Nachhaltigkeit im Recruiting: Fünf Tipps für Ihr "Green Recruiting"

Autor*innen
Linda Hofmann
Eine Frau im grünen Pullover hält einen Blumentopf mit Gras. Auf ihrem Kopf befinden sich Zweige eines Laubgewächses. Ihr Gesichtsausdruck ist fragend/nachdenklich.

In Zeiten von "Fridays for Future" wirken Dienstwagen und hohe Gehälter immer weniger, um Nachwuchskräfte zu rekrutieren. Die Werte und der Lebensstil der Bewerber:innen verändern sich und damit die Wünsche und Erwartungen an ihren zukünftigen Arbeitgeber. Wir verraten Ihnen, welche Erfahrungen McKinsey mit nachhaltigem Recruiting und Employer Branding macht und wie Ihr Recruiting "grüner" wird.

Mehr als drei Viertel der deutschen Beschäftigten finden es laut einer Online-Umfrage der Jobplattform StepStone wichtig, dass das Thema Nachhaltigkeit einen hohen Stellenwert bei ihrem Arbeitgeber einnimmt. Etwa jede/r Dritte würde ein Gehalt unter dem Marktdurchschnitt in Kauf nehmen, wenn er/sie dafür bei einem Unternehmen einsteigen kann, das als nachhaltig gilt.

Den Stellenwert von Nachhaltigkeit unter Studierenden beleuchtet eine Erhebung der Employer-Branding-Beratung Universum. Über alle Studienfächer hinweg ist Corporate Social Responsibility (CSR) für immerhin jeden vierten Studierenden unter den wichtigsten drei Faktoren, was das Image eines Unternehmens angeht. Interessant: Vor allem leistungsstärkere Studierende mit guten Noten legen größeren Wert auf CSR des Arbeitgebers.

"Green Recruiting" als Teil der Gesamtstrategie

Nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren, sollten Unternehmen daher bereits beim Recruiting auf eine nachhaltige Strategie setzen. Das "Green Recruiting" sollte in der Gesamtstrategie des Unternehmens seine konsistente Fortführung finden – denn nur das wirkt glaubhaft. Regelmäßige und dauerhafte Employer-Branding-Maßnahmen rund um die Themen Nachhaltigkeit, Umweltschutz und soziale Verantwortung holen dabei die Bewerber:innen ab, steigern die Zufriedenheit und spiegeln Authentizität wider.

Wie funktionieren nachhaltige Employer-Branding-Kampagnen?

Die Unternehmensberatung McKinsey hat sich das Thema Nachhaltigkeit ganz oben auf seine Prioritätenliste geschrieben. Der Fokus seiner unterschiedlichsten Employer-Branding-Kampagnen liegt in erster Linie darauf, wie das Unternehmen den Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft auf dem Weg hin zur Klimaneutralität mitgestaltet.

In der Kampagne "Change it." sprechen Berater:innen über Wandel, was er für sie bedeutet und wie sie selbst Veränderungen herbeiführen wollen. Ein Testimonial erzählt hier beispielsweise von seiner bewussten Entscheidung für McKinsey, um über Projekte in der Energiewirtschaft den Klimawandel zu bremsen.

McKinsey hat erkannt, dass Berufseinsteiger:innen Nachhaltigkeitsaspekten eine besondere Rolle beimessen und diesbezüglich hohe Erwartungen an potenzielle Arbeitgeber stellen. "Um Bewerber:innen schon vor dem Eintritt ein Bild über unsere Aktivitäten und Ziele im Bereich Nachhaltigkeit zu ermöglichen, integrieren wir diese Inhalte auch in die Recruiting-Kommunikation", so Mathias Huber, Director of Recruiting bei McKinsey.

So konzentriert sich zum Beispiel das viertägige Recruiting-Event "Weitblick" der Unternehmensberatung ganz bewusst auf das Thema Nachhaltigkeit. Mit der dazugehörigen Kampagne spricht das Unternehmen Studierende, Doktorand:innen und Professionals aller Fachrichtungen an und lädt sie zu diesem Workshop ein.

Beim Event erfahren die Teilnehmer:innen, wie McKinsey intern und extern daran arbeitet, die weltweiten CO2-Emissionen zu senken und das eigene gesetzte Klimaziel, Net Zero bis 2030, zu erreichen. Gemeinsam mit erfahrenen McKinsey-Berater:innen erarbeiten sie Lösungen für Startups. Im Jahr 2021 konnten die Teilnehmer:innen dabei zwischen den Themen "Sustainability in Fashion" und "Carbon Management" wählen. Sie bearbeiteten Problemstellungen wie "Wie kann man die Nachhaltigkeit der Modebranche im Bereich der Retouren durch den Einsatz von KI verbessern?" oder " Mit welchen Tools lassen sich CO2 Emissionen tracken und optimieren?" gemeinsam in kleinen Teams.

Die Beispiele zeigen, wie man die umfassende Thematik Nachhaltigkeit als Unternehmen erfolgreich in sein Gesamtkonzept integrieren kann. Auf der einen Seite werden Ziele, die Gesellschaft und Wirtschaft verändern, in den Wertekodex aufgenommen. Auf der anderen Seite bricht das Unternehmen diese "großen" Themen für Bewerber:innen und Mitarbeiter:innen zu konkreten Fragestellungen herunter, die ihnen ein aktives Mitwirken daran ermöglicht. 

Auch den Bewerbungsprozess können Personaler "grüner" gestalten. Hier ein paar Tipps, die Sie sehr einfach umsetzen können:

1. Unternehmenswerte prominent kommunizieren

Verstecken Sie Ihr nachhaltiges Engagement und Ihre Kampagnen nicht irgendwo auf Ihrer Karriere-Website und in Ihren Social-Media-Kanälen, sondern platzieren Sie Informationen und weiterführende Links prominent und zeigen Sie sie nach außen. Machen Sie Bewerber schon in Ihren Stellenanzeigen und im Bewerbungsgespräch darauf aufmerksam und zeigen Sie auf, wie neue Mitarbeiter:innen beim Thema Nachhaltigkeit aktiv eingebunden werden.

2. Bewerbungsunterlagen digitalisieren

Verzichten Sie darauf, sich Bewerbungsunterlagen auf Papier per Post schicken zu lassen. Bieten Sie stattdessen die Möglichkeit, sich über ein eigenes Online-Tool oder per E-Mail bewerben zu können. Für die interne Bearbeitung können Sie dann statt Ausdrucken zum Beispiel mit einer Bewerbermanagement-Software arbeiten. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern vermeidet Papierberge auf Ihrem Schreibtisch – und ist auch für die Bewerber:innen ein günstigerer und schnellerer Weg.

3. Nachhaltige Bewerbungsgespräche

Online-Meetings sind spätestens seit der Corona-Pandemie im Büro-Alltag angekommen. Führen Sie virtuelle Bewerbungsgespräche, zumindest für den Erstkontakt. Das hat für beide Seiten zudem einen Zeitökonomievorteil. Sollte dies nicht möglich sein, motivieren Sie Ihre Bewerber:innen durch Anreize, möglichst mit dem öffentlichen Nahverkehr anzureisen.

Falls Ihr Unternehmen Alternativen zu Dienstwagen und Flugreisen anbietet, bringen Sie diese im Bewerbungsgespräch an. Das kann die Anschaffung eines Firmenfahrrads ebenso sein wie Fahrkostenübernahme für Fahrten im öffentlichen Nahverkehr oder Carsharing.

4. Virtuelle Recruiting-Events nutzen

Nicht nur Bewerbungsgespräche lassen sich in den digitalen Raum verlegen. Auch Recruiting-Events lassen sich virtuell erfolgreich umsetzen, wie auch die Online-Events von e-fellows.net zeigen. Oftmals ist hier das Interesse der Teilnehmer:innen sogar höher, weil die – möglicherweise als lästig empfundene – Anreise wegfällt. Außerdem sparen alle Beteiligten Zeit. Setzen Sie bei Präsenz-Veranstaltungen zunehmend auf mehrere regionale Recruiting-Events, so dass die Anreisewege kürzer ausfallen.

5. Locken Sie mit einem nachhaltigen Arbeitsumfeld

Egal, ob online oder vor Ort: Präsentieren Sie den Bewerber:innen ihren zukünftigen Arbeitsplatz als ein "grünes" Umfeld. Kandidat:innen, denen Umweltschutz und fairer Handel am Herzen liegen, werden Sie mit einem TO-GO-Kaffee von der Kette nebenan eher abschrecken. Gleiches gilt für Lieferdienst-Plastikverpackungen, die beim Online-Bewerbungsgespräch mit Ihrem Recruiting-Team im Hintergrund zu sehen sind.

Schon mit Kleinigkeiten setzen Sie Zeichen, beispielsweise durch den Verzicht auf Kaffeekapseln sowie unnötige Papierausdrucke. Bieten Sie frisches Bio-Obst und Getränke aus Glasflaschen. Wenn ihren Mitarbeiter:innen keine Kantine zur Verfügung steht, nutzen Sie Mehrweg-Behälter fürs Take-Away oder Erstellen Sie eine Liste mit Lieferdiensten, die auf Mehrweg- oder recyclingfähige Verpackungen setzen.

Wenn Sie auf Recruiting-Events Give-Aways einsetzen, verzichten Sie hier auf Wegwerf-Artikel und Plastikverpackungen.

Die Zukunft wird nachhaltig!

Das Thema Nachhaltigkeit wird in Zukunft beim Recruiting auf jeden Fall noch an Bedeutung gewinnen. Unternehmen sollten daher ihr Engagement in diesen Punkten verstärken und auch deutlich sichtbar zu machen. Sie müssen dabei "proaktiv, authentisch und transparent kommunizieren, um die Erwartungen der zukünftigen Arbeitnehmer:innen zu erfüllen", betont Mathias Huber von McKinsey.

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