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Mathe gegen den Herzinfarkt

e-fellow Stefan Saur promoviert an der ETH Zürich in medizinischer Bildverarbeitungstechnik, Quelle: e-fellows.net.

e-fellow Stefan Saur promoviert an der ETH Zürich in medizinischer Bildverarbeitungstechnik, Quelle: e-fellows.net.

Wenn ein Patient mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Züricher Universitätsspital kommt, sieht e-fellow Stefan den Fall mathematisch-nüchtern. Fett- oder Kalkablagerungen in den Arterien könnten Schuld sein am Infarkt. Sie verengen die Blutgefäße, sodass der rote Lebenssaft keinen Weg mehr findet, um den Körper zu versorgen. Wo genau diese Verengung aber sitzt, ist für die Ärzte schwer herauszufinden. Denn die Herzgefäße sind verzweigt und müssen alle manuell erkannt werden. e-fellow Stefan forscht daran, dass das einmal anders wird. Schuld an seiner medizinischen Tüftelleidenschaft sind übrigens die Singapurer.
 

In Singlish, please!
 Fünf Monate verbrachte der 28-Jährige während seines Elektro- und Informationstechnik-Studiums in Singapur. Die Verständigung war nicht immer ganz einfach. "In Singapur wird kein reines Englisch gesprochen, sondern das so genannte 'Singlish'. Die Sprache klingt wie Englisch mit einem starken Dialekt", erklärt der e-fellows.net-Stipendiat. Neben Englisch sind Malaiisch, Tamilisch und Chinesisch die Amtssprachen des kleinsten südostasiatischen Landes. Zeit, eine der exotischen Sprachen zu lernen, hatte Stefan jedoch nicht: "Normalerweise belegen die singapurischen Studenten vier Vorlesungen pro Semester. Wir deutschen Austauschstudenten besuchten sechs Veranstaltungen, um mit unserem Studium in Deutschland später nicht in Verzug zu kommen."
 

Freies Denken? Fehlanzeige!
 Und das bedeutete jede Menge Arbeit. Für alle Seminare musste Stefan mindestens eine, häufig aber auch zwei bis drei Hausarbeiten und Präsentationen erarbeiten. Der Aufwand war wesentlich höher als in Deutschland. Auch die Arbeitsmentalität der Singapurer war für den Deutschen gewöhnungsbedürftig. "Sie haben viele Dinge einfach auswendig gelernt. Wenn es darum ging, in Gruppenarbeiten selbstständig zu Lösungen zu kommen, war das sehr schwierig." Trotzdem genoss e-fellow Stefan seine Zeit in Asien: "Die Schwerpunkte im Studium waren etwas anders als in Deutschland und ich habe mich zum ersten Mal intensiv mit medizinischer Bildverarbeitung auseinandergesetzt."
 

Diplomarbeit in Princeton
 Bevor es ihn nach Asien zog, hatte der Doktorand bereits ein Praktikum bei Siemens in Deutschland absolviert. Und Stefan weiß, was 'Networking' bedeutet: Von Singapur aus frischte er die alten Kontakte auf und ergatterte so eine Diplomarbeit in einem Forschungslabor von Siemens. Seine Betreuerin bei Siemens arbeitete früher selbst in Princeton und vermittelte den Kontakt.
 

Damit das Herz im Takt bleibt
 In Princeton forschte er daran, dass das menschliche Herz nicht aus dem Takt kommt: Stefan arbeitete an einem Projekt für Katheternavigation. Mit dem Katheter können Herzrhythmusstörungen deaktiviert werden. Er entwickelte einen Algorithmus, mit dessen Hilfe Ärzte berechnen, wo bei ihrem Patienten die Arterie liegt, um so Gefäßwandbeschädigungen bei der Navigation zu vermeiden. Das Forschungsprojekt war schließlich die Grundlage für seine momentane Doktorarbeit an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Dort arbeitet er nun gemeinsam mit Radiologen in einem Team. "Wir arbeiten an einem Algorithmus, der eines Tages die CT-Bilder automatisch nach Ablagerungen scannt. Den Ärzten würde ihre Arbeit dadurch erleichtert und die Chance, dass sie Ablagerungen übersehen, verringert sich."
 

Die Zukunft: Asien oder die Schweiz?
 Mindestens ein halbes Jahr arbeitet Stefan noch an seiner Promotion. Was danach kommt, weiß er noch nicht genau. An der Uni bleiben und weiter forschen will er eher nicht. Dafür zieht es ihn vielleicht in die Unternehmensberatung oder in die Industrie - oder noch einmal in ein anderes Land. Asien kommt für ihn in Frage. Oder liegt sein Zielland viel näher? "Vielleicht bleibe ich auch einfach in der Schweiz. Schließlich bin ich hier auch schon im Ausland."

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