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Medikamente mit Musik

e-fellow Victoria, Stipendiatin des Monats Januar 2009, Quelle: e-fellows.net

e-fellow Victoria, Stipendiatin des Monats Januar 2009, Quelle: e-fellows.net

Victoria schaut angestrengt auf das Reagenzglas mit der blauen Substanz. Welche Stoffe da wohl drin sind? Das soll die Pharmaziestudentin herausfinden. Die blaue Flüssigkeit muss nun im Labor der Uni Greifswald einiges über sich ergehen lassen. Victoria rückt ihr mit Chemikalien, Indikatoren und Bunsenbrennern auf den Leib. "Manchmal braucht man viel Geduld und muss ein wenig tricksen", sagt sie. "Aber mir machen die Laborversuche unglaublich Spaß." Vor ihren Büchern sitzt sie nicht ganz so gerne. Denn ein Pharmaziestudium heißt auch viel büffeln - vor allem Chemie und Physik. "Da muss ich mich besonders dahinter klemmen, denn ich bin ja schon ein bisschen aus dem Lernen und dem Stoff raus", sagt die 21-Jährige. Denn sie hat ihr Studium nicht gleich nach dem Abitur begonnen.
 

Zwei Herzen schlagen, ach, in ihrer Brust

 Victoria war zwei Jahre lang bei der Bundeswehr. Nach dem Abi wollte sie etwas mit ihrem zwei großen Leidenschaften machen: Musik oder Chemie. "Das passt ja irgendwie gar nicht zusammen", sagt Victoria. "Deswegen musste ich mich für eines entscheiden." Ihr Waldhorn und die Musik haben dabei erst einmal die Oberhand gewonnen - aber eben nicht als gewöhnliches Studium. "Da sind hinterher die Berufsaussichten nicht gerade rosig", weiß die Hornistin. Aber ein Pult in einem Orchester der Bundeswehr hat sie gelockt.
 

Im Gleichschritt Marsch

 Bis sie aber endlich in Uniform auf der Bühne sitzen konnte, musste sie sich erst einmal durch die Grundausbildung kämpfen. Mit 25 Kilo Marschgepäck stapfte sie mit anderen Rekruten in eisiger Kälte durch den Wald. "Das war anstrengend. Gerade weil ich nicht sehr sportbegeistert bin", gibt sie zu. "Aber man muss seinen inneren Schweinehund in den Hintern treten, dann schafft man das." Auch den schlauen Sprüchen der männlichen Kameraden zum Trotz, denn die blieben im Männerrevier Bundeswehr natürlich nicht aus.
 

Bei Witzen wird zurückgeschossen

 Frauen sind dort immer noch etwas Besonderes. "Da muss man dann einfach Kontra geben", erklärt Victoria. "Ich wusste ja vorher, worauf ich mich einlasse. Man darf da nicht zimperlich sein." Weder beim Umziehen im Wald, beim Schießtraining oder bei der Erste-Hilfe-Ausbildung gibt es Extrawürste für Soldatinnen. Einziges Zugeständnis für Frauen: Dixi-Klos beim Geländemarsch.
 

In der Kaserne spielt die Musik

 Nach der Grundausbildung durfte Victoria dann endlich wieder an ihr Horn. Im Ausbildungsmusikkorps Hilden bei Düsseldorf begann ihr Musikerleben bei der Bundeswehr. Wer aber glaubt, Musiker hätten in der Bundeswehr ein leichtes Leben, der irrt. Victoria musste genauso viel Disziplin an den Tag legen wie jeder andere Soldat - nur eben beim Üben. "Manchmal hab ich schon sechs Stunden am Tag Waldhorn gespielt", erzählt Victoria. Doch der Fleiß lohnte sich: Als erstes Orchester der Bundeswehr, in dem nur junge "Frischlinge" spielten, durften Victoria und ihre Kameraden ein eigenes Konzert geben.
 

Radetzky-Marsch, "Alte Kameraden" und Konzertmusik

 Danach diente Victoria im Wehrbereichsmusikkorps Erfurt. Auch dort waren alle Einsätze immer wieder eine Herausforderung und ein Erlebnis. Der Radetzky-Marsch bei Gelöbnissen, "Alte Kameraden" bei einer Kommandantenverabschiedung, oder Konzertmusik - die Bundeswehrmusiker haben alles auf dem Programm.
 

Der Forschernatur frönen

 Obwohl es Victoria in ihrem Bundeswehrorchester gut gefallen hat, bereut sie es nicht, für ihr Pharmaziestudium nach Greifswald gegangen zu sein. Die Kleinstadt gefällt Victoria. Eine lange Partymeile braucht sie nicht. "Hier kann man so wunderschön am Meer stehen, auf das Wasser schauen und einfach an nichts denken." Die Alternative zum Studium mit Meerblick wäre ein Musikstudium bei der Bundeswehr gewesen. Nach der Umstellung auf Bachelor und Master ist es aber im Moment nicht sicher, ob man nach zwölf Jahren Verpflichtung bei der Bundeswehr einen anerkannten Abschluss in der Tasche hat oder als arbeitsloser Künstler auf der Straße steht. Deswegen hat sich Victoria ihrer zweiten Liebe, der Chemie, zugewandt. Ihr Traum ist es später nach Medikamenten für noch nicht heilbare Krankheiten zu forschen oder eine eigene kleine Apotheke zu leiten. Und wenn dann noch Zeit für die Musik bleibt, hat Victoria genau das, was sie immer wollte: ein Leben mit ihren zwei großen Leidenschaften.

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