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Digitalisierte Hilfe für Medizinstudenten beim Examen

Medizin, Doktor, Kittel [Quelle: RGBStock.com, Autor: lusi]

Quelle: RGBStock.com, lusi

Die besten Ideen kommen einem beim Lernen - zum Beispiel der Einfall für eine Unternehmensgründung. So ging es Alumnus Sievert Weiss. Inzwischen versorgen er und seine Kollegen 90 Prozent der Medizinstudenten mit ihren Übungsfragen und Lernkarten fürs Examen.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Ihr Unternehmen zu gründen?

Als ich mich zusammen mit zwei Freunden auf das zweite medizinische Staatsexamen - das sogenannte Hammerexamen - vorbereitet habe, haben wir uns wie alle anderen auch an den Fragen aus den vergangenen Prüfungen orientiert. Mittlerweile existieren ungefähr 10.000 Altfragen zum Üben. Während wir gelernt haben, sind uns einige Schwächen an den vorhandenen Lernmaterialien aufgefallen. Es gab noch kein wirklich gutes Online-System. Die Übungsbücher waren zwar schon teilweise digitalisiert, aber es fehlte an einer Aufbereitung für die digitale Nutzung. Die Lerninhalte waren beispielsweie nicht mit den Altfragen verknüpft. Den Grund für eine falsche Antwort nachzuvollziehen war daher richtig aufwendig.

Also haben wir uns genau überlegt, wie man das besser machen könnte. Auch nach dem Examen hat uns diese Idee nicht losgelassen. Mitte 2011 saßen wir dann zusammen beim Essen im Steakhouse und haben beschlossen, dass wir das Ganze angehen. Einer meiner Freunde hatte schon vor dem Studium eine Software-Firma gegründet – er kannte sich also aus und konnte einschätzen, wieviel Programmieraufwand unser Projekt beinhaltete. Mein anderer Freund und ich waren beide sehr in der Lehre engagiert und haben die didaktische Komponente beigesteuert. Wir haben einen Business Plan erstellt und Gespräche mit Investoren geführt. Anfang 2012 begann dann die Umsetzung.

Wie sah die Umsetzung konkret aus?

Zunächst haben wir über die Rechte an den Fragen des Instituts für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) verhandelt und eine Redaktionsoberfläche entwickelt. Dann kam die eigentliche Mammutaufgabe: Wir mussten für alle Fragen die richtige Antwort herausfinden und zusätzlich Kommentare dazu erstellen. Daran haben 25 medizinische Redakteure neun Monate in Vollzeit gearbeitet. Ein Redakteur schafft an einem normalen Acht-Stunden-Tag vielleicht zehn Fragen – diese Phase des Projekts war wirklich extrem aufwendig. Wir haben viel Zeit, Mühen und vor allem Herzblut in diese Aufgabe investiert.

Wann haben Sie Ihr Produkt auf den Markt gebracht?

Das war Ende 2012. Prinzipiell war unsere Software für Examenskandidaten gedacht, aber inzwischen haben wir es so erweitert, dass es auch für Studenten im klinischen Studienabschnitt, Assistenzärzte und niedergelassene Ärzte interessant ist. Sie können, unabhängig von der Examensvorbereitung, auf unserer Website ihr Fachwissen vertiefen. Mittlerweile haben wir das dritte Examen begleitet und liegen bei einem Marktanteil von ungefähr 90 Prozent. Die Firma hat sich super entwickelt - wir haben knapp über 20 feste Mitarbeiter und 20 freie, die in Büros in Berlin und Köln arbeiten. 

Welche Überraschung gab es bei der Unternehmensgründung?

Eine Unternehmensgründung ist eine einzige Überraschung. Am Anfang hat man noch gar keine Struktur, man sitzt vor einem weißen Blatt und versucht, es mit all den spannenden Ideen zu füllen. Die schönste positive Überraschung war für mich das anschließende Feedback der Nutzer, die nicht nur durch Zahlen bestätigen, dass wir genau das Richtige machen. Eines Morgens saß mir gegenüber in der S-Bahn ein Student, der gerade mit unserem Lernprogramm Amboss auf seinem Handy kreuzte. Ich war total begeistert, die Nutzung unseres Programms live mitzuerleben.

Was könnte man Ihrer Meinung nach am Medizin-Studium verbessern?

Das Studium selbst ist spannend und macht Spaß, aber die praktische Ausbildung hinkt ein bisschen hinterher. Man müsste die Studenten noch mehr darauf vorbereiten, was sie im Klinikalltag erwartet: Wie priorisiere ich Aufgaben? Wie rede ich mit dem Patienten? Wie führe ich Diagnosegespräche? Ich selbst war während meines Studiums viel im Ausland und habe andere Systeme kennengelernt, in denen Studenten früher und strukturierter in den klinischen Ablauf eingebunden werden.

In Brasilien zum Beispiel bestehen die letzten beiden Jahre des Studiums aus praktischer Arbeit. Man ist dann fester Bestandteil der Arbeitsroutine im Krankenhaus. In Deutschland hängt es sehr davon ab, an welchen Arzt man in seiner Ausbildung gerät – es kann sein, dass man gut eingebunden wird, es kann leider aber auch das Gegenteil sein. Das liegt zum größten Teil an einem strukturellen Defizit. Die Assistenzärzte in Deutschland haben sehr viel zu tun und dann müssen sie auch noch einen Studenten weiterbilden. Dadurch kommt die Lehre im Krankenhaus einfach oft zu kurz.

Was muss man mitbringen, wenn man Medizin studieren will?

Nun ja, das ist schwer zu sagen – immerhin entwickelt man sich ja während so eines sechsjährigen Studiums noch sehr stark. Aber zunächst einmal muss man gute Noten aus der Schule mitbringen, um das Studium aufnehmen zu können. Im Studium selbst ist natürlich Durchhaltevermögen gefragt. Besonders, wenn der Berufsalltag auf die Idealvorstellungen trifft. Man sollte sich nicht entmutigen lassen und gut in sich hineinhören, ob es das richtige Fach ist.

Was empfehlen Sie heutigen Medizin-Studenten?

Was mir selbst sehr gut getan hat und was ich anderen nur raten kann: den Blick über den Tellerrand wagen. Einfach mal schauen, was es sonst noch so gibt, zum Beispiel indem man in andere Länder geht oder sich andere Fachgebiete ansieht. Dadurch entstehen viele Synergien.

Und wie sollte man an das Examen herangehen?

Man sollte entspannt bleiben, sich vorher gut ausruhen und zuversichtlich sein. Zwischen 90 und 95 Prozent der Studenten schaffen das Examen. Auch wenn einem die Prüfung vorher bedrohlich vorkommt – die Chancen zu bestehen stehen doch sehr gut. Deswegen rate ich zu Gelassenheit. Und natürlich eine ordentliche Portion von unserem Lernprogramm Amboss, um gezielt und strukturiert durch das Studium und das abschließende Examen zu kommen.

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