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Von Blindenführhunden und klingelnden Bällen

Blindenschrift lesen (Quelle: freeimages.com, sooperkuh)

Quelle: freeimages.com, sooperkuh

Wenn Moritz in einen Gesetzestext blickt, dann sieht er nichts - er muss die Paragraphen ertasten. Moritz braucht ein Gefühl für Recht, um sein ehrgeiziges Ziel zu erreichen: Er will in Jura promovieren. Dass er blind ist, hält ihn davon nicht ab. Im Gegenteil, seine persönlichen Erfahrungen sind eng mit seinem Dissertations-Thema verbunden: Blindenführhunde.

In Moritz' Leben spielen Blindenführhunde eine wichtige Rolle. Zum einen unterstützt ihn seit drei Jahren sein Hund Daggy, der ihn auf Schritt und Tritt begleitet. Zum anderen sind Blindenführhunde ein Thema, das sein Studium mit seinem sozialen Engagement verbindet.

Dank Barbara Salesch zur Promotion

Unter anderem inspiriert durch Fernsehrichterin Barbara Salesch, fing Moritz 2007 an, in Augsburg Jura zu studieren. Mittlerweile hat er das erste Staatsexamen erfolgreich abgeschlossen und arbeitet an seiner Promotion. Sein Thema: "Der Blindenführhund - rechtliche Betrachtung eines außergewöhnlichen Hilfsmittels." So abstrakt wie es klingt, ist das Thema nicht. Im Alltag stoßen blinde Menschen häufig auf rechtliche Unklarheiten im Zusammenhang mit Blindenführhunden. Zum Beispiel beim Einkaufen. "Menschen mit Blindenführhunden werden oft aus Lebensmittelgeschäften rausgeworfen." Mit seiner Dissertation will Moritz sein Fachwissen vertiefen, um in solchen Situationen besser helfen zu können.

Europaweites Engagement

Durch seine ehrenamtliche Tätigkeit kennt Moritz zahlreiche andere Blinde. Jahrelang war er als Vorstandsmitglied in Blinden-Vereinen aktiv: Im Lichtblicke e.V., einem Verein zur Förderung des Blindenführhundwesens, und in der European Guide Dogs Federation, einem europäischen Dachverband. Dabei hat er sich für europaweiten Austausch eingesetzt und Seminare organisiert. Besonders gefallen hat ihm während seines Engagements die direkte Unterstützung von Menschen mit Sehbehinderung; die hat er unter anderem gegenüber Krankenkassen vertreten. Dass er sich auch in seiner Promotion mit einem relevanten Thema beschäftigt, ist da nur eine logische Konsequenz.

Vereinsgründung zur internationalen Vernetzung

Bei der Mitarbeit in Vereinen möchte Moritz es inzwischen nicht mehr belassen – er ist dabei, einen eigenen Selbsthilfeverein zu gründen. Der Fokus der Vereinsarbeit soll auf der Vernetzung mit anderen Organisationen liegen. "Sieben Gründungsmitglieder habe ich schon zusammen, und es gibt circa 20 weitere Unterstützer."

Nicht nur die Jura-Kenntnisse, die er im Studium und in mehreren Praktika erworben hat, helfen ihm bei seinem Vorhaben. Auch eins seiner Hobbys kann er für den guten Zweck einsetzen: Programmieren. Ein befreundeter Informatikstudent hat ihm in der Schulzeit seine erste Programmiersprache gezeigt. Danach packte Moritz die Informatik-Leidenschaft. In seiner Freizeit hat er Codes geschrieben und an Fortbildungen teilgenommen – davon profitiert jetzt sein geplanter Verein, für den er an der Website und einer barrierefreien Software zur Vereinsverwaltung arbeitet.

Baseball-Bälle mit Klingeln und piepende Bases

Um sich nach all dem Engagement auch einmal sportlich auszupowern, hat Moritz ein interessantes Hobby: Baseball. In ganz Deutschland gibt es nur eine einzige Blindenbaseball-Mannschaft. In der ist Moritz Mitglied. "Der Ball ist mit Klingeln ausgestattet und die Bases geben einen Piepton von sich. Außerdem sind sehende Helfer dabei." Gegen andere deutsche Mannschaften kann Moritz zwar (noch) nicht spielen, doch dafür tritt er gegen internationale Teams an.

"Bloß keine eigene Gerichtsshow!"

Wie es nach der Promotion weitergehen soll? Zunächst einmal mit dem Referendariat und dem zweiten Staatsexamen. Thematisch interessiert sich Moritz besonders für Sozialrecht und Umweltrecht. In welchen Beruf er einsteigen will, weiß er noch nicht genau. Aber eins weiß Moritz sicher: Er möchte auf keinen Fall eine eigene Gerichtsshow.

e-fellow Moritz über sich

Ich bin e-fellow, weil ...

... ein Kumpel mich vor drei Jahren auf diese Plattform aufmerksam gemacht hat. Anfangs hatte ich Zweifel, wegen meiner nur mäßigen Abi-Note als Stipendiat genommen zu werden, aber es hat dank der Studienleistungen dann doch geklappt.

Ich studiere mein Fach, weil... 

... Sendungen wie "Barbara Salesch" in der sechsten Klasse mein Interesse für Jura geweckt haben. Hauptmotivation für die Wahl dieser Fachrichtung war natürlich dann eine andere, aber angefangen hat es tatsächlich mit diesen Gerichtssendungen (gefolgt vom Zweig "Wirtschaft und Recht" in der neunten Klasse und dem entsprechenden Leistungskurs in der Oberstufe). An Jura gefällt mir besonders die Möglichkeit, mit anderen Menschen arbeiten zu können und im Studium gelernt zu haben, kritisch zu denken, viele Fragen zu stellen und Problemstellungen von allen Seiten zu beleuchten.

Experte bin ich … 

... in allen Hundefragen, in einigen Bereichen des Sozialrechts und darin, mich für andere einzusetzen. 

Gar nicht geeignet bin ich für... 

... eine Berufslaufbahn, bei der sich ausschließlich alles nur ums Geld dreht und für alles, das dem Tanzen nahe kommt.

Meine Buchempfehlung für die e-fellows...

... Extreme Denial von David Morrell (ein sehr spannender Thriller). Oder – wenn es etwas Lustiges/Bescheuertes sein darf – Mieses Karma von David Safier.

Mein größter Traum ist es,...

... einmal eine eigene Familie zu haben und einen Job, der mir Spaß macht und noch Zeit für private Aktivitäten lässt.

In zehn Jahren... 

... werde ich hoffentlich meine Dissertation abgeschlossen haben ;-). Darüber hinaus werde ich eventuell meine ehrenamtliche Arbeit, die ohnehin meist täglich mehrere Stunden einnimmt, zum Beruf machen und mich als Anwalt – unter anderem im sozialrechtlichen Bereich – betätigen. Oder ich verfolge weiter meinen im Studium gewählten umweltrechtlichen Schwerpunkt.

Bei e-fellows.net gefällt mir besonders… 

... dass die Stipendiumsleistungen sehr nützlich und die Möglichkeiten der Vernetzung durch die Online-Community super sind. Außerdem gefällt es mir, auch mal über den eigenen Tellerrand zu schauen und fachfremde Fragen beantwortet zu bekommen.

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