Partner von:

"500 Euro pro Semester"

500 Euro Studiengebühren [Quelle: Pixabay.com, Autor: geralt]

Quelle: Pixabay.com, geralt

Die meisten Deutschen sind für Studiengebühren – wenn die Bedingungen stimmen. Ein Gespräch mit dem Bildungsökonomen Ludger Wößmann

DIE ZEIT: Herr Professor Wößmann, Sie sind Deutschlands wichtigster Bildungsökonom – wollen Sie nun Deutschlands wichtigster Bildungsprophet werden?

Ludger Wößmann: Wie kommen Sie denn darauf?

ZEIT: Sie behaupten, dass es spätestens 2020 wieder Studiengebühren in Deutschland geben wird. Dabei haben die Regierungen der Bundesländer die Studiengebühren nach einer Reihe krachender Wahlniederlagen abgeschafft.

Wößmann: In der Tat fühlten sich viele Landesregierungen getrieben von dem Gefühl, dass die Öffentlichkeit Studiengebühren sehr stark ablehnt. Konservative Regierungen haben ihre Macht nicht zu einem geringen Teil auch wegen der Studiengebühren verloren. Bislang haben wir deshalb geglaubt, dass der Großteil der Bevölkerung gegen Studiengebühren ist. Doch wir wissen nun: Das stimmt gar nicht.

ZEIT: Was genau haben Sie herausgefunden?

Wößmann: Im neuen ifo-Bildungsbarometer, einer repräsentativen Umfrage unter Erwachsenen in Deutschland, haben wir neutral gefragt: Sollen Studenten einen Teil ihrer Studienkosten durch Studiengebühren tragen? Das Ergebnis hat mich erstaunt: Es zeigte sich ein Patt; 44 Prozent sind für Gebühren, 46 Prozent dagegen, 10 Prozent unentschieden. Im vergangenen Jahr hatten die Gebühren nur 40 Prozent Befürworter.

ZEIT: Doch vermutlich ist die Ablehnung bei denjenigen höher, die besonders von Studiengebühren betroffen sind. Also bei Studenten und ihren Eltern.

Wößmann: Das stimmt: Menschen ohne Abitur sind zu 47 Prozent für Studiengebühren, Menschen mit Abitur nur zu 36 Prozent. In dieser Gruppe zeigt sich eine deutlich stärkere Ablehnung. In der politischen Debatte sind diejenigen, die ein besonderes Interesse an dem Thema haben, stets besonders laut.

ZEIT: Für einen Politiker, der Studiengebühren wieder einführen will und eine Wahl zu verlieren hat, ist das kein ermutigender Befund. Wen es nichts angeht, der ist für Studiengebühren – und geht dafür nicht auf die Straße. Wer betroffen ist, ist dagegen – und umso leichter zu mobilisieren.

Wößmann: Deshalb ist es wichtig, zu wissen, dass jene, die auf die Straße gehen würden, nicht für die gesamte Bevölkerung stehen. Die Zustimmung zu Gebühren verstärkt sich zudem deutlich, wenn man weiß, welchen großen finanziellen Vorteil ein Studium mit sich bringt. Wir haben einem zufällig ausgewählten Teil der Befragten folgende Fakten geschildert: Jemand mit Hochschulabschluss verdient im Schnitt 2.450 Euro netto im Monat, jemand mit abgeschlossener Lehre 1.850 Euro, jemand ohne Abschluss 1.400 Euro. Man sieht nun: Die Studenten von heute sind die Besserverdienenden von morgen. Mit diesem Wissen waren 50 Prozent für Studiengebühren, nur 38 Prozent dagegen. Die Mehrheit für Gebühren wächst noch weiter, wenn man ein bestimmtes Modell von Studiengebühren vorstellt.

ZEIT: Welches Modell ist das?

Wößmann: Das Modell der nachgelagerten Studiengebühren: Während des Studiums zahlt der Staat die Gebühren an die Universitäten; der Student zahlt sie nach seinem Studium dem Staat zurück, aber nur, wenn er ein bestimmtes Einkommen erreicht hat. Wer nicht genug verdient, zahlt nichts. Die Gruppe der Befragten, der wir dieses Modell vorgestellt haben, ist zu knapp 60 Prozent für Gebühren. Es gibt sehr dicke Mehrheiten für nachgelagerte Studiengebühren in der deutschen Bevölkerung.

nach oben
Verwandte Artikel

Hol dir Karriere-Infos,

Jobs und Events

regelmäßig in dein Postfach

Kommentare (0)

Zum Kommentieren bitte einloggen.

Das könnte dich auch interessieren