlich willkürlich. Oft beziehen sich die Aussagen zur Generation Y zudem ausschließlich auf sozial Bessergestellte und/oder Akademiker. Doch welche Aussagekraft hat ein Generationenbegriff, wenn er nur eine kleine soziale Gruppe umfasst?

Wie ticken die Ypsiloner?

Der Ausdruck "Generation Y" wurde zum ersten Mal in der amerikanischen Werbezeitschrift Advertising Age verwendet. Er diente dazu, die jüngeren Altersgruppen gegen die ältere Generation X abzugrenzen, die ihren Namen dem gleichnamigen Roman von Douglas Coupland verdankt.

Diese Definition durch Abgrenzung gegen andere Generationen ist ein weiteres Problem:

  • Die Ypsiloner gelten als unpolitisch, wenn man sie mit den (vermeintlich?) rebellischen und politischen 68ern vergleicht.
  • Sie werden als faul eingestuft, wenn man sie an der Nachkriegsgeneration misst, die (angeblich?) vor allem die materielle Versorgung und den Wohlstand im Blick hatte.

Doch Milieus lösen sich zunehmend auf, traditionelle Bindungen – Geburtsort, Vereine, Kirche – werden unwichtiger. Individualismus wird großgeschrieben. Menschen sind heute unterschiedlicher als je zuvor. Entsprechend verschieden sind die Zuschreibungen, wie die Generation Y angeblich tickt: Mal werden die Ypsiloner als wirtschafts- oder karriere-kritisch dargestellt, mal als besonders ehrgeizig, mal gelten sie als hedonistisch und narzisstisch, mal als besonders werteorientiert und sozial.

Der Marburger Soziologieprofessor Martin Schröder bringt es auf den Punkt: "Nicht nur wird der Generation Y […] eine Einstellung und gleichzeitig deren Gegenteil zugeschrieben. Auch sind etliche der Zuschreibungen höchst nebulös."

Drei Vorurteile auf dem Prüfstand

Gleiches Geburtsjahr = gleiche Einstellung?

Klar ist: Wie wir aufwachsen, entscheidet mit darüber, wie wir sind. Historische Umbrüche, wirtschaftliche Not und/oder Kriege können als Generationenerlebnisse ganze Altersgruppen prägen.

Für die deutsche Generation Y gelten die Anschläge des 11. September, der Euro als Zahlungsmittel, die Finanzkrise, die Fußball-WM in Deutschland und die Digitalisierung als wichtige Einflüsse. Doch reicht das, um Millionen Menschen in ihren tiefsten Wertvorstellungen und Einstellungen zu prägen? Wohl kaum.

Ja, die Ypsiloner sind in einer Zeit aufgewachsen, in der die Bilder der einstürzenden Twin Towers um die Welt gingen, in der Jobunsicherheit und Befristung zum Berufseinstieg dazugehörten, in der Deutschland zum ersten Mal seit Langem sich selbst feierte und das Internet jeden Lebensbereich eroberte. Doch unsere Persönlichkeit wird von vielen verschiedenen Faktoren bestimmt, nicht (nur) von unserem Geburtsjahr: Vor allem genetische Veranlagung, das menschliche Umfeld, die soziale und geografische Herkunft sowie persönliche Kindheitserfahrungen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Daher lohnt es sich, einige Vorurteile über die Generation Y auf den Prüfstand zu stellen:

Vorurteil 1: Die Generation Y legt viel mehr als ihre Vorgänger-Generationen Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance.

Work-Life-Balance ist als Schlagwort kaum mehr aus den Medien, aus Stellenanzeigen und Karrierewebsites wegzudenken. Das Wort mag (einigermaßen) neu sein – das Konzept dahinter ist es nicht.

Als in den 50er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch die Sechs-Tage- und 45-Stunden-Woche verbreitet waren, sich materieller Wohlstand etablierte und die menschlichen Grundbedürfnisse zunehmend erfüllt waren, warb unter anderem der Deutsche Gewerkschaftsbund für kürzere Arbeitszeiten. "Samstags gehört Vati mir" – diese Parole für eine ausgeglichenere Work-Life-Balance zeitigte Erfolg: Bis Mitte der 60er-Jahre hatte sich die 40-Stunden- bzw. Fünf-Tage-Woche bundesweit durchgesetzt.

In den 80er-Jahren gab es ebenfalls Auseinandersetzungen um Arbeitszeitverkürzungen. Das Ergebnis: Die Arbeitszeit wurde in vielen Branchen auf 38,5 Stunden pro Woche verkürzt, in einigen Wirtschaftszweigen sogar auf 35. Das Streben nach einem ausgeglichenen Berufs- und Privatleben ist demnach nichts Neues.

Der Wunsch nach flexiblen Arbeitsformen nimmt zu. Doch das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die jungen Erwerbstätigen nur ihre Work-Life-Balance im Sinn haben: Flexible Arbeitsformen sind eine Grundbedingung dafür, dass Frauen mit kleinen Kindern – oder Männer, die sich aktiv an der Kindererziehung beteiligen – überhaupt arbeiten können. Da immer mehr Frauen einem Beruf nachgehen, statt zu Hause zu bleiben, ist das nur normal. 1991 waren insgesamt 61 Prozent der Frauen zwischen 15 und 65 erwerbstätig; 2014 waren es bereits 73.

Vorurteil 2: Die Ypsiloner legen großen Wert auf postmaterielle Werte. Status und Geld bedeuten ihnen viel weniger als Selbstverwirklichung und Sinn.

Wenn materielle Bedürfnisse befriedigt sind, ist es nur naheliegend, dass postmaterielle Werte wie Selbstverwirklichung und Sinn an Bedeutung gewinnen. Das betrifft nicht nur die Jungen von heute, sondern auch ältere Bevölkerungsgruppen – allerdings vor allem Akademiker und höhere Fachkräfte, die es sich angesichts eines Arbeitnehmermarkts und des (drohenden) Fachkräftemangels leisten können.

Andererseits zählen Jobs mit karitativem Schwerpunkt – etwa Sozialarbeiter oder Pflegefachkraft – nicht gerade zu den beliebtesten Berufen der Deutschen. Im Gegenteil: Seit Jahren werden in diesen Branchen händeringend Fachkräfte gesucht. 

Vorurteil 3: Die Generation Y ist Arbeitgebern gegenüber illoyal.

Zunächst ein Blick auf die neuesten verfügbaren Zahlen zum Arbeitsplatzwechsel: 

  • 1985 betrug die durchschnittliche Dauer der Betriebszugehörigkeit 10,1 Jahre.
  • 2014 lag sie bei 10,9 Jahren.

Angesichts des Klischees der weit verbreiteten Patchworkbiografien ein erstaunlicher Befund.

Allerdings hängt die Anstellungsdauer zum einen von der jeweiligen Branche ab und zum anderen vom Alter der Beschäftigten sowie vom jeweiligen Qualifikationsniveau.

  • Die 15- bis 30-Jährigen blieben Mitte der 1970er-Jahre durchschnittlich 834 Tage im gleichen Unternehmen.
  • 2009 waren es nur noch 652 Tage.

Tatsächlich sind die Ypsiloner also offenbar weniger betriebstreu als die Babyboomer. Woran mag das liegen?

Zum einen sicher daran, dass immer mehr Einstiegsjobs befristet sind. 2018 bekamen ganze 41 Prozent aller Neueinsteiger Verträge auf Zeit. Klar ist: Wer einen befristeten Job hat, muss zwangsläufig häufiger die Stelle wechseln als jemand ohne Befristung. Da junge Menschen, die frisch auf den Arbeitsmarkt kommen, eher von Befristungen betroffen sind als Ältere, verwundert es nicht, dass die Betriebszugehörigkeit unter den 20- bis 35-Jährigen kürzer ist als unter Älteren.

Allerdings gibt es tatsächlich Anzeichen dafür, dass heutzutage eine höhere Wechselbereitschaft besteht als noch vor 30 oder 40 Jahren. Doch liegt wohl vor allem daran, dass es heute viel leichter ist, sich über berufliche Alternativen zu informieren. Auch die gestiegene Mobilität spielt dabei sicher eine Rolle.

Fazit: Individuen statt Alterskohorte

Was lässt sich aus all dem schlussfolgern? Die Welt ist komplex und vielschichtig. Wer den Überblick behalten möchte, greift daher gerne zu Pauschalisierungen. Die Generation Y ist nur eines von vielen Konstrukten, um die Welt leichter zu begreifen.

Ob zur Selbstvergewisserung oder zur Abgrenzung und Abwertung, als Marketinginstrument oder um einer Schlagzeile willen – die Gründe, warum sich jemand des Generationenkonzepts bedient, sind vielfältig. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen ändern sich, und mit ihnen das Verhalten, die Werte, die Einstellungen der Menschen. Doch die zwischen 1980 und 2000 Geborenen sind so individuell wie alle anderen auch. Verlassen Sie sich daher beim Recruiting nicht auf vermeintlich generationentypische Bedürfnisse und Talente, denn Menschen lassen sich nicht in Schubladen stecken. Sie ist ein Mythos, die Generation Y.

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