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China-Ballerina bastelt DNA

e-fellow des Monats: Denise

e-fellow des Monats: Denise

Denises Nachname lautet Nguyen und kommt aus Vietnam, wie ihr Vater. Sie selbst ist zwar gebürtige Münchnerin, hatte aber früh Interesse an Asien. So richtig aktiviert wurde es aber erst, als in der zwölften Klasse ein Chinesisch-Kurs an Denises Schule angeboten wurde. Sie fand die Sprache mit den kuriosen Zeichen interessant und begann zu büffeln. Eine willkommene Abwechslung zu Englisch und Französisch. Ihre Liaison mit China machte im Bekanntenkreis die Runde und dieser versorgte sie mit immer mehr Berichten über das ferne Land. So wuchs die Faszination für die Sprache bald zu einer Begeisterung für ganz China.
 

Sprachlos in Shanghai

 Deshalb packte Denise nach dem Abi ihre Koffer und flog für eine Sprachreise nach Shanghai. Dort stellte sie schockiert fest, dass sie zwar geschriebenes Chinesisch verstehen, aber so gut wie gar nicht sprechen konnte. Um das zu ändern, bewarb sich Denise während ihres Bachelors bei der Studienstiftung für einen einjährigen Auslandsaufenthalt in Nanjing – inklusive intensiver Vorbereitungskurse. Dort lernte sie, nicht nur zu lesen, sondern auch zu sprechen. In Nanjing wohnte sie bei einer Gastfamilie und konnte so das Plaudern auf Chinesisch noch weiter trainieren.
 

Familienanschluss in Nanjing

 In einer chinesischen Gastfamilie wohnen, ist das nicht eine riesige Umstellung? Eigentlich schon, aber Denise hatte es gut getroffen. Sie war die vierzehnte Austauschstudentin in ihrer Familie, die ihr gerne half, unbekannte Begriffe zu entschlüsseln. Auch hatte Denise eine eigene kleine Wohnung und somit trotz Familienanschluss ihre Privatsphäre. Ein Plus war für Denise auch ihr asiatisches Aussehen. "Dadurch haben mich die Nachbarn nicht so angestarrt, wie sie es bei einem blonden Zweimeter-Mann wohl getan hätten." Denise lernte Erhu, die traditionelle chinesische Knie-Geige, und fühlte sich immer mehr zu Hause. Irgendwann war es auch kein Problem mehr, auf Chinesisch "einfach loszulabern" - einfacher, als zum Beispiel auf Französisch. Inzwischen kann Denise problemlos Filme gucken und Bücher lesen. Und auch die Aussprache klappt inzwischen ganz gut, obwohl es ihr da geht wie den Chinesen: Erklären könnte sie es nicht.
 

Biotechnik in Peking

 "Chinesisch sprechen macht mich einfach glücklich", sagt Denise. Deshalb nutzt sie jede Chance dazu und gibt ihre Erfahrungen in ihrem Blog weiter. An ihrer Uni in München betreut sie Austauschstudenten aus dem fernen Osten. Als sich ihr letztes Jahr die Möglichkeit bot, für ein Praktikum zwei Monate in Peking zu leben, zögerte sie nicht lange. Dort stand sie dann mit chinesischen Kollegen im Labor und lernte Vokabeln wie "Reagenzglas" (shìguǎn). Labor? Genau, denn Denise studiert nicht etwa Sinologie, sondern Molekulare Biotechnologie. Gerade arbeitet sie für ihre Masterarbeit an einem DNA-Konstrukt, das den Austausch von Genen ermöglichen soll. Damit könnte man zum Beispiel Erbkrankheiten heilen.
 

Patentanwalt in Paris

 Über ihre Arbeit sagt Denise: "Der Plan ist, die Welt zu retten. In der Realität arbeitest du Monate an einem einzigen DNA-Schnipsel." Das kann frustrierend sein. Deswegen will sie nicht dauerhaft in der Forschung arbeiten, sondern als Patentanwältin chinesische Kunden betreuen – gerne von Peking aus. Und weil man für die Prüfung zum europäischen Patentanwalt auch Französisch braucht, nutzte Denise letztes Jahr die Gelegenheit, ein Praktikum in Paris zu absolvieren und ihr Französisch aufzufrischen.
 

Ballerina in Russland

 Zwei- bis dreimal die Woche aber lässt Denise die Rettung der Welt ruhen: Sie tauscht Laborkittel gegen Spitzenschuhe und tanzt Ballett. Außerdem bringt sie sich gerade Russisch bei und hofft, im Herbst an einem Sprachkurs der Studienstiftung teilnehmen zu können. Dann würde sie das nächste Mal nach Nordchina fahren, in die Nähe der russischen Grenze, um das Gelernte gleich anzuwenden. "Russische Grammatik ist absurd", sagt sie. "Keine Regeln, viele Ausnahmen. Chinesisch ist viel einfacher." In Wahrheit ist Denise eben doch Sprachwissenschaftlerin.

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