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"Deutsche mit Socken in Sandalen sind kein Klischee"

Roboter (Quelle: freeimages.com, julosstock)

Quelle: freeimages.com, julosstock

Nach dem Abitur in Tunis wagte der Tunesier Amir den Schritt, als Student nach Deutschland zu kommen. Mittlerweile macht er ein Doppelstudium an der TU München, ist Tutor für Elektroingenieur-Studenten, bastelt gerne an Robotern und ist neuerdings auch City Group-Leiter für die Münchner e-fellows. Wie hat er es geschafft, sich in so kurzer Zeit in eine neue Kultur einzufinden und so gut Deutsch zu lernen?

In Tunesien wuchs Amir mit Tunesisch, einem Dialekt von Arabisch, und Französisch auf. Er machte zudem einen Englisch-Kurs beim "British Council" und einen weiterführenden Französisch-Kurs am "Institut francais". An diesen Einrichtungen schätze er besonders den Kontakt mit Muttersprachlern. Die Begeisterung und das Interesse für Fremdsprachen war schon immer groß - durch diverse Reisen während der Schulferien - deswegen beschloss er, eine weitere Sprache zu lernen und ein Studium in Deutschland zu beginnen. 

Stipendium vom DAAD

Die Chance, sein komplettes Studium in Deutschland zu absolvieren, bekam er von der tunesischen Regierung in Kooperation mit dem DAAD, die die Besten seines Jahrgangs mit einem Stipendium förderten. 

Nicht nur übers Wetter plaudern

In Deutschland verbrachte er zunächst ein Jahr am Studienkolleg in Hannover, wo er einen Deutsch-Intensivkurs belegte. Während dieser Zeit besuchte er viele deutsche Städte und verliebte sich in München als Studienstadt. Sein Anspruch war, auf Deutsch richtige Diskussionen führen zu können und nicht nur übers Wetter zu plaudern. Mit Erfolg - Amirs Deutsch ist korrekt - sowohl mündlich als auch schriftlich. Und das nach nur zwei Jahren.

In Hannover machte er zudem noch eine "Feststellungsprüfung", ähnlich dem deutschen Abitur, obwohl er in Tunesien bereits Abitur mit den Leistungskursen Mathematik und Physik abgelegt hatte. Rückblickend war das aber sehr hilfreich für sein jetziges Studium, da er dabei schon viele technische Fachtermini lernte und sie jetzt gut in seinem Studium anwenden kann.

Roboter als größtes Hobby

Eines seiner größten Hobbys seit seiner Schulzeit ist das Programmieren von Robotern. Er experimentiert gerne mit ihnen herum und baut Hindernisse, die die Roboter dann mit Hilfe von Sensoren umgehen müssen. Außerdem unterstützt Amir auch jüngere TU Studenten im Softskill-Programm "adveisor". Das "ei" im Namen steht für die Fakultät EI, Elektro-und Informationstechnik. Hier hält er Workshops für die "adveisees" und begleitet sie in der zweiten Phase beim Roboter-Bau.

Sandalen in Socken

Was denkt ein Tunesier eigentlich über die Deutschen, jetzt da er bereits zwei Jahre hier verbracht hat? "Es gibt auf jeden Fall einen Unterschied zwischen Nord- und Süddeutschland. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten. Die Kommunikation ist sehr direkt, das macht Vieles einfacher. Außerdem brauchen die Deutschen für alles viele Regeln - wie zum Beispiel auch beim Schafkopfen! Und Socken in Sandalen sind kein Mythos", schmunzelt er. Der Hype um das Münchner Oktoberfest war für ihn auch ein bisschen zu viel Guten. Dafür liebt er es, rund um München wandern zu gehen.

Begeisterung für e-fellows.net

An seinem Studium in München schätzt Amir besonders, dass sich die Studenten der LMU und der TU vermischen und er viele internationale Menschen kennengelernt hat - auch in seinem Wohnheim. Das war in Tunesien nicht immer so einfach möglich.

Er hat im Studium auch schon viele andere e-fellows getroffen. Amir selbst ist über einen Freund zu e-fellows.net gekommen, der ihn einmal zum City Group-Treffen mitgenommen hat. Seit August 2012 hat er zusammen mit einer anderen Stipendiatin die Leitung der Münchner City Group übernommen. Er möchte in Zukunft gerne mehr Jour Fixes und Spieleabende organisieren. "Die Begeisterung der e-fellows steckt wirklich an!" Er schätzt den Austausch in der e-fellows.net Community und natürlich die gemeinsamen Treffen der e-fellows sehr, weil man dort immer wieder neue und interessante Leute kennenlernt.

e-fellow Amir über sich

Ich bin e-fellow, ...

... weil ein Freund von mir, der e-fellow ist, mich zum Reinschnuppern mal mit auf einem Jour-Fixe in München genommen hat. Dabei gefielen mir die Atmosphäre und die aktive City Group so gut, dass ich "offiziell" dazu gehören wollte.

Ich studiere mein Fach, weil ...

... ich im Gymnasium viel Spaß an Mathematik, Physik und Informatik hatte und ich mich nicht für eine Disziplin auf Kosten der anderen entscheiden wollte. So habe ich alle drei in einem Studium kombiniert.

Experte bin ich ...

... darin, mich für beliebige Themen wie zum Beispiel Soziologie und für internationale Menschen zu begeistern, Ziele und Visionen zu verfolgen und neue Sprachen zu lernen.

Gar nicht geeignet bin ich ...

... fürs Kochen. Inzwischen habe ich ziemlich gut Backen gelernt und das macht mir jetzt auch viel Spaß. Aber richtig gut zu kochen bleibt für mich rätselhaft - trotz großer Bemühungen.

Meine Buchempfehlung für die e-fellows ...

... die Französisch sprechen: " Le livre du voyage" von Bernard Werber. Einfach köstlich!

Mein größter Traum ...

... ist Unsterblichkeit. Ich möchte Spuren auf der Welt hinterlassen, so dass ein Teil von mir weiterexistiert.

In zehn Jahren ...

... hat Tunesien den demokratischen Wandel erfolgreich abgeschlossen, und besitzt robuste politische und gesellschaftliche Strukturen, die die Wirtschaft antreiben.

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