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Bewerber wollen gefordert werden

© Tim Gouw – unsplash.com

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Wer sich ausgiebig mit seinen möglichen neuen Mitarbeitern beschäftigt, erfährt viel und zeigt seine Wertschätzung. Das kommt offenbar an – selbst wenn der Bewerbungsprozess mal komplizierter ist.

Viele Arbeitgeber gehen davon aus, dass ein möglichst kurzes Bewerbungsverfahren im Sinne ihrer Bewerber sei. Umso überraschender klingen da zunächst die Ergebnisse einer Analyse der Karriereplattform Glassdoor: Bewerber wünschen sich demnach nämlich längere und herausfordernde Bewerbungsverfahren.

Glassdoor hat auf Basis von Bewertungen im Zeitraum 2. Juli 2018 bis 1. Juli 2019 eine Rangliste erstellt. Die Analyse zeigt eine Gesamtbewertung der Unternehmen anhand der positiven Bewertungen in Prozent, sowie den Schwierigkeitsgrad des Bewerbungsverfahrens auf einer Skala von 1 (sehr leicht) bis 5 (sehr schwer) und die durchschnittliche Dauer des Prozesses.

Auf Platz eins dieser Liste steht Salesforce. Der Anbieter von Cloud-Systemen hat einen Anteil von 94 Prozent an positiven Bewertungen erreicht, obwohl der Schwierigkeitsgrad seines Bewerbungsverfahren mit 3,5 auf einer Skala von 1 (sehr leicht) bis 5 (sehr schwer) am höchsten bewertet wurde.

Struktur und Transparenz werden geschätzt

Auf Platz zwei und drei der Rangliste folgen die Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG und PricewaterhouseCoopers (PwC). Insgesamt sind die meisten der Unternehmen den Bereichen Informationstechnologie, Mobilität und Wirtschaftsprüfung zuzuordnen. "Diese Unternehmen haben hohen Druck die Stellen zu besetzen und das Geld für die Investition in Bewerbungsverfahren", sagt Anja Lüthy, die als Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der TH Brandenburg lehrt.

Vor allem mit Struktur und Transparenz im Bewerbungsverfahren kann Spitzenreiter Salesforce laut der Auswertung punkten. "Bewerber möchten den Ablauf des Verfahrens klar kommuniziert bekommen", sagt Felix Altmann, Arbeitsmarktfachmann bei Glassdoor. "Jobsuchende möchten in einem Bewerbungsprozess herausgefordert werden und zeigen, was sie können". Denn nur wer einen realistischen Eindruck von der ausgeschriebenen Tätigkeit bekommt, kann einschätzen, ob er dem Anspruch gerecht werden kann.

Wie steht's um die Unternehmenskultur?

Außerdem wollen Bewerber Einblicke in die Unternehmenskultur erhalten. Dies ist vor allem bei mehrstufigen Verfahren gegeben, bei denen die Bewerber auf unterschiedliche Ansprechpartner treffen. "So kommt man im gesamten Verlauf (fünf einzelne Gespräche, telefonisch bis vor Ort) bereits mit vielen potentiellen Kollegen in Kontakt und kriegt einen guten Eindruck vom Unternehmen und Team-Fit", schreibt ein Bewerber in seiner Bewertung über den Bewerbungsprozess bei Personio, einem Anbieter von Software für Personalabteilungen, der auf Platz sieben der Liste steht.

Um Einblicke in die Unternehmenskultur zu gewährleisten, seien laut Lüthy Schnuppertage im Unternehmen sinnvoll, sowie der Einsatz sogenannter "Corporate Influencer"; Mitarbeiter des Unternehmens, die als Botschafter fungieren. "Junge Leute möchten freundliche, offene Gespräche auf Augenhöhe führen, bei denen sie auch Fragen zum Team und zum unmittelbaren Vorgesetzten stellen können", sagt Lüthy.

Mühe lohnt sich

Auch Nachfragen zur Persönlichkeit und den eigenen Werten empfänden die bewertenden Bewerber als positiv. Dies vermittle den Eindruck, dass der Arbeitgeber nicht nur an der fachlichen, sondern auch der persönlichen und kulturellen Eignung interessiert ist. "Für den Bewerber stehen die Unternehmenswerte, die Sinnhaftigkeit der Arbeit, und dass das Unternehmen zu ihm passt im Vordergrund", so Lüthy.

Wer sich also ausgiebig mit seinen möglichen neuen Mitarbeitern beschäftigt, erfährt nicht nur viel, sondern zeigt auch seine Wertschätzung. Das kommt offenbar an – selbst wenn der Bewerbungsprozess mal komplizierter ist.

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