Partner von:

Vielbeschäftigter Faulenzer

Hobby-Archäologe Moritz bei einer Ausgrabung

Hobby-Archäologe Moritz bei einer Ausgrabung

Eigentlich ist Moritz gerne faul, liegt vor dem Fernseher, entspannt - aber nicht ständig. Wenn er sich unausgelastet fühlt, macht er sich auf die Suche: nach einem neuen Hiwi-Job, einem Sprachkurs oder einer Ausgrabung. Dabei wären viele allein schon mit seinem Studiengang gut beschäftigt: Moritz studiert Technische Kybernetik - Spezialgebiet Systembiologie - an der Uni Stuttgart.
 

Dienstältester Hiwi und Mathe-Tutor

 Im zweiten Semester merkte Moritz, dass er neben dem Studium noch viel Zeit übrig hatte. Da Hiwi-Jobs für ihn zum Studium dazu gehören, durchforstete er die Uni-Seiten und fing als studentische Hilfskraft am Institut für Steuerungstechnik der Werkzeugmaschinen an. Dort erarbeitet er nun schon seit sechs Semestern Lösungen für die Diagnose von Werkzeugmschinen in industriellen Fertigungsstraßen. Damit ist er der dienstälteste Hiwi und fast schon so etwas wie ein regulärer Mitarbeiter. Außerdem stand Moritz drei Semester lang als Tutor für Höhere Mathematik zweimal die Woche für zwei Stunden vor einer Gruppe in Klassenstärke. "Dabei absolvierte ich gleich noch ein Präsentationstraining", erklärt Moritz. "Inzwischen ist es für mich normal, vor Leuten zu stehen."
 

Archäologie jenseits von Indiana Jones

 Im Gegensatz zu Hiwi-Jobs würde er sein Hobby - die Archäologie - nicht jedem empfehlen: Ein Klassenkamerad hatte während seines Zivildiensts an Ausgrabungen teilnehmen müssen und schimpfte fürchterlich darüber. Moritz zog aus den Schimpftiraden vor allem die Erkenntnis, dass man kein Archäologe sein muss, um an Ausgrabungen teilzunehmen. Und dass das vielleicht etwas für ihn sein könnte. Im Internet suchte er nach einer Lehrgrabung und schrieb auf gut Glück eine Mail an den Leiter. Der antwortete kurz, wann und wo Moritz erscheinen solle. Den Sommer über kniete der e-fellow dann auf einer Matte und kratzte sich zentimeterweise durch einen Grabungsschnitt. Die Nächte verbrachte er auf einem Rotkreuz-Notbett.
 

"Survival-Urlaub" und Kontakt zur Vergangenheit

 "Das ist wie Survival-Urlaub mit Archäologie und coolen Leuten", erzählt der Kybernetiker, "Archäologen haben eine ganz andere Denkweise als Ingenieure. Das gefällt mir. Man lernt natürlich auch eine Menge über Geschichte. Es ist ein tolles Gefühl, zu wissen, dass Menschen vor 700 Jahren diese paar Steine dort zusammengebaut haben. Außerdem bin ich im Freien, mache etwas mit meinen Händen. Nach so einer Ausgrabung bin ich total erholt und kann mich wieder hinter meine Bücher oder den Monitor klemmen." Inzwischen hat der Hobby-Archäologe schon an einer zweiten Grabung teilgenommen.
 

Naturschützer aus Überzeugung

 Die Natur ist Moritz aber nicht nur als Ausgrabungsort wichtig: "Schon ein bisschen Naturschutz steigert die Lebensqualität ungemein. Ich glaube auch, dass wir kein moralisches Recht haben, den Planeten so auszubeuten, dass er kaputt geht." Deshalb ist er auch Vegetarier. Mit 15 kam er zur Naturschutz- jugend. Ihm gefiel, dass hier Naturschutz nicht verbissen betrieben wurde, sondern richtig Spaß machte. Später ent- deckte er, dass hinter den spannenden Aktionen auch ein gewisser Grad an Bürokratie steckt: "Aber wenn die Bürokratie richtig gemacht wird, kann sie viel bewegen: Oft sind Menschen zwar motiviert, aktiv zu werden, aber auch schnell weg, wenn sie auf scheinbar unüberwindbare Hindernisse stoßen. Ihnen muss man meist nur kurz aufhelfen, dann leisten sie tolle Arbeit. Wenn ich im Hintergrund die Weichen richtig stelle, kann ich viel mehr bewirken, als ich jemals selbst an Arbeit leisten könnte." Deshalb sitzt Moritz im Vorstand der Naturschutz- jugend und des Naturschutzbundes Baden-Württemberg.
 

Moritz' Tipps für effektives Zeit-Management

 Unglaublich, aber trotz all dieser Aktivitäten bleibt Moritz noch Zeit, um zu entspannen: "Es ist besser, intensiv und kurz zu arbeiten, mit kontrollierten Pausen. Gruppenarbeiten sind grundsätzlich gut, aber es macht keinen Sinn, erst dort das Buch aufzuschlagen. Statt sechs Stunden in der Gruppe zu lernen, lerne ich lieber eine Dreiviertelstunde alleine, kläre danach noch eine halbe Stunde lang offene Fragen in der Gruppe und gehe anschließend mit Freunden in die Kneipe."

nach oben

Du möchtest uns einen e-fellow für ein Porträt vorschlagen? Dann schreib eine E-Mail mit einer kurzer Begründung an das Redaktionsteam.

Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren