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Die Anwältin am Piano

Quelle: freeimages.com, Rubenjob

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Mut zu den eigenen Interessen - das rät Alumna Dr. Miriam Nabinger den e-fellows. Denn in der Großkanzlei sind keineswegs nur stromlinienförmige Lebensläufe gefragt - manchmal wird sogar eine Keyboard-Spielerin für die Kanzlei-Band gesucht.

Warum haben Sie sich für Clifford Chance entschieden?

Ich habe mehrere Recruiting-Veranstaltungen besucht, und von Anfang an empfand ich eine gewisse Sympathie für Clifford Chance. Bei anderen Kanzleien hatte ich nicht so stark das Gefühl wie bei Clifford, gut aufgehoben zu sein. Neben dem Anspruch, fachlich auf höchstem Niveau zu arbeiten, war mir die persönliche Ebene besonders wichtig, weil man sehr viel Zeit miteinander verbringt.

Wie sind Sie auf Clifford aufmerksam geworden?

2008 nahm ich am Karriere-Workshop "Next Generation" in Düsseldorf teil, der sich nur an Frauen richtete. Mich interessierte, was eine Großkanzlei Juristinnen bieten kann und ich erfuhr, dass Clifford Chance mit einem Frauenanteil von 40 Prozent unter den Associates und 16 Prozent in der deutschen Partnerschaft die Kanzlei mit einer der höchsten Frauenquoten ist. Das war der erste sehr positive Kontakt. Bei der Veranstaltung "Perspektive Wirtschaftskanzlei" in Montabaur lernte ich dann beim Abendessen einen meiner jetzigen Partner kennen - das war ein interessanter und lustiger Abend. Ich fand es spannend, was er aus seinem Rechtsgebiet Litigation und über das breite Spektrum seiner Mandate berichtete.

Schließlich nahm ich noch an einer Veranstaltung der Uni Frankfurt teil, bei der Partner und Associates verschiedener Kanzleien Vorträge hielten. Die Kanzleivertreter von Clifford waren mir sehr sympathisch. Also habe ich den Kontakt aus Montabaur wiederbelebt und mich für eine Wahlstation im Bereich Litigation beworben, die ich dann im Frankfurter Büro von Clifford Chance absolviert habe. Und dort bin ich dann geblieben. Ich versprach mir von dem breiten Spektrum an Mandaten und Mandanten, das den Litigation-Bereich von Clifford Chance unter anderem auszeichnet, eine gute und vielseitige Ausbildung und wurde bisher nicht enttäuscht.

Wie lief das Bewerbungsverfahren ab?

Da ich meine Wahlstation schon bei Clifford absolviert hatte, musste ich nicht mehr durch die sonst üblichen Bewerbungsrunden. Ich hatte nur noch ein Gespräch mit dem Leiter der Personalabteilung und den Partnern, mit denen ich im Referendariat nicht unmittelbar zusammengearbeitet hatte. Das war ein eher entspannter Termin, der nur am Rande mit Fachlichem zu tun hatte. Vielmehr ging es nach meiner Einschätzung für beide Seiten darum, ob es persönlich passt.

Was war die erste Überraschung in Ihrem Job?

Dass ich vom ersten Tag an sehr eigenständig arbeiten konnte. Ich bekam gleich eigenverantwortliche Fälle übertragen. Außerdem hat mich der Perspektivenwechsel von der Referendarin zur Anwältin überrascht: Auf einmal sah ich das große Ganze und fühlte mich noch einmal ganz anders verantwortlich für meine Arbeit. Eine weitere Überraschung war der kollegiale Umgang untereinander. Meine Abteilung hat zum Beispiel eine eigene Band, in der ich Keyboard spiele - ich wurde schon nach ein paar Wochen aufgenommen. Und ich war erstaunt, dass ich schon Personalverantwortung habe – sowohl für mein Sekretariat als auch für Referendare. So muss ich häufig entscheiden, welche Aufgaben ich einem Referendar übertragen kann. Da ich noch aus eigener Erfahrung weiß, welche Tätigkeiten man als Referendar spannend findet, versuche ich, den Referendaren diese zu ermöglichen.

Welche Stärken - vielleicht auch Schwächen, die es zu überwinden galt - haben Sie an sich entdeckt?

Ich arbeite gerne schnell und habe gelernt, dass man gut damit beraten ist, Texte vor der Abgabe erst einen Moment liegen zu lassen und dann noch einmal zu lesen - und zwar am besten nicht auf Bildschirm, sondern ausgedruckt. Es kann immer mal zu Flüchtigkeitsfehlern kommen - und manchmal sieht man beim zweiten Drüberlesen die Dinge auch noch einmal anders. Auch Selbstorganisation ist sehr wichtig. Man sollte sich von Anfang an Systeme zur Termin-Erinnerung und zur Organisation des Arbeitsplatzes überlegen und diese auch durchhalten. Das war zwar vorher nicht unbedingt eine meiner Schwächen, aber ich habe festgestellt, dass man dabei nicht gut genug sein kann. Was meine Stärken angeht: Ich kann auf unterschiedliche Mandanten- und Kollegenpersönlichkeiten gut eingehen. Adressatenbezogene Kommunikation liegt mir und macht mir auch sehr viel Spaß, ich denke, das ist eines meiner Talente.

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag aus und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Kollegen?

Ich führe Schiedsverfahren und Prozesse. Dafür schreibe ich Schriftsätze, telefoniere viel mit Mandanten, um mir den Sachverhalt zu erarbeiten, bevor ich ihn bewerten kann. Im Litigation-Bereich gibt es weniger standardisierte Abläufe als in anderen Rechtsgebieten. Man befasst sich immer mit unterschiedlichen Themen: Schiedsverfahren, grenzübergreifende Vollstreckung, Leasing-Fälle, Interpretation und Auslegung von ausländischen Entscheidungen und deren Auswirkungen auf Deutschland. Ich trete auch vor Gericht auf, das erste Mal bereits zwei Monate nach meinem Einstieg. Litigation ist neben dem Arbeitsrecht nahezu die einzige Einheit in der Kanzlei, die regelmäßig vor Gericht erscheint. Die Auftritte vor Gericht, die Kommunikation mit dem Gericht und mit Mandanten machen mir Spaß. Die Arbeit hat ein hohes Niveau, ist stets professionell und immer kollegial. Die Türen bei uns stehen offen, Fragen sind jederzeit erlaubt.

Was würden Sie als Ihren größten beruflichen Erfolg bisher bezeichnen?

Die größten Erfolge sind für mich Dank und Anerkennung vom Mandanten und vom Partner, Lob für meine Arbeit. Das kann auch verstecktes Lob sein, wenn mein Partner zum Beispiel in der Telefonkonferenz mit dem Mandanten die Argumentation verwendet, die ich vorher mit ihm besprochen hatte. Das zeigt mir, dass meine Ideen wertgeschätzt werden.

Ist Ihnen auch einmal ein Fauxpas unterlaufen? Welche Erkenntnis zogen Sie daraus?

Es ist mir schon passiert, dass mir unter Zeitdruck mal ein Aspekt eines Falls durch die Lappen gegangen ist. Entweder hat mich dann jemand darauf aufmerksam gemacht oder ich habe es selbst noch gemerkt. Da hilft nur, den Fehler offen anzusprechen und dazu zu stehen - letztlich lässt sich alles klären.

Inwieweit ist der LL.M.-Abschluss hilfreich für Ihre Karriere gewesen?

Ich besaß schon vorher relativ gute Englischkenntnisse, mein Hauptbeweggrund war es also nicht, durch das LL.M.-Studium mein Englisch zu verbessern. Aber in der juristischen Fachterminologie habe ich dazugelernt - in meinem Arbeitsalltag profitiere ich von meinem Rechtsenglisch. Außerdem wollte ich mit dem LL.M. meine Selbständigkeit unter Beweis stellen und einen anderen Kulturkreis kennenlernen. Ich war in Stellenbosch in Südafrika - das ist immer ein guter Anknüpfungspunkt in Gesprächen, weil es ein Ort ist, an dem die meisten eher Urlaub machen. Ich habe dort unter anderem internationales Privatrecht gemacht, was mir jetzt hilft. Ich würde dazu raten, beim LL.M. Kurse mit internationalem Bezug zu wählen.

Wie hat sich Ihr Privatleben verändert, und worin finden Sie den Ausgleich zum Job?

Wochenendarbeit steht bei uns nur in den allergrößten Notfällen an, das war bei mir bisher nur einmal der Fall. Die Arbeitsbelastung lässt mir Zeit für meine Hobbys Yoga und Musik. Die Kanzlei bietet auch Yoga-Kurse an, an denen ich teilnehme. Ich pflege nach wie vor meine Freundschaften - das erfordert vielleicht etwas mehr Aufwand als im Studium, ist aber machbar, wenn die Freunde auch Verständnis dafür haben, dass ich nicht um 18 Uhr ins Kino mitkommen kann. Wir haben sehr viele Fristen, dadurch lässt sich der Arbeitsalltag besser planen als zum Beispiel im Transaktionsbereich. Ich kann mich auf meine Fristen einstellen und dann dementsprechend planen.

Wenn Sie mit Ihrem heutigen Wissen auf Ihr Studium zurückblicken: Gibt es etwas, das Sie anders machen oder worauf Sie besonders achten würden?

Ich würde schon während des Studiums ins Ausland gehen, entweder für ein Praktikum, zum Studium oder für eine fachspezifische Fremdsprachenausbildung. So gewinnt man Einblick in die Grundzüge einer anderen Rechtsordnung und lernt gleichzeitig eine andere Sprache. Zur Finanzierung sollte man auch an Stipendien denken - oft gibt es gar nicht so viele Konkurrenten um ein Stipendium wie man befürchtet. Außerdem würde ich heute meinen Horizont noch früher erweitern, um zu wissen, zwischen welchen Optionen man sich entscheiden kann beim Berufseinstieg.

Haben Sie so etwas wie ein Tagesmotto oder einen Tipp, den Sie den e-fellows mit auf den Weg geben möchten?

Ich habe den Eindruck, dass sich die derzeitige Studentengeneration sehr bemüht, den idealen Lebenslauf vorzuweisen. Mein Tipp wäre, Mut zu den eigenen Interessen zu haben und dazu zu stehen. Menschen, die in einer Großkanzlei arbeiten, sind weitaus weniger stromlinienförmig als man denkt.

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