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"Die eine beste Universität der Welt gibt es nicht"

Universität Hochschule (Quelle: freeimages.com, mich_v_l)

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Ein Ranking, in dem einige Fachhochschulen besser abschneiden als Exzellenzuniversitäten? CHE-Geschäftsführer Frank Ziegele wundert das nicht.

ZEIT ONLINE: Im heute erschienenen U-Multirank schneiden einige Fachhochschulen besser ab als alle Exzellenzuniversitäten. Wo liegt der Fehler: beim Ranking oder bei der Exzellenzinitiative?

Frank Ziegele: Weder noch. Das U-Multirank misst im Gegensatz zu anderen internationalen Rankings verschiedene Qualitätsmerkmale einer Hochschule, also nicht nur die Forschung, sondern auch die Internationalität, die Einbettung der Hochschule in die Region oder den Wissenstransfer. Und gerade bei den letzten beiden Aspekten können deutsche Fachhochschulen auch im internationalen Vergleich stark punkten.

ZEIT ONLINE: Wie messen Sie das?

Ziegele: Wir schauen uns zum Beispiel an, wie stark die Hochschulen mit Industriepartnern kooperieren, genauer wie häufig Wissenschaftler ihre Forschungsergebnisse gemeinsam mit Industrieunternehmen publizieren. Bei den Co-publications with industrial partners belegen die Fachhochschulen in Reutlingen, Nürnberg und München selbst im globalen Vergleich die vorderen drei Plätze.

ZEIT ONLINE: Also vor der TU München, Harvard und Oxford?

Ziegele: Richtig. Aber wie gesagt: Diese Spitzenposition erreichen sie nur in diesem Punkt. Natürlich kann jede Exzellenzuniversität insgesamt sehr viel mehr Publikationen vorweisen, schließlich sind Universitäten stark auf die Forschung konzentriert. Aber wenn Fachhochschulen Forschung betreiben, tun sie es eben häufig mit der Industrie und die drei genannten besonders häufig.

ZEIT ONLINE: Und das ist per se gut?

Ziegele: Es ist per se genauso gut wie die häufige Veröffentlichung von neuen Erkenntnissen aus der Grundlagenforschung in international angesehenen Zeitschriften oder die besondere starke Wahrnehmung von Forschungsergebnissen – etwa dadurch, dass sie besonders häufig zitiert werden. Unterschiedliche Hochschulen haben eben unterschiedliche Profile und leisten verschiedene Beiträge für die Gesellschaft, genau das versuchen wir im Vergleich darzustellen.

ZEIT ONLINE: Am Ende kommt aber keine Rangliste der besten Universitäten heraus?

Ziegele: Die Vorstellung, dass es eine beste Universität der Welt gibt, ist eine Chimäre. Vielmehr gibt es Hochschultypen mit unterschiedlichen Profilen. Und genau an diesen Profilen sollte man die Hochschulen messen und die guten und schlechten Unis identifizieren.

ZEIT ONLINE: Nehmen wir das Profil der großen Forschungsuniversität. Wie schlägt sich Deutschland da?

Ziegele: Was die Gesamtzahlen der Publikationen angeht, fallen deutsche Universitäten ab: So kann eine Universität wie Harvard mehr als dreimal so viele Veröffentlichungen in internationalen Fachjournalen vorweisen als die Universität Heidelberg, die LMU München oder die FU Berlin. Fragt man jedoch, welche Wirkung die Publikationen erreichen, wie oft sie also zitiert werden, sieht es sehr gut aus. Hier spielen viele deutsche Hochschulen durchaus in der Spitze mit: die Exzellenzuniversitäten aber auch solche ohne diesen Status wie etwa die TU Kaiserlautern oder die Uni Mannheim.

ZEIT ONLINE: Was schließen Sie daraus?

Ziegele: Dass Deutschland tatsächlich in der Breite viele forschungsstarke Hochschulen vorweisen kann. Insofern ist der Ansatz der Exzellenzinitiative richtig, eine größere Zahl an Universitäten zu fördern und nicht nur zwei oder drei.

ZEIT ONLINE: Gleichzeitig fehlt aber die absolute Spitze.

Ziegele: Teilweise richtig, unter den ersten 25 Universitäten weltweit, deren Publikationen am häufigsten zitiert werden, finden wir 18 US-amerikanische Namen. In der Top-Liste der Veröffentlichungen, die in Kooperationen mit Kollegen aus anderen Ländern oder eben mit Industriepartner entstehen, sind dageggen Europäer oder Asiaten vorne weg und die Amerikanern tauchen erst unter ferner Liefen auf.

ZEIT ONLINE: Die Amerikaner denken vielleicht, dass sie die Kooperation nicht nötig haben. Gibt es sonst noch etwas, wo sich deutsche Hochschulen sehen lassen können?

Ziegele: Durchaus. Schauen wir uns die Internationalität der Hochschulen an, also wieviele ausländische Studierende sie haben oder wie häufig Studierende ins Ausland gehen, dann zeigt sich, dass Business Schools wie die WHU, die Munich Business School oder die EBS Wiesbaden hier einen einen klaren Schwerpunkt setzen.

ZEIT ONLINE: Wem nützen solche Informationen?

Ziegele: Das U-Multirank soll im Gegensatz zu anderen internationalen Vergleichen kein Show-Ranking sein. Wir wollen vielmehr eine solide Datenbasis liefern: für Entscheider in den Hochschulen und der Politik wie auch für fortgeschrittene Studierende, die sich fragen, an welcher Hochschule sie am besten ihren Master oder ihre Promotion machen. In jedem Fall gilt es hinzuschauen, wo genau Universitäten ihre Stärken und Schwächen haben, und sich nicht auf irgendwelche absoluten Rangplätze zu verlassen.

© ZEIT Online (Zur Original-Version des Artikels)

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