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Afrika aus Leidenschaft

Lena (18) sitzt am Tisch mit ihrer Gastfamilie. Die Eltern essen, die Kinder warten, bis sie an der Reihe sind. "Nein", sagt die Gastmutter "du kannst nicht noch kurz rausgehen, Lena". Lena sagt nichts. Das Wort der Gastmutter ist Gesetz. So ist das in Burkina Faso. Die Älteren werden respektiert, die Kinder haben nichts zu sagen. Für Lena war es erstmal ganz schön hart, sich daran zu gewöhnen.
 

Nichts für Zuschauer

 Denn Lena ist niemand, der gerne zusieht. Sie studiert nicht nur Medizin, sondern nebenbei noch BWL an der FernUni Hagen. Lena läuft, schwimmt, fährt gerne Snowboard und betreibt sogar einen eignen Online-Shop für Beamer. Außerdem ist sie aktiv bei ihrer "UNICEF"-Hochschulgruppe, "Terre Des Femmes" und "Amnesty International". Wenn man sie fragt, wie sie das alles schafft, sagt Lena einfach: "Ich mache das aus Spaß, stehe 100-prozentig dahinter. Ich merke gar nicht, dass das Arbeit ist."
 

Praktikum: Menschenrechte

 Kein Wunder also, dass es Lena nach dem Abi nicht lange an einem Fleck hielt. Lena hatte "Wüstenblume" gelesen, und das Buch ließ sie nicht mehr los. Die Autorin Waris Dirie beschreibt darin die Beschneidung von Mädchen, und ihre Flucht nach England. Daraufhin erkundigte Lena sich bei "Terre des Femmes" nach afrikanischen Hilfsorganisationen, die Praktikumsplätze anboten. Besorgte Eltern konnten sie nicht von ihrem Plan abbringen, und so landete Lena in Burkina Faso bei Bangr Nooma, einer Menschensrechtsorganisation, die gegen Genitalverstümmelung bei Frauen kämpft.
 

Nicht nur zu Besuch

 In Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso, lebte Lena sechs Wochen bei Maimouna und ihrer Familie. Maimouna arbeitet selbst für Bangr Nooma und nahm Lena mit in Gerichtssäle, Krankenhäuser und in die Dörfer. Dieser Familienanschluss war gut für Lena, besonders, wenn fremdartige Kultur und Armut zu erdrückend wurden. Dann konnte Lena mit ihrer Gastschwester reden, die Englisch studierte und ihr half, Burkina Faso zu verstehen. So konnte Lena mehr sein als ein Besucher. "Die Familie war das Beste, was mir passieren konnte", sagt sie im Nachhinein.
 

Prediger unerwünscht

 Bangr Nooma arbeitet mit Angehörigen eines Dorfes, die im Auftrag der Organisation mit Beschneiderinnen und Vorstehern reden. Erst danach werden Treffen mit allen organisiert, bei denen Lena helfen konnte. "Man kann sich da nicht einfach hinstellen und predigen", sagt Lena. "Das würden die Menschen dort nie akzeptieren." Um in die Dörfer zu kommen, musste sie schon mal anderthalb Tage im Auto sitzen. Für die skeptischen Bewohner war Lena dann erstmal nur "Nassara" - die Weiße. Irgendwann hat sie schon darauf gehört.
 

Europäischer Idealismus

 In Afrika kommt man mit europäischem Idealismus oft nicht weiter, hat Lena erfahren. Viele Helfer erwarten Dankbarkeit und merken dabei nicht, dass sie die Menschen eher beleidigen, weil sie sich über sie stellen. "Man bekommt dann plötzlich seine Andersartigkeit sehr zu spüren. Und dann werden auch noch Hilfsgelder veruntreut. Das sind heftige Rückschläge".
 

Gegen Hilflosigkeit kämpfen

 Trotzdem war Lena nach ihren ersten sechs Wochen Afrika klar: Sie würde helfen und zwar als Ärztin. Deswegen fing sie an, Medizin zu studieren. Nach ihrem Studium würde Lena gerne bei Ärzte ohne Grenzen arbeiten. Weil sie aber nicht so lange warten will, flog Lena schon 2008 wieder nach Burkina Faso, als Studentin im Praktikum auf der Gynäkologie. Dafür lernte sie auch die Grundlagen der Sprache Mòoré, um sich zumindest ein bisschen verständigen zu können. Diesmal wurde sie direkt mit den Folgen der Verstümmlungen konfrontiert: "Berichte zu lesen und zu hören ist schon schlimm, aber es mit eigenen Augen zu sehen, das ist hart. Viele Opfer können sich keine Behandlung leisten. Diese Hilflosigkeit ist besonders frustrierend." Dagegen will Lena etwas unternehmen.
 

DevelopMed

 Darum gründet Lena gerade den Verein DevelopMed, zusammen mit e-fellow Christian. DevelopMed soll eine Plattform sein, durch die jeder gezielt helfen kann. Ärzte, die zum Beispiel einen OP-Tisch brauchen, melden das an. Unterstützer können dann dafür spenden. Dadurch werden lokale Ärzte unterstützt und die Versorgung entwickelt sich langfristig. "Afrika ist nicht weit weg. Dieser Gedanke muss sich verbreiten." Jetzt fehlen nur noch mehr Tatkräftige. Der deutsche Honorarkonsul von Burkina Faso unterstützt das Projekt bereits.

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